Borat

OT: -  82 Minuten -  Impro / Komödie
Borat
Kinostart: 02.11.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Borat

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Viele werden den britischen Comedian Sacha Baron Cohen zumindest vom Aussehen her kennen. Zwar wird er auch manchen auch namentlich ein Begriff sein, aber die meisten kennen ihn nur unter seinem Pseudonym Ali G., unter dem er unter anderem auf MTV durch seine Ali G. - Show, für Aufmerksamkeit sorgte. Den weltweiten Durchbruch schaffte er schließlich durch seinen Gastauftritt im Madonna Video Music. In der Rolle des Ali G. war Sacha Baron Cohen auch zum Ersten Mal auf der Kinoleinwand zu sehen. Genau dorthin kehrt er mit einer weiteren Rolle aus der Ali G. Show, zurück: Borat, der kasachstanische Journalist sorgte bereits im Fernsehen für herrlich unkorrekten Humor und probiert sich nun auch in einem abendfüllenden Film. Zwar kann er auch im Kino großteils überzeugen, jedoch bremsen sich die satirischen Elemente des Film selbst aus, da sie durch ekelhafte und sehr simple Humoreinlagen abgeschwächt werden.

 

Borat (Sacha Baron Cohen) hat den Auftrag bekommen, für sein Land Kasachstan, eine Dokumentation über Amerika zu drehen. Der TV-Journalist macht sich auch gleich mit seinem Produzenten auf den Weg. In Amerika trifft sich Borat mit einigen wichtigen kulturellen Instanzen des Landes: So soll er zum Beispiel den amerikanischen Humor kennen lernen und von einer feministischen Gruppe erfahren warum Frauen gleich gut sind wie Männer. Alles nicht so einfach für einen Osteuropäer, der jedes Klischee, dass man über diese Länder kennt, zur Gänze ausfüllt. Borat hat keine Manieren, ist ein Sexist und scheint sich in Amerika gar nicht einzuleben. Doch da entdeckt er eines Abends in seinem Hotelzimmer ein neues Ziel: Er will Pamela Anderson zu seiner Frau machen. Deshalb muss er sich zunächst ein Gefährt besorgen und sich auf einen wahnsinnigen Road Trip quer durch das Land bis nach Kalifornien begeben. Ein Bär zum Schutz und Kleidungstipps von einer Truppe Hip-Hopper darf natürlich nicht fehlen...

 

Borat: Cultural Learnings Of America For Make Benefit Glorious Nation Of Kazakhstan, so der Originaltitel dieses Films, darf sich ohne Zweifel damit rühmen, der schamloseste, kompromissloseste und politisch unkorrekteste Film seit sehr langer Zeit zu sein. Es macht gerade den Charme dieser Fake-Doku aus, dass er auf jede Minderheitsgruppe, die ansonsten in Filmen nur zu gerne sanft umschifft wird, gnadenlos einhackt. So fragt Borat zum Beispiel einen Autohändler ob sein Auto kaputt gehen würde, wenn er damit in eine Menge von Zigeunern fahren würde, oder er macht gar kein großes Geheimnis daraus dass er selbst ein Juden-Hasser ist.

 

Doch Borat macht diese Randgruppenwitze keinesfalls auf dumme Weise. Sie sind zweifellos unter der Gürtellinie, aber der Zweck dieser Witze ist nicht etwas die Randgruppen zu beleidigen, sondern vor allem aufzuzeigen welche altmodischen Vorstellungen die Menschen der westlichen Welt von Osteuropa und seinen Einwohnern hat. Auch ist es köstlich zu sehen wie die Amerikaner darauf reagieren wenn Borat seiner klischeebeladenen Persönlichkeit freien Lauf lässt. Denn Borat ist kein normaler Spielfilm, sondern eine Improvisationskomödie. Das heisst die Menschen auf die Borat trifft, sind ganz normale Amerikaner, die nichts davon wissen, dass sie ins Kino kommen.

 

So entstehen einige herrliche Szenen, wie zum Beispiel Borats Ansprache vor einem texanischen Rodeopublikum: “Ich möchte euch sagen, dass wir im Krieg des Terrors voll hinter euch stehen!“  “George Bush sollte jeden einzelnen Terroristen auf dieser Welt töten! Und er sollte nicht ruhen, ehe er vom Blut jedes einzelnen Irakers und auch dem ihrer Frauen und Kinder getrunken hat!" Beide Sätze ernten fanatischen Applaus der Amerikaner. Sacha Baron Cohen, traut sich so einiges und fühlt den Vorurteilen der amerikanischen Bevölkerung sehr heftig auf den Zahn. Da die gefilmten Menschen oft keine Ahnung hatten, muss sich Sacha Baron Cohen jetzt natürlich einige Klagen gefallen lassen, aber das ist eine andere Geschichte.

 

Die politischen Seitenhiebe und die humorvolle Demontage der Vorstellungen über Osteuropa hätten eigentlich einen sehr guten, ja herrausragenden Film ergeben. Doch leider macht es sich Borat an vielen Stellen selbst sehr schwer. Der Film ist überladen von ekelhaften Szenen, die das Humorniveau deutlich herabsetzen und mehr an Jackass, als an eine Satire erinnern. So müssen wir mitansehen wir Borat mit seinem Produzenten, nackt im Hotel kämpft und sich das Ganze zu einem haarigen, schweißnassen Gemenge auf unterster Ebene entwickelt. Auch viele Witze wirken sehr dämlich und seicht, sodass über einen beträchtlichen Teil der Laufzeit gähnende Langeweile entsteht.

 

Natürlich hat man Borat am Ende, dank seiner politischen Witze, als positiv in Erinnerung. Aber leider zerstören die seichten und unnötig dämlichen Passagen den Film etwas und verhindern dass etwas großes aus dem Film wird. Dieser Fäkalhumor ist vielleicht für pubertierende Jugendliche amüsant, aber in einer politischen Satire sollte dies keinen Platz finden. Es scheint so als wären dem Film an manchen Stellen, die brisanten Themen ausgegangen und deshalb hat man sich eben vom Niveau her etwas nach unten bewegt. Eigentlich Schade, da genau diese seichten Szenen so gar nicht in den Film passen und nur für langeweile und unbehagen sorgen.

 

Fazit:

Borat ist ein an manchen Stellen, herrlich witziger Film, der sich wirklich über jedes Klischee über Osteuropäer, Juden und sonstige Gruppen, lustig macht, die ansonsten tabu sind. Leider kann der Film seine politische Bosheit nicht durchgehend halten und verfällt an manchen Stellen deutlich auf eine sehr seichte Humorebene. Sehr Schade, denn wenn Borat seinen politischen Humor durchgezogen hätte, dann wäre der Film sehr gelungen. So wie er jetzt ist, ist er nur bedingt empfehlenswert.

 

Wertung:

6,0/10 Punkte

Filmering.at
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