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OT:  W.   -  129 Minuten -  Biopic 
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Filmkritik zu W.

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In letzter Zeit ist es sehr ruhig geworden um den einstigen Polit-Rebell, Querdenker und Hollywood-Großmeister Oliver Stone. Sein Traumprojekt Alexander floppte, sein World Trade Center wurde verrissen, seit letzter wirklich unterhaltsamer Film liegt mit An jedem verdammten Sonntag beinahe 10 Jahre zurück, und sein letzter herausragender Film Nixon, stammt gar aus dem Jahre 1995. Da kehrt Oliver Stone plötzlich wieder zu seinen Wurzeln zurück. Der erklärte Bush-Gegner will einen Film über den, in der ganzen Welt verhassten, US-Präsidenten drehen. Noch vor den Präsidentschaftswahlen schaffte es sein Portrait W. in die amerikanischen Kinos. Und jeder der Stone kennt, wird zweifellos überrascht sein.

Alles beginnt mit der legendären Besprechung, als George W. Bush (Josh Brolin) seinen berühmten Begriff „Achse des Bösen“ ans Tageslicht zaubert. In Rückblenden wird immer wieder erzählt, wie es der Sohn von George H. W. Bush (James Cromwell) ins Weiße Haus schaffte. Vom trinkfreudigen Lebemann, der von seinem Vater nicht ernst genommen wird, kämpft er sich über das Amt des Gouverneurs von Texas bis ins Amt des Präsidenten, nur um es seinen Vater zu beweisen, dass er es kann. Und natürlich ist dieser immer noch nicht mit ihm zufrieden…

George W. Bush ist wohl einer der unbeliebtesten US-Präsidenten aller Zeiten. Laut Umfragen hatte nur mehr jeder fünfte Amerikaner Vertrauen in ihn, was ein erschreckend niedriges Ergebnis ist. Regisseur Oliver Stone ließ nie einen Zweifel daran erkennen, dass er gegen die Politik Bushs ist. Und da jeder weiß, dass der Rebell kein Blatt vor den Mund nimmt, und aktiv und vehement für seine Meinung einsteht, konnte man sich mit W. einen äußerst radikalen und kontroversen Film erwarten.

Überraschenderweise ist von der radikalen Ader Stones aber nichts mehr erkennbar. Es war ja bereits in seinen letzten Filmen abzusehen, dass er nicht mehr der alte ist, aber trotzdem konnte man kaum erwarten, dass er seinen politischen Feind so sanft anpacken würde. Zugegeben, an satirischen Zündstoff und Peinlichkeiten für den Präsidenten mangelt es W. nicht, aber Oliver Stone scheint sich wirklich Mühe gegeben zu haben bedacht vorzugehen, und nicht mit voller Breitseite George W. Bush einzuschlagen.

Dank den großartigen Leistungen des Ensembles ist das Ergebnis auch zumindest unterhaltsam geworden. Besonders Josh Brolin, der bereits mit seinen Leistungen in American Gangster, und besonders in No Country for Old Men für Aufsehen sorgte, geht förmlich in seiner Rolle auf. Doch auch die anderen schaffen es, ganz unabhängig von den simplen optischen Ähnlichkeiten, das Abbild der jeweiligen Person zu beschwören, und prägnante Interpretationen darzubieten.

Doch leider kann dies über die offensichtlichen Schwächen des Films nicht hinwegtrösten. Das Leben George W. Bushs hätte sowohl auf komödiantischer, als auch auf dramatischer Ebene einiges hergegeben, aber Oliver Stone hat leider einen relativ simplen, und vor allem konventionellen Unterhaltungsfilm daraus gemacht. Die Handschrift Stones ist leider kaum erkennbar, und besonders wenn man die genialen Präsidentenfilme von ihm, Nixon und JFK, kennt, wird W. wohl leider etwas enttäuschend sein. Denn W. ist eigentlich kein Oliver Stone Film, sondern hätte auch von jedem anderen inszeniert werden können.

W. fehlt ganz einfach die nötige Tiefe, insbesonders die Nebenfiguren kommen deutlich zu kurz, und großteils wirkt W. nur wie der unvollständige Entwurf des Films, den Stone wirklich hat machen wollen. Doch obwohl der Film somit sicher nicht als großer Film in die Geschichte eingehen wird, und auch im Oeuvre von Stone nur eine untergeordnete Rolle spielt, wäre es auch übertrieben W. völlig zu verteufeln. Denn der Film besitzt zweifellos einige interessante Ansätze, und hat auch einen nicht zu unterschätzenden Unterhaltungswert.

Besonders faszinierend ist hierbei, wie Stone versucht die völlige Unfähigkeit Bushs als Präsident zu erklären. Er zeigt ihn nämlich einfach als Kerl von nebenan, der sich für die simplen Dinge des Lebens interessiert und gar nicht daran interessiert ist die komplexen Aspekte analytisch zu betrachten. Baseball interessiert ihn mehr wie Politik, und er würde lieber in einer Kneipe ein Bier trinken, als sich auf hochgestochenen Staatsempfängen herumzutreiben. George W. Bush ist also quasi das wandelnde Klischee eines Texaners.

Doch er ist ruhelos, und kann sich nicht mit seinem simpleren Wesen abfinden, da er immer wieder versucht seinen Vater zu beeindrucken. Besonders interessant ist hierbei, dass sich so ein eigentlich unfähiger Mann, alleine um sich aus dem Schatten seines Vaters herauszukämpfen, bis ins Weiße Haus durchgeboxt hat. Zusätzlich sind die Amerikaner in den Krisenzeiten rund um 09/11 auch noch gerade auf seine simple Ansicht der Dinge angesprochen, und wollten gar keine komplexe Sicht auf die Welt erklärt bekommen.

Doch im Laufe der Zeit stellte sich natürlich heraus, dass es mit so einem Mann nicht funktionieren kann, und am Ende von Bushs Amtszeit, steht der neue Präsident Barack Obama vor einem Scherbenhaufen. Besonders ironisch ist dabei natürlich, dass Bush erneut seinen Vater enttäuscht hat, was natürlich sein persönliches Drama noch eine Spur tragischer macht. Doch W. dümpelt leider auch auf dieser Ebene nur oberflächlich dahin, obwohl sich der Film schon fast zu sehr auf den Aspekt des dominanten Vaters versteift. Schlussendlich ist W. leider nicht der Film, der er hätte werden können, sondern ein solider Unterhaltungsfilm.

Fazit:
Der Polit-Rebell Oliver Stone ist definitiv leiser und konventioneller geworden. Von der Klasse eines JFK oder Nixon ist W. auf jedenfall ein gutes Stück entfernt. Dazu gibt sich der Film, trotz interessanter Ansätze, einfach zu simpel und einfach gestrickt. Ein solider Unterhaltungsfilm mit großartigen darstellerischen Leistungen (besonders Josh Brolin ist großartig) ist zwar dennoch dabei herausgekommen, aber von Oliver Stone hätte man sich einfach mehr erwarten können. Obwohl, heutzutage eigentlich auch nicht mehr.

Wertung:

6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
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