![]() ![]() Gattaca OT: Gattaca Regie: Andrew Niccol Drehbuch: Andrew Niccol Filmstart: 09.07.1998 | Laufzeit: | SciFi-Thriller |
Vincent Freeman (Ethan Hawke) gehört zu den „Invalids“. Seine Eltern erfüllten sich in einer schon von der Gentechnologie und ihrer Ideologie des perfekten Menschen beherrschten Gesellschaft noch den Traum vom natürlich geborenen Kind. Sein jüngerer Bruder Anton (Loren Dean) dagegen gehört zu den Retortenkindern.
Vincent leidet unter starker Kurzsichtigkeit und hat schwere Herzprobleme. Die Ärzte sagten seinen Eltern voraus, dass er eine Lebenserwartung von nicht mehr als 30 Jahren habe. Schon als Kind wollte Vincent sein Schicksal nicht einfach hinnehmen. Im Wettschwimmen mit seinem Bruder verlor er zwar regelmäßig, doch eines Tages war er stärker als Anton und rettete ihm das Leben.
Eine Woche vor dem Start zu Titan allerdings gerät Vincent in eine gefährliche Situation. Einer der Direktoren der Gattaca Corporation wird ermordet. In einem Raum finden Polizisten unter Leitung des ermittelnden Inspektors Hugo (Alan Arkin) eine Wimper, die einem Invaliden zugeordnet werden kann – Vincents Wimper höchstwahrscheinlich. Für Vincent, der sich gerade mit der ebenfalls bei Gattaca arbeitenden Irene (Uma Thurman) angefreundet hat, beginnt ein Kampf nicht nur um die Teilnahme am Start, sondern um sein Leben. Wenn seine wahre Identität entdeckt wird, wird er als Mörder verurteilt werden für eine Tat, die er nicht begangen hat ...
Slawomir Idziak fotografierte eine kalte, gefühllose, spartanische, elegant-langweilige Welt, in der Computersysteme und Gentechnologie über die soziale Zugehörigkeit entscheiden. Die Schärfe, die Härte dieser Spaltung in „Valids“ und „Invalids“ ist so enorm, dass zwar ein Abstieg zu den „Invalids“ möglich ist – wie bei Jerome –, ein Aufstieg zur Elite aber ausgeschlossen. Darüber wacht ein ausgeklügeltes System hochentwickelter technischer Kontrollen und der Polizeiapparat. Die Welt von Gattaca, ist trist, trügerisch ruhig. Die Menschen bewegen sich wie Anhängsel einer automatisierten sozialen Szenerie. Die hochgesteckten Ziele – z.B. die Reise zu Titan – scheinen nur weitere Schritte einer Gesellschaft zu sein, in der gemacht wird, was machbar ist. Die Menschen leben länger, gesünder, sind wohlgeformt – aber wozu? Die Eltern bestellen sich perfekte Kinder, die keine Zeit damit verschwenden zu rebellieren, sondern schon früh ihre spätere Karriere im System der Perfektion angehen. Selbst klassische Musik wird zur Vollkommenheit geführt: ein Pianist spielt mit zwölf Fingern, um ein klassisches Musikstück zur vermeintlichen Perfektion zu treiben.
In zwei, drei Szenen sieht man Vincent, wie er sich Haut und Haare bürstet. Man glaubt einen Neurotiker vor sich zu haben. Der Sinn liegt darin, keine Spuren zu hinterlassen, die seine Identität verraten könnten. Insbesondere nach dem Mord schnüffelt Inspektor Hugo hinter all diesen Dingen besonders penibel her. Die Reinlichkeit, zu der Vincent gezwungen ist, macht sie ihn vielleicht doch neurotisch? Dazu kommen Urin und Blut, die Jerome für ihn im Kühlfach sammelt und Vincent noch extremer seiner Identität berauben. Er ist auf die Körpersäfte, äußere Merkmale eines anderen fast vollständig angewiesen. Er ist nicht er selbst und kämpft verzweifelt darum, es wieder zu werden.
Vincent will zu Titan, das einzige Ziel, in dem er für sein Leben noch einen Sinn sieht, und muss dafür alles aufgeben, was er ist: sein Ich. Hätte er nicht Jerome, würde er wahrscheinlich daran zugrunde gehen. Jerome seinerseits hat nur noch ein Ziel in seinem Leben: Dass das sich fortsetzt, was ihm selbst durch den Unfall vergönnt ist: irgendwie wieder Mensch zu sein. Für Jerome, dem aus der Elite Herabgestürzten, dem „gefallenen Engel“ spielt vielleicht auch Rache eine Rolle, wenn er Vincent nicht nur seine Identität verkauft, sondern ihm in jeder Hinsicht und so gut er kann hilft, und die Einsicht, dass diese Welt keine menschliche mehr ist.
Irene steht da zunächst eher im Abseits. Auch Dr. Lamar (Xander Berkeley), der die medizinischen Kontrollen durchführt, bleibt im Verborgenen von Gattacas scheinbarer Übermacht. Erst gegen Ende des Films erweist sich, dass Jerome und Vincent nicht allein sind. Für Vincent ein Anfang, aber von was? Für Jerome das Ende.
Jude Law spielt einen verbitterten, enttäuschten Mann, der in Vincents Träumen eine Chance sieht, dem Sozialwesen entgegenzutreten, das ihn gnadenlos fallen gelassen hat. Ethan Hawke verkörpert einen Mann, der von seinem Kindheitstraum nicht lassen will, der ihm zur einzigen Chance geworden ist, der „Neuen Welt“ zu entkommen. Der Tod des einen ist die Flucht des anderen. An diesem Punkt kommt der tiefe Pessimismus des Films zum Ausdruck, obwohl Vincent sein Ziel erreicht.
„Gattaca“ ist ein extrem ruhiger, gelassener Film. Diese Ruhe fühlt sich oft an wie die Ruhe vor einem vernichtenden Sturm, der alles zerbersten lässt. Doch wenn man genau hinschaut, ist schon fast alles zerrissen. Trotz einiger Mängel – wie dargestellt – eine exzellentes Beispiel für einen Sciencefiction, der ohne Weltraumkämpfe auskommt und sich an einer Vision abarbeitet, die nicht allzu fern liegen muss.
Wertung:
9/10 Punkte
Quelle: Follow-me-now.de / Ulrich Behrens
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