Der Baader Meinhof Komplex

OT:  Der Baader Meinhof Komplex   -  150 Minuten -  Terrorismus / Drama 
Der Baader Meinhof Komplex
Kinostart: 26.09.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Baader Meinhof Komplex

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Der Baader Meinhof Komplex ist, und das kann man wohl bereits behaupten, der wahrscheinlich am heißesten erwartete deutsche Film des Jahres. Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel haben sich an die medialen Spielregeln gehalten, für genügend Gesprächsstoff gesorgt, sodass ihr Film ständig in den einschlägigen Medien vertreten war, und für alle Zweifler kann man immer noch die deutsche Starbesetzung zum Blenden verwenden. Ein kurzer Fauxpass schlich sich lediglich ein, als man die deutschen Filmkritikerkollegen mit einer Sperrfrist belästigte, was normalerweise eher ein Zeichen dafür ist, dass man Angst vor schlechten Kritiken hat.

Doch die Erwartungshaltung soll dieser Umstand nicht allzu sehr trüben. Denn alleine die Thematik dürfte wohl reichen um den Film im medialen Scheinwerferlicht zu halten. Und Bernd Eichinger ist dabei sicher nicht der Gutmensch, als der er sich in den Medien darstellt, man sollte nämlich nicht die kommerzielle Zugkraft eines solchen Projektes vergessen (zumindest wenn es in dieser Art aufbereitet wird): Denn wo manche Denken, dass Vergangenheitsbewältigung für leere Säle sorgt, darf man nicht die vielen Zeitzeugen, Interessierten und vor allem Schulklassen vergessen die in ein solches Projekt pilgern (man erinnere sich nur an Der Untergang). Doch die Motive Eichingers sollen nicht stören, denn schließlich zählt ausschließlich das, was man auf der Leinwand sieht. Und dass dies im Fall von Der Baader Meinhof Komplex reichlich ambivalent ausgefallen ist, versuche ich in dieser Kritik darzulegen.

Am 02. Juni 1967 beginnt ein schwarzes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte: Während eines Besuchs des persischen Schahs, kommt es zu Übergriffen gegen die demonstrierenden Studenten, in dessen Folge der Student Benno Ohnesorg durch einen Polizisten erschossen wird. Dies ist der finale Auslöser für den Terror der das Land für die nächste Jahre durchziehen sollte: Über Umwege kreuzen sich die Bahnen des radikalen Andreas Baader (Moritz Bleibtreu), der ehemaligen Starkolumnistin Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) und von Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek), was schließlich zur Gründung der RAF (Rote Armee Fraktion) führt, und in Folge zu einer terroristischen Bedrohung Deutschlands...

Zunächst muss man ein Lob aussprechen: Denn obwohl Bernd Eichinger zweifellos kommerzielle Interessen hat (was man ihm auch nicht verübeln kann), kann man seinem Film deutlich ansehen, dass man nicht auf das schnelle Geld aus war. Der Baader Meinhof Komplex ist tatsächlich der Versuch aus dem gleichnamigen Buch vom ehemaligen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust ein adäquates filmisches Zeitdokument zu formen. Der Film versucht weder die Taten zu verniedlichen, noch zu verändern um der Dramaturgie dienlich zu sein (man erinnere sich nur an den verfälschenden Baader von Christopher Roth). Stattdessen wurde akribisch ans Werk gegangen um die Ereignisse so genau wie möglich wiederzugeben.

Der Baader Meinhof Komplex fühlt sich kurz gesagt erfrischend authentisch an. Dies beginnt bei den hervorragenden Schauspielern, die den Vorbildern nicht nur verblüffend ähnlich sehen, sondern auch bei der Ausübung ihrer Profession viel Talent zeigen, geht über die nachgestellten Schauplätze und endet bei den genau rekonstruierten Dialogen. Die Besetzungsliste liest sich dabei wie das Who-is-Who des deutschen Films, und zeigt, dass so gut wie jeder mit an Bord wollte um seinen Beitrag zu leisten. Denn wie gesagt, versucht Der Baader Meinhof Komplex nicht das medienwirksame Thema für einen kurzweiligen Unterhaltungsfilm auszubeuten, sondern tatsächlich die Ereignisse zu rekonstruieren.

Doch hier beginnen auch die Probleme des Films. Der Baader Meinhof Komplex versucht mit aller Gewalt möglichst die gesamte Chronologie der RAF zwischen der Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg, und der Ermordung von Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer abzuarbeiten, und geht dabei sehr in die Breite, aber eigentlich nie in die Tiefe. Speziell wenn es dann an die zweite und dritte Generation der RAF geht, wagt es der Film nicht wirklich sich von Baader, Meinhof und Ensslin zu lösen, die im Gefängnis sitzen, weswegen sich die neuen Terrortaten nur schemenhaft anfühlen, während die früheren Taten genauestens rekonstruiert wurden. Es ist zwar durchaus verständlich, dass man den Hauptfiguren treu bleibt und ihre Geschichte zu Ende bringt, aber trotzdem ergeben sich so deutlich Schwächen im Gefüge des Films, da man es nicht mehr wirklich schafft das Bild der RAF so genau wie noch zu Beginn zu erhalten.


Überhaupt wäre es vielleicht manchmal besser gewesen die Taten der RAF nicht nur zu rekonstruieren, sondern auch einmal zu reflektieren, und tiefer in die Materie vorzudringen. Durch die Fetzendramaturgie des Films bekommt man zwar einen durchaus informativen Überblick über die gesamte Situation (für alle die noch nicht damit vertraut sind), aber wenn man gemein wäre, könnte man auch sagen, dass sich dies sehr nach Geschichtsbuch anfühlt. Wer mit den Taten der RAF bereits vertraut ist, bekommt kaum Neues präsentiert, und wäre mit einer anderen Herangehensweise wohl besser bedient.

Ein wirkliches Muss ist Der Baader Meinhof Komplex wohl nur für diejenigen, die kaum etwas über die Entstehung der RAF und ihre Hintergründe wissen, denn als Zusammenfassung über die Geschehnisse ist der Film sicher sehr gut geeignet. Vor allem auch da er die Geschichte ernst nimmt, und es im Endeffekt doch gut schafft die Ereignisse zu beleuchten, und den Weg von Studenten, die durchaus berechtigten Protest üben, hin zu kaltblütigen Mördern und Fanatikern aufzuzeigen.

Der Baader Meinhof Komplex bleibt eine packend erzählte Geschichtsstunde, die technisch auf dem Stand der Zeit ist und es auch durchaus schafft das Deutschland der damaligen Zeit zum Leben zu erwecken, und eine Chronologie der RAF zu erzählen. Doch obwohl der Film nüchtern und objektiv bleibt, wäre es vielleicht doch besser einen Film zu drehen, der sich mit einem speziellen Abschnitt dieser Zeit beschäftigt, und dafür prägender reflektiert, als einen kaleidoskopartigen Überblick auf alles zu werfen. Doch jeder, der mit der RAF Thematik noch wenig vertraut ist, sollte dennoch einen Blick riskieren, und Der Baader Meinhof Komplex vielleicht als Ausgangspunkt nutzen um sich tiefgreifender mit der Materie auseinanderzusetzen.

Fazit:
Wer dem Film positiv gegenüber steht, wird sagen er ist gut, wer etwas zynischer unterwegs ist, wird meinen er ist gut gemeint. Beide Parteien haben sicherlich irgendwo recht. Denn Der Baader Meinhof Komplex schafft es sehr gut einen groben Überblick über die RAF-Thematik zu liefern, und ist für alle, die sich nicht besonders gut mit dem Thema auskennen ein guter Startpunkt. Doch leider ist der Film nicht mehr als ein kaleidoskopartiger Überblick, der es versäumt die Geschehnisse zu reflektieren und tiefer in die Materie einzudringen. Dadurch dass der Film handwerklich und darstellerisch wirklich gut gelungen ist, kann man eigentlich mit einem Besuch wenig falsch machen, aber ob sich der Kinogang lohnt, muss im Endeffekt jeder für sich entscheiden. Denn eine einfache gut oder schlecht Entscheidung fällt hier schwer, da beide Ansätze ihre Berechtigung haben.

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.8/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 29
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