James Bond 007 - Ein Quantum Trost

OT:  James Bond 007 - Quantum of Solace   -  103 Minuten -  Action / Thriller
James Bond 007 - Ein Quantum Trost
Kinostart: 07.11.2008
DVD-Start: 12.10.2012 - Blu-ray-Start: 01.03.2013
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Filmkritik zu James Bond 007 - Ein Quantum Trost

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Jahrelang ging es mit der James Bond Serie Stück für Stück bergab. Eigentlich, wäre Pierce Brosnan ein großartiger Bond gewesen (zumindest aus damaliger Sicht). Charmant, immer ein Siegerlächeln im Gesicht, und scheinbar perfekt dafür geeignet das Erbe von Sean Connery und Roger Moore anzutreten. Doch dies sieht nur auf dem Papier so aus. In Wahrheit zerfiel die Bond-Reihe in ihre Einzelteile, machte sich lächerlich und setzte völlig falsche Prioritäten. Parallel dazu startete ein anderer Agent, namens Jason Bourne seinen Siegeszug, und zeigte 007 wo es lang geht.

Das Ergebnis ist bekannt: Ein Neustart musste her. Pierce Brosnan wurde in Rente geschickt, und Daniel Craig nahm seinen Platz ein. Dieser wurde auch gleich zum umstrittensten Bond aller Zeiten. Während der Dreharbeiten musste er sich von Fans einiges bieten lassen. Doch dann kam der Kinostart von Casino Royale, und die Kritiker verstummten. Eigentlich verstummten sie nicht, sondern reagierten begeistert. Daniel Craig war nicht bloß ein neuer Bond, er brachte eine völlige Neuorientierung mit sich.

James Bond ist plötzlich kein charmanter Frauenverführer mehr, sondern ein knallharter Agent (sichtlich inspiriert durch die Bourne Filme), dem es egal ist ob er seinen Martini geschüttelt oder gerührt trinkt, und der auch einmal bluten kann. Weg vom völlig überzogenen Technikgehabe der Brosnan Bonds, hin zu einem realeren Setting mit deutlich mehr Intensität. Der Erfolg gibt dem Film recht, und nun folgt mit Ein Quantum Trost der direkte Nachfolger. Da mit Marc Forster auch noch ein äußerst fähiger Mann Regie geführt hat, kann man sich auch einiges erwarten. Doch um es vorweg zu nehmen: Ein Quantum Trost ist zwar ein sehr guter Film geworden, aber Casino Royale bleibt der beste Bond aller Zeiten.

MI6 Agent James Bond (Daniel Craig) leidet immer noch am Verlust seiner Geliebten Vesper Lynd. Das einzige Ziel, das ihm bleibt ist Rache. Seine Vorgesetzte M (Judi Dench) weiß nicht mehr was sie von ihrem Spitzenagenten halten soll, da er scheinbar seinen persönlichen Konflikt auf der Spielwiese des Geheimdiensts austrägt. Wie ein Pitbull ist er auf der Jagd nach der Geheimorganisation Quantum, die verborgen operiert und sich dabei in den höchsten Machtsphären bewegt. Als man einen Vertreter der Organisation gefangen nimmt, und Wahrheiten aus ihm erfoltern will, kommt ihm ein MI6 Agent zur Hilfe. Natürlich ist man erstmal verblüfft von der Macht der Organisation, aber bald schon führt Bond eine Spur nach Haiti, wo er auf den Geschäftsmann Dominic Greene (Mathieu Amalric) trifft, der scheinbar finstere Absichten mit seiner Ökofirma hegt…

Auch ein James Bond kann sich nicht den Zeichen der Zeit entziehen. Abgesehen von den bereits oben erwähnten, völlig notwendigen Punkten, die sich auf die Charaktisierung des Helden selbst beziehen, betrifft dies vor allem die Auswahl der Gegenspieler. Anstelle eines durchgeknallten Superschurken, ist es hier eine mächtige Organisation, die ihre Finger in den Märkten in aller Welt hat. Um der Organisation ein Gesicht zu geben, wird Mathieu Amalric (bekannt aus Schmetterling und Taucherglocke) als schmieriger Geschäftsmann vorgeschoben. Damit man auch die Brücke zur Post-09/11-Ära schlägt, wird natürlich auch das Thema Erdöl angeschlagen.

Leider muss man aber an dieser Stelle erwähnen, dass diese Vorgehensweise nicht unbedingt perfekt ist. Denn obwohl es natürlich nicht mehr zeitgemäß ist einen abgehobenen Superschurken in einen solchen Film zu packen, fehlt doch ein greifbarer Bösewicht. Beispielsweise war die Lösung von Casino Royale, mit dem fiesen Mads Mikkelsen deutlich stärker. Denn obwohl Amalric ein zweifellos talentierter Darsteller ist (wie er es auch schon häufig bewiesen hat), wirkt er in Ein Quantum Trost doch etwas blass, und sorgt nicht wirklich für Bedrohung.

Nun müssen nur noch einige weitere Negativpunkte abgearbeitet werden, die begründen sollen, warum Ein Quantum Trost doch schwächer ist, als sein direkter Vorgänger, bevor ich die (deutlich überwiegenden) Pluspunkte in Angriff nehme. Zum einen fällt es stellenweise auf, dass James Bond wieder eine Spur mehr in Richtung Superheld, der absolut alles kann, stilisiert wird. Er kann mit verbundenen Händen einen ganzen Fahrstuhl an anderen Agenten niederschlagen, bekommt mehrmals eine Metallstange rübergezogen und hat gar nichts, und kann natürlich ein riesiges Transportflugzeug durch eine Schlucht lenken. Gut, man kann diese Fehler verzeihen, vor allem da sie sich noch im Toleranzrahmen bewegen, aber irgendwie wirken sie doch bitter nach.

Weiters fällt auf, dass die Geschichte auf emotionaler Ebene nicht mehr so überzeugen kann wie Casino Royale. Zwar baute man durchaus Szenen ein, die berühren sollen, und diese sind auch meistens so gestaltet, dass man als Zuseher merkt, dass es heftig ist, aber der richtige emotionale Draht zum Publikum fehlt doch zu sehr, als dass einem der Film wirklich nahe gehen könnte. Vielleicht fehlen auch die Szenen, die 007 als Mensch zeigen, wie Casino Royale sie hatte. Auf jedenfall ist dies besonders schade, hätte man von Regisseur Marc Forster doch eigentlich erwarten können, dass er gerade in solchen Szenen sein wahres Talent zeigen kann.

Doch überraschenderweise zeigt sich der, eigentlich als Drama-Regisseur bekannte Forster hier als Action-Großmeister. Und dies ist keinesfalls eine leere Phrase, denn sein Bond Film sorgt für einen unglaublichen Adrenalinspiegel, vorwiegend begründet durch hervorragende Verfolgungsjagden im Stile der Bourne Filme, und natürlich gewürzt mit intensiven Nahkämpfen, bei denen kein Platz für pompöse Theatralik ist, sondern in denen es rau und brutal zur Sache geht. Besonders die ersten 15 Minuten des Films setzen hier Maßstäbe, aber auch ansonsten ist die Qualität der Action absolut State of the Art und wirklich atemberaubend.

Ein weiteres Bond-Merkmal hat es ebenfalls wieder in den Film geschafft: Das abklappern zahlreicher Locations, die standesgemäß per Text-Insert benannt werden. Interessant für uns Österreicher, ist, dass ein Teil des Films auch in Bregenz spielt, und Marc Forster bei der Inszenierung einer Verfolgungsjagd während der Opernaufführung von „Tosca“ eine inszenatorische Trumpfkarte ausspielt, und die Opernklänge über die Jagd legt, und das ganze als Parallelmontage zeigt. Doch auch die anderen Orte wurden standesgemäß eingefangen und bieten stimmige Atmosphäre, wobei natürlich zu beachten ist, dass ein etwas unterkühlter Look beabsichtigt ist, und auch das Seelenleben von Bond treffend wiedergibt.

Und natürlich hat man auch den größten Bonus von Casino Royale übernommen: Daniel Craig, den meiner Meinung nach, besten Bond aller Zeiten. Er ist kein charmanter Frauenheld, sondern ein zynischer Killer, immer mit einem trockenen Spruch auf den Lippen und immer zielorientiert. Er ist ein Bond, dem natürlich persönliche Verluste nahe gehen, der sich aber nicht damit aufhalten kann. So kommt es auch schon einmal vor, dass ein Freund in der Mülltonne entsorgt werden muss, da man die Leiche auf der Flucht nicht ordnungsgemäß beseitigen kann. Natürlich fehlt Craig dadurch der Charme eines Sean Connery, aber dafür besitzt er eine unglaubliche physische Präsenz, die den gesamten Film dominiert, und die ein mehr als würdiger Ersatz für das fehlende Taktgefühl ist.

Die Frage die sich natürlich stellt ist, ob die alteingesessenen Bond-Fans beim Restart mitziehen. Das wird sich wohl erst hier zeigen, da man in Casino Royale noch nicht wissen konnte, wie der Film wird. Hier ist es einfach: Wer den Stil von Casino Royale nicht mochte, der wird auch Ein Quantum Trost nicht mögen. Doch alle anderen bekommen einen der intensivsten, adrenalinhaltigsten und härtesten Bonds aller Zeiten zu sehen. Maßgeblich ist dabei auch die Referenz die der Film auf Goldfinger hinterlässt. Nur statt dem glänzenden Gold, gibt es beim neuen Bond eben dreckiges, dunkles und einprägsames Erdöl. Der Film wandelt sich also so, wie auch die echte Welt sich gewandelt hat.


Fazit:
Ein Quantum Trost führt den Neustart von Casino Royale nahtlos fort. Daniel Craig behauptet sich als, meiner Meinung nach, bester Bond aller Zeiten und stellt durch seine physische Präsenz alles andere in den Schatten. Und Ein Quantum Trost gibt ihm auch genügend Spielraum um seine Pluspunkte zu zeigen. Die Action ist nämlich schlicht meisterhaft. Zwar hat man scheinbar einiges von der Bourne Reihe abgeschaut, aber dennoch fühlen sich die Verfolgungsjagden und Kämpfe unglaublich direkt und intensiv an. Somit wird Ein Quantum Trost zum beinahe ungebremsten Adrenalinritt der Extraklasse. Doch dieser Ritt ist leider nicht so meisterhaft wie z.B. Das Bourne Ultimatum, oder auch der direkte Vorgänger Casino Royale. Dazu ist das Drehbuch einen Tick zu schwach, und der Film auch emotional etwas zu distanziert, vom farblosen Gegenspieler ganz zu schweigen. Trotzdem: Ein Quantum Trost ist ein Highlight, und wer Casino Royale mochte, kann gar nichts falsch machen.

Wertung:

8/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.6/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 53
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