Der Mann, der niemals lebte

OT:  Body of Lies   -  129 Minuten -  Actionthriller 
Der Mann, der niemals lebte
Kinostart: 21.11.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Mann, der niemals lebte

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Ridley Scott ist natürlich ein Meister seiner Profession. Das steht ausser Frage, aber trotzdem hat er wohl seine besten Jahre bereits hinter sich. Nach seinen großartigen Auftaktjahren mit Die Duellisten, Alien, Blade Runner, Black Rain und Thelma und Louise ging es erstmal nur mehr reichlich flach dahin, bis dann mit Gladiator ein neuerlicher Schwung nach oben kam. Ansonsten gab es nur mehr viel solides, mal unterdurchschnittliches, aber immer wieder handwerklich überzeugendes. Der Mann, der niemals lebte reiht sich nun in die lange Liste an Scott Filmen ein, die zwar überzeugen, aber eben nicht so, wie man es gerne hätte.

Der CIA Agent Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) ist der beste Mann im Nahen Osten. Er wühlt im Dreck, hat sich perfekt an die Gegebenheiten angepasst, und beschafft wichtige Informationen im Kampf gegen den Terrorismus. Dabei wird er stets mittels Satelliten aus den USA überwacht, wo sein Vorgesetzter Ed Hoffman (Russell Crowe) versucht den Überblick über die komplexe Lage zu bewahren. Als Europa von einigen schweren Anschlägen erschüttert wird, versucht Ferris das Terrornetzwerk von Al-Saleem (Alon Aboutboul) zu infiltrieren. Dazu benötigt er aber die Hilfe des eigenwilligen, jordanischen Geheimdienstchefs Hani Salaam (Mark Strong), der als Gegenleistung aber völlig Offenheit fordert. Doch Ferris Lage verkompliziert sich, als er sich in die Krankenschwester Aisha (Golshifteh Farahani) verliebt…

Es sollte keine große Überraschung sein, dass sich die Welt seit dem 11.09.2001 verändert hat. Die wahren Schlachten finden nicht mehr zwischen zwei Armeen statt, sondern zwischen einer Armee und einem unsichtbaren Feind, der sich optisch nicht von den Verbündeten unterscheidet. Keine Uniformen mehr, keine klaren Ziele, sondern ein großes Versteckspiel, in dem es Tag für Tag darum geht kleine Siege zu erreichen, und Terroranschläge zu verhindern. Natürlich ist es als Aussenstehender sehr schwer zu beurteilen wie dies in der Praxis genau läuft, da die Medien natürlich nicht über solche, streng geheimen Aktionen berichten, aber jeder, der nicht gerade mit der rosaroten Brille durch die Welt läuft, wird sich zumindest im klaren sein, dass die Verantwortlichen nicht gerade zimperlich vorgehen.

Ridley Scott hat sich nun genau diesem Thema gewidmet, und zeigt in seinem neuen Film, der auf dem Roman „Der Mann, der niemals lebte“ von David Ignatius basiert, wie die Arbeit eines Agenten in der heutigen Zeit aussieht. Dabei basiert die Geschichte zwar nicht direkt auf einer wahren Begebenheit, versucht aber so gut es geht, auf die Realität Bezug zu nehmen. Besonders interessant ist es dabei zu sehen, wie die USA mit der beeindruckendsten technischen Macht der Erde aufmarschiert, aber trotzdem den kürzeren zieht, weil die Terroristen einfach auf moderne Kommunikation verzichten, quasi die Zeit zurück drehen und alles von Angesicht zu Angesicht besprechen.

Und genau wo die Technik nicht hinkommt, muss man eben auf die gute, alte Weise analog einsteigen. Sprich, man muss einen Agenten einschleusen, der die feindlichen Reihen infiltriert und dort mithört, wo es die Technik nicht mehr kann. In diesem Fall ist das entweder ein CIA Agent, oder man schafft es ein Mitglied der gegnerischen Seite umzudrehen. Der Mann, der niemals lebte macht auch deutlich, dass man sich in einer solchen Lage niemals sicher fühlen kann. Man wird von allen Seiten bedroht, bringt seine Geliebten in Gefahr, sodass man am besten nur als Einzelgänger durchs Leben geht, und sollte sich auch nicht zu viel Rückendeckung erwarten.

Im Zentrum des Films steht dabei die feurige, und engagierte Darbietung von Leonardo DiCaprio, der sich erneut als Schauspieler von Weltrang zeigt, und hier den gesamten Film dominiert. Stets am Limit des Erträglichen hetzt er durch den Nahen Osten um die Welt zu schützen. Dies sollte aber nicht falsch interpretiert werden, denn sein Roger Ferris ist kein strahlender Held, der die Unschuldigen rettet, sondern ein mit allen Wassern gewaschener Agent. So scheut er auch nicht zurück einen Informanten zu erschiessen, bevor dieser dem Feind in die Hände fällt, und er versteht es auch, wenn man einen Gefangenen foltern muss, um zu den nötigen Informationen zu gelangen.

An seiner Seite agiert ein Russel Crowe, der zwar keine so ergiebige Rolle wie DiCaprio hat, der aber dennoch alles aus seiner Figur herausholt. Notwendigerweise hat er sich dazu eine kleine Speckschicht angefuttert, und gibt sich als abgebrühter Organisator, der seine Verbündeten gerne einmal im Unklaren lässt, wenn er sich auf eine größere Dimension konzentrieren muss. Dabei gibt er sich verschlagen, aber auch überfrachtet mit Vorurteilen, sodass er gar kein Interesse dafür zeigt sich mit den kulturellen Gepflogenheiten im Nahen Osten zu beschäftigen, was ihn deutlich von Roger Ferris unterscheidet. Doch dass diese beiden Schauspiel-Schwergewichte großartig sind, ist ohnehin nichts Neues, und so sorgt Mark Strong für die darstellerische Überraschung des Films. Sein undurchsichtiger Geheimdienstagent Hani Salaam überzeugt mit Charisma und komplexer Gedankenwelt, und dominiert so manche Szene in der er auftaucht.

Doch Der Mann, der niemals lebte hat auch einige Schwächen zu verbuchen. Als größter Kritikpunkt muss man ganz klar die hineingeschusterte Liebesgeschichte erwähnen. Denn diese passt schlicht gar nicht in den Film, und wird am Ende auch noch als billiger Katalysator der Geschichte verwendet. Doch es passt ganz einfach nicht zum skrupellosen Agenten, dass er für eine Frau seine ganze Operation gefährdet. Leider ist dies eine Anbiederung an Hollywood, und tut der Thematik gar nicht gut. Schlussendlich muss man auch erwähnen, dass Der Mann, der niemals lebte vielleicht etwas unpointiert ist, und speziell am Ende die Chance auf einen mutigen Abschluss vergeigt. So fühlt man sich leider stellenweise etwas verloren, und weiß nicht so recht auf was der Film eigentlich hinaus will.

Dem hält Ridley Scott aber sein unglaubliches visuelles Gespür entgegen und er schafft es, wie man es von ihm gewohnt ist, wunderschöne Bilder aus dem Hut zu zaubern. Überhaupt kann Der Mann, der niemals lebte mit sehr dynamischen Szenen und einem reichlich intensiven Storyaufbau punkten, der auch dank des realistischen Konzpets gut funktioniert. Doch trotz allem wäre es mal wieder schön einen wirklich herausragenden Film von Ridley Scott zu sehen, der an seine alten Qualitäten anknüpft. Denn bei allen Qualitäten ist Der Mann, der niemals lebte eben nur ein weiterer guter Film, dem aber die Aura eines Meisterwerks spürbar fehlt.

Fazit:
Ridley Scott inszeniert mit Der Mann, der niemals lebte einen packenden Film über die Arbeit von heutigen CIA Agenten im Nahen Osten, und traut sich dabei durchaus zu zeigen, dass es in diesem Job äußerst rau vor sich geht. Die Darsteller, besonders Leonardo DiCaprio, Russel Crowe und Mark Strong, geben sich dabei von ihrer besten Seite, aber die etwas unpointierte Story und die unpassende Liebesgeschichte verhindern hier etwas Größeres.

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.1/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 33
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