American Graffiti (1973)

OT: American Graffiti - 108 Minuten - Jugend / Drama
American Graffiti (1973)
Kinostart: 23.08.1974
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 21.07.2011
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Filmkritik zu American Graffiti

Von am

„Well, you can rock it you can roll it
You can stop and you can stroll it at the hop
When the record starts spinnin'
You chalypso (1) when you chicken at the hop
Do the dance sensation that is sweepin'
the nation at the hop
Ah, let's go to the hop ...“
(2)

Viele kennen den Namen George Lucas nur im Zusammenhang mit der legendären Star-Wars-Reihe, die noch immer nicht abgeschlossen ist; der letzte Teil der Saga wird 2005 in die Kinos kommen. „American Graffity“ war der Film, dessen (finanzieller) Erfolg Lucas vier Jahre später die Realisierung des ersten Teils des Kriegs der Sterne ermöglichte. „American Graffity“ erzählt weniger eine Geschichte. Lucas zeichnet vor dem Hintergrund seiner eigenen Jugend ein lebendiges, opulentes Gemälde der Vor-Beatles-Ära, der Zeit Anfang der 60er Jahre, als Kennedy noch lebte und die Mauer in Berlin noch nicht gebaut war, als der Rock'n'Roll die letzten Winkel Amerikas erreichte. 1963 war Lucas 19 Jahre alt. Die Darsteller des Films waren 1973 zwischen 31 (Harrison Ford, in einer Nebenrolle) und 19 (Ron Howard).

School's out. Vier Freunde in Kalifornien. Curt (Richard Dreyfuss) ist sich unsicher, ob er tatsächlich auf das College gehen soll. Er will eigentlich lieber bleiben, in seiner vertrauten Umgebung und bei seinen Freunden. Sein Freund Steve (Ron Howard) ist entsetzt. Wenn Curt nicht aufs College gehe, würde er wie John (Paul Le Mat) enden und mit 70 noch so sein wie mit 17. Steve ist einer jener konservativen Durchschnittsamerikaner, Curt ist ein eher nachdenklicher, kritischer Zeitgenosse. John hat die High School schon vor einiger Zeit verlassen. Er lebt in den Tag hinein. Der vierte im Bunde ist der Vespa-fahrende, im Vergleich zu den anderen nicht besonders gut aussehende Brillenträger Terry (Charles Martin Smith), den alle „The Toad“ (die Kröte) nennen. John fährt einen 32er Ford, Steve einen 58er Chevy Impala.

Wir beobachten die vier Männer und einige andere eine Nacht lang. Steve ist mit Curts Schwester Laurie (Cindy Williams) befreundet – und stößt sie mit der Bemerkung vor den Kopf, bevor er am nächsten Morgen die Stadt verlasse und aufs College gehe, sollten sich beide darauf verständigen, dass es niemand von beiden verletzen werde, wenn man – solange man nicht zusammen sei – andere Leute kennen lerne. Das könne ihre Beziehung doch nur stärken ...

Steve vertraut derweil seinen Chevy für seine Abwesenheit bis Weihnachten Terry an, der darüber mehr als erfreut ist. So hat er endlich Gelegenheit, nach Mädchen Ausschau zu halten. Denn ohne einen solchen Schlitten fiel ihm das bisher äußerst schwer. Terry gibt an. Und hat schließlich Erfolg bei der blonden Schönheit Debbie (Candy Clark), mit der er spazieren fährt. Der Trick: Sie sehe aus wie Connie Stevens, sagt er ihr. Doch schon bald muss Steve eine herbe Enttäuschung erleben. Als er sich mit Debbie in die Büsche schlägt, stiehlt man ihm Steves Auto ...

„You can swing it you can groove it
You can really start to move it at the hop
Where the jockey is the smoothest
And the music is the coolest at the hop.
All the cats and chicks can get their
kicks at the hop.
Let's go!“

John hat in seinem gelben Superwagen allerdings weniger Glück bei Frauen. Als er ein paar Mädchen in einem anderen Auto anmacht, schicken die ihm die 13-jährige Carol (Mackenzie Philips), die sich wenig später heftig darüber beklagt, erst von ihren Eltern, dann von ihrer Schwester und jetzt auch noch von John abgewiesen zu werden. Missmutig nimmt er das Küken mit, das sich allerdings ducken muss, damit er nicht mit ihr gesehen wird ...

Curt gerät derweil in die Fänge einer Bande mit Namen „Pharaos“, Joe (Bo Hopkins), Ants (Beau Gentry) und Carlos (Manuel Padilla), die ihn in ihren Wagen zwingen und später dazu benutzen, zwei Männer abzulenken, während die Gang die Einnahmen von Spielautomaten raubt ...

„Deep down in Louisiana
close to New Orleans
Way back up in the woods
among the evergreens
Stood a log cabin made
of earth and wood
Where lived a country boy
named Johnny B. Goode
Who never learned
to read or write at all
But he could play the guitar
just like ringing a bell
Go, go, go Johnny go, go, go Johnny, go go
Go Johnny go, go, go Johnny go go
Johnny B. Goode.“
(3)

„American Graffity“ ist eine Mischung aus nostalgischer Erinnerung, Road-Movie und sanftem Jugenddrama. Der Film spielt in einer einzigen Nacht, vor allem in Autos und um Autos herum. Lucas überzog den Film mit einem Soundtrack, bestehend aus über 40 Rock'n'Roll-Hits, die teilweise von dem legendären Outlaw und DJ Wolfman Jack angekündigt werden. Bühnenbild, Kostüme, Musik, Autos, Geschäfte, Bars usw. vermitteln en detail den Stil der Zeit. „American Graffity“ bietet eine Art Sittengemälde der amerikanischen Jugend Anfang der 60er Jahre, zur Blütezeit des Rock'n'Roll. Zehn Jahre später, als der Film gedreht wurde, hatte sich einiges geändert: Beatles, Stones, Hard Rock, Hendrix, Joplin, Woodstock, aber auch: Studentenrevolten, Anti-Vietnamkriegs-Proteste, die harte Reaktion des damaligen Gouverneurs von Kalifornien Ronald Reagan auf die Proteste, vorher die Ermordung der Kennedys und Martin Luther Kings.

„American Graffity“ spielt sozusagen am Vorabend dieser Ereignisse, fast könnte man in der Retrospektive sagen, am unschuldigen Vorabend der darauf folgenden schmutzigen Zeit bis zum Sturz Nixons und dem CIA-unterstützen Putsch der Generäle in Chile. „American Graffity“ ist die trügerische Ruhe vor dem Sturm der zweiten Hälfte der 60er Jahre, das „Pleasantville“ (USA 1998) vor dem „Apocalypse Now“ (USA 1979). Für Lucas und seine Generation sicherlich eine nostalgische Reminiszenz, vielleicht auch ein bisschen Verklärung der eigenen, zwar nicht unproblematischen, aber dennoch glücklichen Jugendjahre, in die die Ermordung John F. Kennedys einen Keil treibt und die von sich schon immer überzeugte Nation für Jahre spaltet, mit Folgen, von den sich die USA bis heute nicht erholt haben.

„His mama told him
'someday you will be a man
And you will be the
leader of a big band
Many people coming
from miles around
To hear your playing
music when the sun goes down
Maybe someday you will be
in lights saying Johnny B. Goode'“ (3)

„American Graffity“ – noch surfen die Beach Boys „Surfin' Safari“ und „The Platters“ schluchzen „Only You“. Sechs Jahre später „befreien“ sich Tausende in Woodstock bei Drugs & Sex und Jimmy Hendrix verpasst der amerikanischen Nation eine besonders verzerrte Version ihrer Nationalhymne „Star Spangled Banner“. Dieser Zeitunterschied und erst recht der zu heute lassen „American Graffity“ zu einem rauschenden Erlebnis, einer sentimentalen, aber dennoch nicht kitschigen Erinnerung für diejenigen werden, die von dieser Zeit selbst etwas oder sogar viel miterlebt haben.

(1) Bedeutet: Cha-Cha tanzen zu Calypso-Musik.
(2) „At the Hop“: Text und Musik Arthur Singer, John L. Medora, and David White; im Film gesungen von Flash Cadillac and the Continental Kids
(3) „Johnny B. Goode“: Text und Musik Chuck Berry


Wertung:
9/10 Punkte

Quelle: Follow-me-now.de / Ulrich Behrens

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