![]() ![]() Der Baader Meinhof Komplex OT: Der Baader Meinhof Komplex Regie: Uli Edel Drehbuch: Bernd Eichinger Filmstart: 26.09.2008 | Laufzeit: | Terrorismus-Drama |
Doch die Erwartungshaltung soll dieser Umstand nicht allzu sehr trüben. Denn alleine die Thematik dürfte wohl reichen um den Film im medialen Scheinwerferlicht zu halten. Und Bernd Eichinger ist dabei sicher nicht der Gutmensch, als der er sich in den Medien darstellt, man sollte nämlich nicht die kommerzielle Zugkraft eines solchen Projektes vergessen (zumindest wenn es in dieser Art aufbereitet wird): Denn wo manche Denken, dass Vergangenheitsbewältigung für leere Säle sorgt, darf man nicht die vielen Zeitzeugen, Interessierten und vor allem Schulklassen vergessen die in ein solches Projekt pilgern (man erinnere sich nur an Der Untergang). Doch die Motive Eichingers sollen nicht stören, denn schließlich zählt ausschließlich das, was man auf der Leinwand sieht. Und dass dies im Fall von Der Baader Meinhof Komplex reichlich ambivalent ausgefallen ist, versuche ich in dieser Kritik darzulegen.
Zunächst muss man ein Lob aussprechen: Denn obwohl Bernd Eichinger zweifellos kommerzielle Interessen hat (was man ihm auch nicht verübeln kann), kann man seinem Film deutlich ansehen, dass man nicht auf das schnelle Geld aus war. Der Baader Meinhof Komplex ist tatsächlich der Versuch aus dem gleichnamigen Buch vom ehemaligen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust ein adäquates filmisches Zeitdokument zu formen. Der Film versucht weder die Taten zu verniedlichen, noch zu verändern um der Dramaturgie dienlich zu sein (man erinnere sich nur an den verfälschenden Baader von Christopher Roth). Stattdessen wurde akribisch ans Werk gegangen um die Ereignisse so genau wie möglich wiederzugeben.
Doch hier beginnen auch die Probleme des Films. Der Baader Meinhof Komplex versucht mit aller Gewalt möglichst die gesamte Chronologie der RAF zwischen der Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg, und der Ermordung von Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer abzuarbeiten, und geht dabei sehr in die Breite, aber eigentlich nie in die Tiefe. Speziell wenn es dann an die zweite und dritte Generation der RAF geht, wagt es der Film nicht wirklich sich von Baader, Meinhof und Ensslin zu lösen, die im Gefängnis sitzen, weswegen sich die neuen Terrortaten nur schemenhaft anfühlen, während die früheren Taten genauestens rekonstruiert wurden. Es ist zwar durchaus verständlich, dass man den Hauptfiguren treu bleibt und ihre Geschichte zu Ende bringt, aber trotzdem ergeben sich so deutlich Schwächen im Gefüge des Films, da man es nicht mehr wirklich schafft das Bild der RAF so genau wie noch zu Beginn zu erhalten.
Ein wirkliches Muss ist Der Baader Meinhof Komplex wohl nur für diejenigen, die kaum etwas über die Entstehung der RAF und ihre Hintergründe wissen, denn als Zusammenfassung über die Geschehnisse ist der Film sicher sehr gut geeignet. Vor allem auch da er die Geschichte ernst nimmt, und es im Endeffekt doch gut schafft die Ereignisse zu beleuchten, und den Weg von Studenten, die durchaus berechtigten Protest üben, hin zu kaltblütigen Mördern und Fanatikern aufzuzeigen.
Fazit:
Wer dem Film positiv gegenüber steht, wird sagen er ist gut, wer etwas zynischer unterwegs ist, wird meinen er ist gut gemeint. Beide Parteien haben sicherlich irgendwo recht. Denn Der Baader Meinhof Komplex schafft es sehr gut einen groben Überblick über die RAF-Thematik zu liefern, und ist für alle, die sich nicht besonders gut mit dem Thema auskennen ein guter Startpunkt. Doch leider ist der Film nicht mehr als ein kaleidoskopartiger Überblick, der es versäumt die Geschehnisse zu reflektieren und tiefer in die Materie einzudringen. Dadurch dass der Film handwerklich und darstellerisch wirklich gut gelungen ist, kann man eigentlich mit einem Besuch wenig falsch machen, aber ob sich der Kinogang lohnt, muss im Endeffekt jeder für sich entscheiden. Denn eine einfache gut oder schlecht Entscheidung fällt hier schwer, da beide Ansätze ihre Berechtigung haben.
Wertung:
7/10 Punkte

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