Man on Wire

OT:  Man on Wire   -  90 Minuten -  Dokumentation
Man on Wire
Kinostart: 13.02.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Man on Wire

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Man on Wire, das ist der große Doku-Gewinner des Sundance Film Festivals. Am Ende wurde der Film nicht nur mit dem Großen Preis der Jury als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet, sondern bekam auch noch den Publikumsaward in der selben Kategorie. Auch die Kritiker zeigten sich begeistert, und nicht umsonst wird Man on Wire bereits als heißer Oscarkandidat für die Beste Dokumentation gehandelt. Das schönste an all dem ist aber, dass der Film auch tatsächlich so gut ist, wie man nach den ganzen Vorschusslorbeeren hoffen konnte.

Als Kind, saß Philippe Petit im Warteraum eines französischen Zahnarztes und bekam zufällig eine Zeitschrift in die Hände, in der es einen Artikel über den Bau des World Trade Center gab, das nach seiner Fertigstellung das höchste Gebäude der Welt werden sollte. Wie hypnotisiert kam es Petit plötzlich in den Sinn, dass er ein Seil zwischen die Gebäude spannen musste, und darüber tanzen musste. In seinem späteren Leben entwickelte sich Petit zu einem fabelhaften Seiltänzer, doch ein Gedanke ließ ihn nicht mehr los: Er musste das World Trade Center bezwingen….

Es sind zuerst natürlich einmal Bilder, die aus heutiger Sicht ganz andere Assoziationen hervorrufen: Die Stelle wo später das World Trade Center stehen soll, ist mit Schutt und Bauarbeitern bedeckt, und von den Türmen ist nichts zu sehen. Eine Parallele zum 11.09.2001 drängt sich dabei natürlich förmlich auf. Doch Man on Wire geht vollkommen richtig mit dem Thema um, und vermeidet es das tragische Ende des WTC zu erwähnen. Hier geht es nicht um die Zerstörung der Türme, sondern um ihre Eroberung durch einen Träumer.


Eigentlich erzählt Man on Wire eine Geschichte, die perfekt für den deutschen Autorenfilmer Werner Herzog geeignet wäre. Philippe Petit ist nur von dem Ziel besessen auf einem Drahtseil zwischen den Türmen des WTC zu spazieren, und ordnet alles andere diesem Ziel unter. Seine ganze Kraft steckt er also in ein eigentlicht nutzloses Unterfangen. Ein klassisches Herzog Thema also, nur dass Petit nicht, wie die meisten herzogschen Figuren, scheitert, sondern sein Ziel erreicht. Gemeinsam mit seinen Freunden entwickelt er einen Schlachtplan, wie man in das Gebäude eindringen kann, die schwere Ausrüstung nach oben transportiert und dann schließlich den Übergang bewältigt.


Man on Wire findet dabei eine herausragende Methode dieses zentrale Ereignis in Bilder zu verwandeln. Der Film wechselt Archivaufnahmen von Philippe Petit und seiner Crew mit aktuellen Interviews der Gruppe ab, und reichert diese Aufnahmen schließlich mit eigens nachgedrehten Szenen an um auch zeigen zu können, wie sich der Einbruch ins World Trade Center wirklich abgespielt hat. Die verschiedenen Aufnahmen gehen dabei nahtlos ineinander über und ergänzen sich perfekt. Ausserdem wäre es ohne diese Aufnahmen auch gar nicht möglich gewesen zu zeigen welch schräge Situationen sich während des Einbruchs ergeben haben.

Man on Wire schafft es dabei fabelhaft zu zeigen, dass man den Einbruch nicht als einen Akt der Gewalt verstehen sollte, sondern als Akt der Kunst. Die Gruppe will niemanden weh tun, sie will nichts stehlen, sie will einfach nur einem Mann ermöglichen, dass er sich seinen Lebenstraum erfüllen kann. In höchst amüsanten Anekdoten wird das Ereignis rekonstruiert, bis man schließlich zu jenem majestätischen Augenblick kommt, an dem die Aufgabe erfolgreich beendet wurde.

Am 07. August 1974 irgendwann in den Morgenstunden: Das Seil ist gespannt, alle Probleme der Vorbereitung vergessen, und Philippe Petit setzt seinen Fuß auf das Seil, welches die beiden Türme des WTC miteinander verbindet. Fußgänger blicken zu ihm auf, Polizisten warten auf beiden Türmen um ihn festzunehmen und unter ihm befindet sich ein 415 Meter tiefer Abgrund. Doch von Angst ist nichts zu sehen, nur ein zufriedenes Lächeln ziert sein Gesicht. Schließlich folgen acht Überquerungen auf dem Seil, inklusive einer Verbeugung und einem kurzen Hinsetzen. Die leichtfüßige Poesie des Lebens ist in diesen Szenen so deutlich zu spüren, wie nur selten.

Es ist kurz gesagt atemberaubend, wie Man on Wire seine Geschichte entfaltet, und wie er es schafft den Zuseher in seinen Bann zu ziehen. Man ist verblüfft von den unglaublichen Ereignissen, und wie es eine Gruppe Menschen schafft sich gegen alle widrigen Umstände und schließlich sogar gegen die Schwerkraft durchzusetzen. Dabei hat Man on Wire genug Witz um den Zuseher blendend zu unterhalten, kann aber gleichzeitig auch für Spannung sorgen und das Interesse wecken. Alles in allem ist Man on Wire somit ein absolutes Doku-Highlight, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Fazit:
Man on Wire erzählt eine ungewöhnliche und unglaublich fesselnde Geschichte, die es großartig schafft den Zuseher zu unterhalten und zu begeistern. Der Film ist dabei stets kurzweilig, spannend, informativ und witzig, kurz gesagt also eine Dokumentation die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 5
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Liste von heinz
Erstellt: 12.09.2012