Tage des Zorns

OT:  Flammen & Citronen   -  136 Minuten -  Thriller
Tage des Zorns
Kinostart: 19.12.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
5179
Bewerten:

Filmkritik zu Tage des Zorns

Von am

Das dritte Reich, in welcher Form auch immer, war schon immer ein gern gesehenes Thema in der Filmindustrie. Natürlich traut sich kaum ein Hollywoodproduzent das klassische gut-böse Schema aufzubrechen. Die Nazis sind nun mal per se die Bösen, und jeder der sich gegen sie stellt zählt zu den Guten. Tage des Zorns, übrigens ein weiterer Beweis für das aufstrebende, dänische Kino, wagt es nun diese Formel zu hinterfragen, und präsentiert stattdessen eine intensive Abhandlung über moralische Zweifel in Krisenzeiten.

Flamme (Thure Lindhardt) und sein Partner Citron (Mads Mikkelsen) sind die beiden aufstrebenden Rächer des dänischen Widerstandes, die sich den Nazis in den Weg stellen, und durch hinterlistige Anschläge für Angst und Terror sorgen. Doch sie handeln nicht wahllos, sondern stehen direkt unter dem Kommando ihres Auftraggeber Winther (Peter Mygind). Lange wartet Flamme schon darauf, Gestapoführer Hoffmann (Christian Berkel) hinrichten zu dürfen, doch der Befehl kommt einfach nicht. Stattdessen soll als nächstes ein deutscher Intellektueller (Hanns Zischler) dran glauben, doch dieser ruft Zweifel in Flamme hervor, ob er das richtige tut. Zu allem Überfluss verliebt sich Flamme auch noch in die Femme Fatal Ketty (Stine Stengade), während Citron große Probleme mit seiner eigenen Familie bekommt…

Tage des Zorns ist tatsächlich ein erfrischend neuer Blick auf die Nazi-Zeit geworden, der durch interessante neue Ansichten überzeugen kann. Zum einen punktet der Film dadurch, dass er als Schauplatz nicht Deutschland, sondern Dänemark wählt, und zum anderen ist es auch überzeugend die Geschichte des dänischen Widerstands erzählt zu bekommen, als dass nur die klassischen, bereits zur Genüge durchgekauten Geschichten, aufgewärmt werden. Dabei beruft sich Tage des Zorns zwar auf eine wahre Geschichte, erlaubt sich aber doch einige Freiheiten.

Denn es ist noch nicht einmal besonders die heikle Zeit, die dem Film am Herzen liegt, sondern vor allem die faszinierende Charakterstudie seiner beiden Hauptfiguren. Besonders interessant ist dabei, wie es Tage des Zorns schafft die weiße Weste der Widerstandskämpfer zu hinterfragen. Denn auch sie bekommen nur Aufträge, und was ist jetzt, wenn der Auftragsgeber seinen Status ausnützt, um seine eigenen Feinde aus dem Weg zu räumen?

Auch schafft man es sehr gut zu zeigen, wie sich beide Hauptfiguren im Laufe der Geschichte verändern. Zunächst sind sie noch blinde Idealisten, die daran glauben das Richtige zu tun, doch nach und nach beginnen sie alles zu hinterfragen. Tage des Zorns bleibt dabei stets undurchsichtig, und schafft es gekonnt den Zuseher im Dunkeln zu lassen, sodass dieser in eine ähnliche Position wie die beiden Hauptfiguren gerückt wird. Dadurch schafft es Tage des Zorns eine herrliche diffuse und intensive Atmosphäre aufrecht zu halten und immer wieder zu überraschen.


Auch die Inszenierung von Regisseur Ole Christian Madsen muss positiv erwähnt werden. Denn dieser macht es sich nicht leicht, sondern versucht stets dynamisch alle Charaktere zu hinterfragen. Als besonders intensiv erweisen sich dabei die zahlreichen Morde der Hauptfiguren. Denn mit heldenhaften Verhalten haben diese nichts zu tun. Stattdessen versucht man die Opfer in einen Hinterhalt zu locken, und sobald diese wehrlos sind, gnadenlos hinzurichten. Tage des Zorns lässt uns jedenfalls nicht im Unklaren wie skrupellos die Widerstandskämpfer vorgehen, und macht seinem Titel alle Ehren.
 

Doch das wahre Highlight des Films bleiben die großartigen Darsteller. Thure Lindhardt übermittelt den Wandel vom feurigen Racheengel, zum nachdenklichen Mann, der seine Taten hinterfragt sehr glaubhaft, Christian Berkel kann als Gestapo-Chef eine herrlich verführerische Aura aufbauen, aber die großartigste Leistung liefert ein anderer: Mads Mikkelsen hat sich nicht umsonst bereits als Dänemarks Schauspielaushängeschild Nummer 1 etabliert, und liefert auch hier eine zutiefst zerrissene, melancholische und vor allem kraftvolle Darbietung ab.

Fazit:
Alles in allem fügt sich Tage des Zorns zu einem äußerst stimmigen und prägnanten Film zusammen, der vielleicht nicht den offensichtlichen Knalleffekt anderer Produktionen hat, sich sogar eher leise anschleicht, aber dafür eine tiefe Wirkung erzielt. Der Film holt ein unverbrauchtes Szenario, aus dem eher ausgelutschten Nazi-Thema heraus, und kann speziell durch grandiose Schauspielleistungen überzeugen. Ein Geheimtipp ist Tage des Zorns allemal, und ein erneuter Beweis für das aufstrebende dänische Kino ebenso.

Wertung:

8/10 Punkte 

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
50%
7 /10
0%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
50%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
The International
96 Hours
1 Mord für 2 (OT: Sleuth) (2007)
Blood Diamond
Wolf Creek
Sexy Beast
The Game
Butterfly Effect
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!