Sieben Mulden und eine Leiche

OT:  Sieben Mulden und eine Leiche   -  81 Minuten -  Doku / Komödie 
Sieben Mulden und eine Leiche
Kinostart: 10.10.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Sieben Mulden und eine Leiche

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Der Titel lässt einen Krimi vermuten, doch SIEBEN MULDEN UND EINE LEICHE ist eine Dokumentation. Trotzdem hinkt der Vergleich mit dem Krimi gar nicht mal so sehr, denn so wie Polizisten oder Detektive leisten auch Erik und Thomas Haemmerli Ermittlungsarbeit im weitesten Sinne.

Die Handkamera ist zunächst recht verwackelt, auch die Schärfe nicht optimal – doch eigentlich kann man froh darüber sein, denn was der in rotem Arbeitsgewand gekleidete Herr mit einem Küchenmesser vom Fliesenboden kratzt, sind die Überreste von Brünhilde Haemmerli, der Mutter unserer beiden Protagonisten. Die Wohnung haben die beiden Söhne schon seit Jahren nicht mehr betreten, auch der Kontakt zur Mutter verlief nur sporadisch. Jetzt beginnt das große Aufräumen – denn die Wohnung ist eine einzige Müllhalde. Mutter Brünhilde litt am so genannten Messie-Syndrom. Und so wühlen sich die Söhne durch Erinnerungsstücke, verdreckte Möbel, altes Familiensilber, Super-8 Filmaufnahmen zu allen Gelegenheiten, Zeitungsausschnitten über Tierquälerei, Heimwerker-Bücher und jede Menge anderen Müll.

Okay, bereits geklärt ist, dass SIEBEN MULDEN UND EINE LEICHE kein Kriminalfilm ist. Doch ansonsten bleibt alles offen: Der Film könnte ein „Schockumentary“ über die eine weit verbreitete moderne Zivilisationskrankheit sein, genau so aber auch eine späte Abrechnung mit der toten Mutter oder das Portrait einer gänzlich untypischen schweizer Familie. Anno 2008 stellt sich die Frage, wen das alles interessieren könnte oder sollte, gar nicht mehr. Thomas Haemmerli bedient – nicht nur, aber auch – unsere niedrigsten Gelüste und dringt in die Intimsphäre einer zu Lebzeiten schwer kranken und nun toten Frau, seiner eigenen Mutter, vor und es tun sich so einige Abgründe auf. Kann man solcherlei Vorgehen heute überhaupt noch verurteilen? Wie moralisch ist dieser Film?

Auf jeden Fall moralischer als die gestellten Pseudo-Dokumentationen mit denen uns das Fernsehen tagtäglich das Fürchten lehrt. SIEBEN MULDEN FÜR EINE LEICHE ist das perfekte Gegenstück – und wer über einen guten Magen und genügend Grundinteresse (aber mal ehrlich, wir wollen doch alle wissen, wie es in anderen Wohnungen zugeht, hier präsentiert man uns diesbezüglich ein echtes „Gustostückerl“) verfügt, sollte sich diesen rasant inszenierten und launig kommentierten „Wohnungsstriptease“ nicht entgehen lassen. Und sei es nur, um die nötige Motivation für die nächste Entrümpelungsaktion in den eigenen vier Wänden zu tanken.

Fazit:

Müll gibt’s in den 84 Minuten zur genüge, der Film selbst ist jedoch alles andere als Wegwerfkost. Wie Haemmerli einmal sagt, ist die Kamera eigentlich sein Schutzschild – die eigentlich unfassbare Tragik wird zudem mit jeder Menge Ironie und tonnenweise schwarzem Humor unterwandert. Eine echte schweizer Kinoüberraschung sozusagen!

Wertung:
7/10 Punkte

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