The Wrestler (2008)

OT: The Wrestler - 105 Minuten - Drama
The Wrestler (2008)
Kinostart: 27.02.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
5090
Bewerten:

Filmkritik zu The Wrestler

Von am
Have you ever seen a one trick pony in the field so happy and free?
If you've ever seen a one trick pony then you've seen me
Have you ever seen a one-legged dog making its way down the street?
If you've ever seen a one-legged dog then you've seen me

Then you've seen me, I come and stand at every door
Then you've seen me, I always leave with less than I had before
Then you've seen me, bet I can make you smile when the blood, it hits the floor
Tell me, fan, can you ask for anything more?
Tell me can you ask for anything more?

Bruce Springsteen – The Wrestler End Credits Song

Im Jahr 2006 schickte Regie-Wunderkind Darren Aronofsky (Pi, Requiem for a Dream) seinen Film The Fountain in den Kampf um den Goldenen Löwen in Venedig. Sein Esoterik-Spektakel wurde von einem enttäuschten Publikum ausgebuht. Zwei Jahre später wagte sich Aronofsky erneut nach Venedig um seinen neuen Film zu präsentieren. Diesmal war das Publikum müde. Müde von den großteils enttäuschenden Filmen des Festivals. Dann kam Aronofsky, und sein The Wrestler schlug ein wie eine Bombe. Standing Ovations und schließlich auch der Goldene Löwe für den Besten Film. Und sein Film hat es wahrlich verdient von aller Welt in den Himmel gelobt und mit Preisen bedeckt zu werden.

Randy „The Ram“ Robinson (Mickey Rourke) war einer der gefragtesten und beliebtesten Wrestler. Das war vor 20 Jahren, mittlerweile sieht die Sache etwas anders aus. Noch immer verdient er sein Geld als Wrestler, muss aber mit Kämpfen leben, die durch extreme Brutalität das Publikum anziehen wollen. Im Privatleben muss er sich währenddessen mit völliger Einsamkeit abfinden. Seine Versuche zur Stripperin Cassidy (Marisa Tomei) eine Beziehung aufzubauen scheitern. Dann wirft ihn plötzlich ein Herzinfarkt zusätzlich aus der Bahn, denn der Arzt meint, dass er nun nie wieder kämpfen kann. Er muss sich einen richtigen Job suchen, sich selbst noch mehr aufgeben, und als er versucht die Beziehung zu seiner Tochter Stephanie (Evan Rachel Wood) zu kitten, scheitert er erneut…

Am Beginn steht eine wundervolle Collage aus Zeitungsartikeln, und alten Postern, die uns zeigt wie das Leben von Randy „The Ram“ am Höhepunkt seiner Karriere ausgesehen hat. In greller, grüner Schrift legt Darren Aronofsky die Credits darüber und nimmt sich auch Zeit um das Intro wirken zu lassen. Danach folgt ein gigantischer Zeitsprung: 20 Jahre später. Unseren Hauptdarsteller bekommen wir zunächst nicht zu Gesicht. Sondern stattdessen folgen die, für den Film charakteristischen, Aufnahmen von hinten. Wir hängen uns an die Fersen von Randy „The Ram“ und The Wrestler und lassen uns in einen unglaublichen Sog ziehen.

Es ist so eine Art umgekehrte Rocky Story, die uns Darren Aronofsky hier erzählt. Ein Mann, der auf dem Gipfel steht, beginnt zu fallen. Nach 20 Jahren ist er nur mehr ein Schatten seiner selbst. Eine Maschine, von der alle nur erwarten, dass sie weiter in den Ring steigt. Doch eben nicht mehr so glamourös wie früher, sondern in blutige Schlachten, die aus dem alten Körper alles herausholen. Natürlich heißt die Sportart Wrestling und ist dementsprechend inszeniert. Doch wenn man sieht mit welchen Mitteln die Sportler ihre Kämpfe inszenieren, kann man nur zum Entschluss kommen, dass dies die einzige Möglichkeit ist ihren Tod zu verhindern, der in einem „echten Kampf“ drohen würde.

Denn Wrestling in den USA ist nicht nur die glitzernde Welt der bekannten Ligen (WWE, TNA), sondern eine Ansammlung an unüberschaubaren Mini-Verbänden, die schon einmal kreativ sein müssen, um die Zuseher anzulocken. The Wrestler zeigt dies unter anderem in einem mit Scherben und Baumaterial bedeckten Ring, in dem sich die Kontrahenten auch schon einmal mit einer Tuckerpistole verletzen. Besonders herausragend ist dabei natürlich, dass The Wrestler neue Wege beschreitet. Denn die Welt des Boxsports kennen wir nun zur Genüge, aber Darren Aronofsky ist wohl der einzige namhafte Regisseur, der sich mit der grellen Subkultur Wrestling beschäftigt hat, und ihr mit diesem Film ein Denkmal erschaffen hat. Und es ist wirklich bemerkenswert mit welcher Hingabe er ihr zwar auf der einen Seite Respekt erweist, aber andererseits auch die Problemzonen des Sports, wie den lukrativen Steroidmissbrauch und den brutalen Umgang mit den Sportlern aufzeigt.

Doch es ist nicht nur die Szene, die den Film besonders macht. Es ist das pessimistische Portrait seiner Hauptfigur. Randy „The Ram“ Robinson hat gesehen, was es heißt ein Idol zu sein, und nun versucht er sich nur noch über Wasser zu halten. Die Schlange bei seiner Autogrammstunde wird immer kürzer, und gemeinsam mit den anderen ausrangierten Wrestlern befindet er sich auf dem absteigenden Ast. Doch gegenüber seinen Kollegen und anderen wahrt er sich ein freundliches Antlitz. So kommt es auch, dass er manchmal wirkt wie ein trauriger Clown.

Natürlich scheint er auch in der Zeit seiner Hochphase stecken geblieben zu sein. Er glaubt immer noch an ein Comeback, hat eine Nintendo Konsole an seinem Fernseher angeschlossen, und spielt gemeinsam mit einem Nachbarskind alte Wrestlingspiele, in denen natürlich er die Hauptrolle spielt. Weiters muss Randy erkennen, dass sich die Welt einen Dreck um ihn schert, wenn er nicht in seine Rolle als Entertainer schlüpft. Niemand scheint sich um die Person Randy Robinson zu kümmern, alle wollen nur „The Ram“. Und so ist es ihm auch nicht möglich nach seinem Herzanfall in einen normalen Beruf zu finden, sondern es zieht ihn immer wieder zurück in den Ring. Wo er zumindest für einen Augenblick nicht alleine ist, und das Publikum auf seiner Seite hat.

The Wrestler versucht dabei auch zu zeigen, dass man als Mensch nicht fähig ist lange zwei Identitäten aufrecht zu halten. Denn auf der einen Seite gibt es natürlich den Menschen Randy, und auf der anderen Seite die Kunstfigur „The Ram“. Doch im Laufe der Zeit haben sich diese Figuren immer mehr vermischt. Randy kann sich nicht von seinem Alter Ego trennen. Hört sogar Wrestlinggeräusche, wenn er durch den Hinterraum der Fleischtheke marschiert, so als würde er nicht zu seinem Verkaufsplatz, sondern zum Ring laufen. Auch baut er ständig die Wrestlingbewegungen in seinen Alltag ein, und kann einfach nicht leben, ohne dass er „The Ram“ ist. Andererseits kann sich „The Ram“ natürlich nicht von den menschlichen Aspekten trennen. Besonders klar wird dies wenn er durch den Herzinfarkt zusätzlich geschwächt ist.

Schlussendlich zeigt The Wrestler natürlich auch noch die Lüge des American Dream. Vielleicht kann man es bis nach oben schaffen. Doch was ist dann? Irgendwann verschwindet man von der Bildfläche, doch man hinterlässt keine Lücke. Denn es gibt genügend andere die sie füllen können. Man vermisst seinen alten Status, versucht erneut nach oben zu kommen, aber natürlich wird es immer schwerer je älter man wird. Ein Teufelskreis. Und mit zynischer Kraft zeigt The Wrestler auch wie lange wir uns wirklich an die Helden unserer Jugend erinnern und wie schnell wir sie vergessen wenn sie nicht mehr präsent sind.

Darren Aronofsky hat dabei den Mut erneut eine völlige Kehrtwende in seiner Stilistik zu wagen. Man kann es kaum glauben, dass dies der selbe Regisseur ist, der so visuelle Filme wie Requiem of a Dream und The Fountain gedreht hat. Denn in The Wrestler verzichtet Aronofsky auf alle möglichen optischen Mätzchen. Stattdessen legt er The Wrestler völlig geradlinig und einfach an. Doch diese Vorgehensweise verstärkt nur die Kraft des Films, und zeigt, dass man auch ohne Spielereien eine Wucht erreichen kann, die andere Filme noch nicht einmal erreichen wenn sie alle Technik der Welt in die Schlacht werfen. Und vor allem ist es bemerkenswert, dass Aronofsky sich mit jedem Film neu erfindet, und auch immer wieder überzeugen kann.

Doch das Zentrum von The Wrestler ist ohnehin seine tragische Hauptfigur. Mickey Rourke liefert kurz gesagt die Leistung seines Lebens. Selbstverständlich gibt es dabei Parallelen zu seinem eigenen Leben, aber Rourke macht mehr als sich selbst zu spielen. Er taucht tief in die Figur des Randy „The Ram“ ein und kreiert eine höchst sympathische Hauptfigur, die einfach den langen Kampf mit der Zeit verloren hat. Rourke erreicht dabei eine unglaubliche physische Präsenz und schafft es durch sein tragisches Schicksal, welches er in jeder Lebenslange unglaublich treffend interpretiert, die Herzen der Zuseher zu erobern. Eine Oscarnominierung wäre hier mehr als wünschenswert. Go for it, Mickey!

The Wrestler ist somit ein ganz großer Film geworden. Alle Komponenten greifen wunderbar ineinander und kreieren ein stürmisches und kraftvolles Ganzes, das den Zuseher berührt, unterhält und begeistert. Der Film schafft es dabei virtuos die tragische Lebensgeschichte eines alternden Helden zu erzählen und gleichzeitig aber auch nicht auf humoristische Einfälle zu vergessen. Randy „The Ram“ wird mit Sicherheit die Herzen des Publikums erobern, und wenn Aronofsky dann seinen Film zum bestmöglichen, und wirklich herausragenden Ende führt, und schließlich der großartige Creditsong von Bruce Springsteen ertönt, ja spätestens dann sollte jeder wissen, dass er gerade ein Meisterwerk gesehen hat.

Fazit:
Darren Aronofskys The Wrestler ist wirklich ein ganz großer Wurf geworden. Der Ausnahmeregisseur schafft es nicht nur erneut sich selbst zu erfinden, er ist auch der erste namhafte Regisseur, welcher der grellen Subkultur Wrestling ein Denkmal baut. The Wrestler, das ist die emotionalere Interpretation von Wie ein wilder Stier, umgemünzt auf den Wrestlingsport. Vor allem aber ist es die tief berührende, tragische Geschichte eines gealternden Stars, der den Kampf mit der Zeit verloren hat, und nun seinem alten Erfolg hinterher rennt. Mickey Rourke spielt diesen traurigen Koloss mit einer Intensität die selten ist. Und The Wrestler schafft es auch noch all diese Zutaten zu einem meisterhaften Ganzen zu verweben, und schließlich alles zu einem großartigen Schluss zu bringen. The Wrestler ist berührend, direkt, intensiv, und auch mit der richtigen Prise Humor gewürzt. Zweifellos ein Meisterwerk und einer von Aronofskys besten Filmen.

Wertung:
10/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 67
10 /10
13%
9 /10
42%
8 /10
22%
7 /10
13%
6 /10
4%
5 /10
3%
4 /10
1%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Requiem For A Dream (2000)
Black Swan (2010)
The Ides of March - Tage des Verrats (2011)
Paradies: Glaube (2012)
Pi - Der Film (1998)
Taxi Driver (1976)
Martyrs (2008)
We Need to Talk About Kevin (2011)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von Al
Erstellt: 25.06.2014
Will ich sehen
Liste von mixalismak1
Erstellt: 29.05.2014
Will ich sehen
Liste von s0cKe
Erstellt: 11.03.2014
Alle Listen anzeigen