Die Klasse (Entre les murs)

OT:  Entre les murs  -  128 Minuten -  Drama 
Die Klasse (Entre les murs)
Kinostart: 23.01.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
5002
Bewerten:

Filmkritik zu Die Klasse (Entre les murs)

Von am

Die Goldene Palme in Cannes. Regelmäßig schaffen es die Entscheidungen der Jury für Überraschungen zu sorgen, und, oder vielleicht gerade deshalb, sind die meisten Preisträger auch nicht gerade unumstritten. Der diesjährigen Cannes-Sieger Die Klasse (im Original Entre les murs), wird die Lager wohl so spalten wie kaum ein anderer Cannes-Sieger der letzten Jahre. Denn Die Klasse lässt dem Rezipienten wirklich alle Möglichkeiten offen: Vom verteufelnden Verriss bis zur himmlischen Lobeshymne ist eigentlich alles möglich. Ich tendiere übrigens eher zu ersterem.

François (François Bégaudeau) ist ein zugegeben unkonventioneller Lehrer an einer Pariser Schule. Ihm gegenüber eine Klasse Migrantenkinder im schwierigen Alter zwischen 13 und 15 Jahren. Alle entstammen sie unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, alle sind sie nicht gerade die schulische Elite. François versucht ihnen die Regeln der französischen Sprache beizubringen, aber vor allem versucht er ihnen einen respektvollen Umgang untereinander zu lehren…

Aufs Wesentlichste reduziert, versucht Die Klasse die Reibflächen verschiedener Kulturen von dem weitläufigen Areal der Aussenwelt in ein einziges Klassenzimmer zu komprimieren, und dort zu beobachten wie sich die Stimmung entwickelt. Lange musste Regisseur Laurent Cantet suchen um die gewünschte literarische Vorlage zu finden, die er seinem Film zu Grunde legen konnte. Schlussendlich entdeckte er das Buch Entre les murs von François Bégaudeau.

Vom Material begeistert beschloss er nicht nur das Buch als Grundlage zu verwenden, er konnte Bégaudeau auch als Drehbuchautor und Hauptdarsteller gewinnen. Um dem Film die größtmögliche Authentizität zu ermöglichen, setzen sich auch die restlichen Darsteller aus Laien zusammen. Die Klasse ist somit ein recht gewagtes Projekt, vor allem da man die einzelnen Szenen auch nicht nach dramaturgischen Mustern gestaltete, sondern stets mit drei Kameras das Geschehen filmte, und so schlussendlich sehr viel Spontanität in den Film integrieren konnte.

Wer Spannung und Aufregung sucht, wird aber lange warten müssen, denn Die Klasse ist vor allem ein Blick auf den Schulalltag. Und selbst hier hat man jegliche Abschweifungen verhindert, in dem man den Blick beinahe ausschließlich auf das Klassenzimmer richtet, und das Privatleben der Beteiligten völlig ausklammert. Der Diskurs Lehrer-Schüler steht im Mittelpunkt. Man wird förmlich selbst ins Klassenzimmer gepresst um mit dem Lehrer mit zu leiden wenn er versucht den Schülern etwas beizubringen, während diese sich an Kleinigkeiten, wie dem Namen in einem Beispielsatz festklammern, um den Lehrer zu provozieren.

Und genau an dieser Ausgangslage werden sich die Geister auch scheiden. Denn während es für manche ein atemberaubendes Experiment ist zu sehen, wie sich Kinder mit Migrationshintergrund im Unterricht schlagen, während sich eine gewisse Dynamik im Dialog mit dem Lehrer aufbaut, ist es für andere eine Zumutung. Denn bei aller Authentizität, die man Die Klasse auch nicht absprechen kann, fehlt doch eine punktierte Aussage. Doch nicht nur dies, nüchtern betrachtet ist Die Klasse sowohl emotionslos, als auch relativ uninteressant.

Denn bei allem Respekt, wir alle waren in der Schule, und Die Klasse findet auch keine nennenswerten, besonderen Ansätze, die einen neuen Einblick gewähren. Stattdessen bekommt man das zu sehen, was man ohnehin aus seiner eigenen Vergangenheit kennt, und wer zynisch veranlagt ist, könnte sogar meinen, dass es in deutschen und österreichischen Schulen sogar schlimmer zugehen kann. Die Klasse kränkelt somit vor allem an einer tensionsarmen Struktur, einem kalten Filmaufbau, und an der Tatsache, dass der Film lediglich ein wahlloser Blick auf den Schulalltag zu sein scheint, ohne dass man neue Einblicke erhält. Doch wie gesagt, wird der Film sehr polarisieren, und natürlich sei jedem seine eigene Meinung gestattet. Für mich war der Gewinner der Goldenen Palme 2008 auf jeden Fall eine riesige Enttäuschung. Überlang, kalt, repetitiv und vor allem großteils langweilig.


Fazit:

Die Klasse, das ist vor allem ein nüchterner Blick auf den Alltag einer französischen Schulklasse. Spannung und Tempo sucht man vergebens, aber das ist noch nicht einmal das Problem des Films. Schlussendlich weiß jeder wie es in der Schule zugehen kann, und dazu muss man nicht in viel zu langen zwei Stunden im Kino daran erinnert werden. Auch der so oft als Hexenkessel bezeichnete Klassenraum voll mit den ach so schwierigen Migrantenkindern, sorgt nicht wirklich für Aufregung. Doch man muss auch erwähnen, dass Die Klasse das Publikum wohl sehr spalten wird. Von den Qualität des Cannes-Sieger 2007 ist Die Klasse meiner Meinung nach ein gutes Stück entfernt. Dazu fehlt dem Film das gewisse Etwas und ganz einfach die Klasse (Entschuldigung für das dämliche Wortspiel).


Wertung:

4/10 Punkte 

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 3
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
33%
7 /10
33%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
33%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Der seltsame Fall des Benjamin Button
Slumdog Millionär
Schmetterling und Taucherglocke
Gangs of New York
Zeiten des Aufruhrs
Eyes Wide Shut
Wild at Heart
Sieben Leben
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von mpesseg
Erstellt: 26.01.2014