Waltz With Bashir

OT:  Waltz With Bashir   -  87 Minuten -  Animationsdoku
Waltz With Bashir
Kinostart: 31.10.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Waltz With Bashir

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Letztes Jahr war es Marjane Satrapis umjubelter Film Persepolis, der ein politisch brisantes Thema als Animationsfilm verarbeitete, und in Cannes eine Begeisterungswelle auslöste, die den Film unter anderem mit Umwegen über die Viennale zu einer Oscarnominierung als Bester Animationsfilm trug. Waltz With Bashir könnte nun ein ähnliches Schicksal bevor stehen. Nach begeisterten Kritikern in Cannes, ist der Film nun auch auf der Viennale zu sehen. Ob er es wie Persepolis auch zu einer Oscarnominierung bringt, wird sich zeigen, aber verdient hätte es sich Waltz With Bashir durchaus.

Eines Nachts erzählt ein Freund dem Regisseur Ari Folman in einer Bar von einem stets wiederkehrenden Alptraum: Genau 26 dämonische Hunde jagen ihn, und es gibt kein Entrinnen. Bald schon stellen beide eine Verbindung zu ihrem Kriegseinsatz im Libanon her, was Ari selbst vor ein neues Rätsel stellt. Denn er hat keine Erinnerungen mehr an diese Zeit, und versucht nun in Gesprächen mit ehemaligen Weggefährten herauszufinden was damals geschehen ist…

Ari Folmans Film ist vor allem durch seine Herangehensweise besonders. Denn auf der einen Seite ist Waltz With Bashir eine Dokumentation, die sich zum einen aus Gesprächen mit den Weggefährten Folmans und zum anderen aus nachgeschilderten Ereignissen und kunstvollen Traumsequenzen zusammensetzt, aber gleichzeitig wurde all dies als Animationsfilm (optisch den entsprechenden Werken Richard Linklaters ähnelnd) umgesetzt. Damit ist Waltz With Bashir die wahrscheinlich erste animierte Dokumentation der Filmgeschichte.

Das zentrale Ereignis, auf das Waltz With Bashir hinsteuert ist das Massaker von Sabra und Schatila. Nachdem Baschir Gemayel offiziell zum libanesischen Präsidenten gewählt wurde und bereits drei Wochen nach seinem Amtsantritt durch ein Bombenattentat ums Leben kam, führte es zum Schlimmsten: Da die Palästinenser in Verdacht standen hinter dem Anschlag zu stehen, konzentrierte sich die Rache der christlichen Milizen auch auf ihre Lager.

Ursprünglich wurden sie entsandt um die militanten Palästinenser zu entwaffnen, doch in Wahrheit kamen vor allem unschuldige Zivilisten, darunter vorwiegend Frauen und Kinder, zu schaden. Berichten zu Folge soll es auch zu Verstümmelungen, Folterungen und Vergewaltigungen gekommen sein. Die Zahl der Toten variiert je nach Quelle zwischen 460 (aus libanesischen Polizeiquellen), über 800 (aus israelischen Quellen) und geht bis zu 3300 (aus Quellen der PLO). Besonders für Aufregung sorgte, dass die Lager während des Massakers aus einem Ring an israelischen Soldaten umzingelt waren, die zumindest in ihren vordersten Fronten etwas mitbekommen haben.

Dieses fürchterliche Massaker ist der Dreh- und Angelpunkt von Waltz With Bashir, denn Ari Folman steht zu Beginn vor der Ausgangslage, dass er sich nicht mehr wirklich an seine damalige Aufgabe erinnern kann. Sein Gedächtnis scheint für ihn entschlossen zu haben, dass die Geschehnisse von damals zu schrecklich waren um für immer abrufbar zu bleiben, stattdessen wurden sie in die hintersten Ecken seines Verstandes verschoben.

In Gesprächen mit ehemaligen Weggefährten will er nun herausfinden was wirklich im Libanon geschehen ist. Dabei schafft Waltz With Bashir geschickt einen visuellen Strom zu erschaffen, der durch das Gemisch aus ruhigen Interviewpassagen, temporeichen und musikalisch interessant unterlegten Szenen im Libanon und durch fesselnde Traumsequenzen einen unglaublichen Sog erreicht, der den Zuseher auf den Pfad der Erinnerung führt.

Speziell die formale Ebene des Films macht ihn dabei so aussergewöhnlich. Zugegeben, inhaltlich reisst Waltz With Bashir keine Bäume aus, und auch über die Struktur, die für manche auf Grund der ständigen Wechsel zwischen Gegenwart und Flashback, zwischen Interview und Kriegshandlung und zwischen Realität und Traum, sicher gewöhnungsbedürftig ist, kann man sich streiten, aber die unglaublich faszinierende Gestaltung des Films macht so manchen Kritikpunkt wieder wett. Denn obwohl man es normalerweise schwer hat durch solch eine holprige Struktur in einen Film einzutauchen, schafft es Waltz With Bashir eine durchgehende Strömung aufzubauen, die den Zuseher mitzureissen vermag.

Fazit:
Waltz With Bashir zeigt, dass das Experiment „animierte Dokumentation“ durchaus funktioniert. Der Film kann durch seine betörende visuelle Ebene, seinen stimmigen Soundtrack und seine bedeutende Geschichte einen Sog aufzubauen, der den Zuseher von Anfang an mitreisst. Vielleicht ist der Film inhaltlich etwas zu konventionell und von der Storystruktur her etwas holprig, aber das Filmerlebnis bremst dies kaum. Denn Waltz With Bashir überzeugt schlussendlich voll und ganz, lediglich die letzten Realfilmeinstellungen wären nicht notwendig gewesen. Seine Message hätte der Film auch so rübergebracht.

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
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Liste von Steffi89
Erstellt: 05.01.2013