Roman Polanski: Wanted and Desired (2008)

OT: Roman Polanski: Wanted and Desired - 99 Minuten - Dokumentation
Roman Polanski: Wanted and Desired (2008)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 12.05.2011 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Roman Polanski: Wanted and Desired

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Roman Polanski ist zweifellos ein bemerkenswerter Filmemacher. Als er schließlich im Jahr 2002 den, nach Meisterwerken wie Chinatown oder Rosemary’s Baby längst überfälligen, Oscar als Bester Regisseur erhalten hat, konnte er sich den Goldjungen allerdings nicht persönlich abholen. Wie viele sicher wissen liegt dies an einer, noch offenen, Gerichtsverhandlung Polanskis, denn der Regisseur hatte während des Prozesses fluchtartig das Land verlassen, und sobald er einen Fuß auf amerikanischen Boden setzen würde, würde er verhaftet werden. Roman Polanski: Wanted and Desired liefert nun die längst überfällige, filmische Aufarbeitung der Akte Polanski, und gewährt uns einen Einblick in ein schattenreiches Leben voller Tragik.

Im Jahr 1977 hat sich Roman Polanski, dank Filmen wie Rosemary’s Baby und Chinatown längst zu einer gefragten Persönlichkeit entwickelt. Auf Partys gerne gesehen, ein Lebemann wie er im Buche steht, und in vieler Hinsicht eine schillernde Persönlichkeit Hollywoods. Da kam plötzlich eine Meldung, auf die die sensationsgeilen Medien nur gewartet hatten: Die 13-jährige Samantha Gailey beschuldigte Polanski sie während eines Fotoshootings unter Drogen gesetzt und schließlich vergewaltigt zu haben. Der Prozess sollte zu einem der berüchtigtsten in der Geschichte Hollywoods werden: Denn der berühmte Angeklagte wurde zum Spielball eines Richters, der sich nur darum kümmerte im medialen Rampenlicht zu stehen…

Roman Polanski ist nicht nur ein legendärer Regisseur. Seine Lebensgeschichte ist wohl eine der tragischsten aller Stars und Sternchen, und für sich genommen einzigartig. Als Kind entging er dem Holocaust, verlor aber seine Mutter in einem Konzentrationslager, ging schließlich nach Amerika und wurde zum gefeierten Regisseur. Doch das Glück wehrte nicht lange, denn kurz nach der Premiere seines Rosemary’s Baby wurde seine hochschwangere Frau Sharon Tate vom Manson Kult ermordet. Und Jahre später kam es schließlich zum eklatanten Prozess, in dessen Folge Polanski nach Frankreich floh, und Amerika für immer den Rücken kehrte.

Regisseurin Marina Zenovich ist es eindrucksvoll gelungen den Fall Polanski aufzuarbeiten, und die tragischen Aspekte seines Lebens zu beleuchten. Zwar liegt der Schwerpunkt klar auf dem Prozess, der sich mit fortschreitender Dauer immer mehr zu einer Farce entwickelte, aber auch die anderen wichtigen Stationen in Polanskis Leben werden angesprochen, und so ergibt sich, auch dank zahlreicher Anspielungen auf das Oeuvre Polanskis, ein herrliches Portrait einer faszinierenden Persönlichkeit.

Wie man über Polanski urteilt, überlässt der Film selbstverständlich dem Zuseher. Man bekommt lediglich die Fakten über seine widersprüchliche Persönlichkeit, die sicher mit dunkeln Seiten ausgestattet ist, und muss selbst entscheiden was man darüber denkt. Nur eines ist klar: Bei aller Dunkelheit in ihm, Polanskis künstlerische Leistung ist denkwürdig. Und wer sich bis jetzt noch nicht mit Polanskis Leben und Werk auseinandergesetzt hat, der bekommt durch den Film definitiv Lust dies nachzuholen.

Vor allem profitiert Roman Polanski: Wanted and Desired aber vom spektakulären Prozessverlauf, der zwar einigen im Groben bekannt sein dürfte, aber der sicher in der hier vorhandenen, detaillierten Ausführung, für alle einige Überraschungen parat hält. Polanski selbst kommt dabei nur in Archivaufnahmen zu Wort, aber dafür holte Regisseurin Marina Zenovich einige Zeitzeugen vors Mikrofon, wie Polanskis Opfer Samantha Gailey, ihren Anwalt Douglas Dalton und auch Staatsanwalt Roger Gunson, die ihre Eindrücke vom merkwürdigen Prozessverlauf verraten.

Alle brechen sie ihr Schweigen, und verraten was damals in den Hinterzimmern mit Richter Laurence J. Rittenband abgelaufen ist, der sich nur für sein mediales Erscheinungsbild interessierte, und diverse Auftritte der Anwälte inszenierte, damit es in den Medien auch gut aussah. Damit wird ein detailliertes Bild gezeichnet, wie es schließlich dazu kam, dass Polanski das Land verlassen hat. Roman Polanski: Wanted and Desired gelingt es dabei dieses faszinierende Stück Geschichte, fesselnd und informativ aufzubereiten, sodass endlich ein genauer Einblick in den Fall Polanski möglich ist. Definitiv eine bemerkenswerte Doku.

Fazit:
Roman Polanski: Wanted and Desired ist eine wirklich herausragend Doku. Endlich wird das faszinierende Leben Polanskis, insbesondere der völlig konfuse Prozess, filmisch aufbereitet, und für alle verständlich rekonstruiert. Die Dokumentation gibt sich dabei sowohl informativ, als auch kurzweilig und faszinierend, und gibt einen erfrischenden Einblick in das Leben einer schillernden Figur, die sicher ihre Schattenseiten hat. Wer die Gelegenheit hat diese außergewöhnliche Doku zu sehen, sollte keine Sekunde zögern.

Wertung:

8/10 Punkte

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