Octaves Scheinwelt wird durch eine enorm große Dosis Surrealismus und Zynismus betrachtet, die in etwa der Menge Koks entspricht, die er sich regelmäßig durch die Nase zieht. Genau wie die verlogene Welt der Werbung, erscheint bei 39,90 auf den ersten Blick alles übertrieben zu sein, doch bei genauerem Hinsehen muss man feststellen, dass der Blick hinter die Kulissen der Werbung (und jeder ähnlich gearteten Unterhaltungsbranche) viel stärker in der Realität verwurzelt ist, als man glauben sollte. Denn man kann durchaus die Behauptung aufstellen, dass dieser Film eine sehr reale und wirklichkeitsgetreue Schilderung dieser Branche und der Menschen die darin arbeiten, darstellt.
„Alles ist käuflich: die Liebe, die Kunst, der Planet Erde, Sie, ich. Ganz besonders ich.“ Allein diese einleitenden Sätze des Films, gesprochen vom Protagonisten selbst, der sein Leben noch mal Revue passieren lässt, treffen den Nagel auf den Kopf und bilden eine der aussagekräftigsten Einleitungen, die das ganze Grundthema des Films bereits auf den Punkt bringt. Es ist unnötig eine bezeichnendere Zusammenfassung über Bedeutung und Thematik des Films zu suchen, wenn der Protagonist selbst, eine derart präzise Selbstbeobachtung seines Lebens, und im weiteren Sinne sogar der Gesellschaft, abgibt.
Abgesehen davon ist es noch der abgrundtief bösartige Humor, der 39,90 zu etwas ganz besonderem macht. Dabei ist Jan Kounen und Kollegen das Kunststück gelungen, das Buch von Frédéric Beigbeder nicht bloß in einen Film zu adaptieren, sondern sie haben es geschafft, den Humor des Buches, in die filmische Sprache zu transferieren, wodurch der Film dem Buch zwar nicht zu 100% folgt, aber es dem Film die Möglichkeit bietet, zu einem eigenständigen Werk zu werden. Wie bei allen Büchern, die verfilmt werden, mussten natürlich auch hier Änderungen vorgenommen werden, die aber stets aus dem Grund geschahen, damit der Reiz des geschriebenen Wortes, am Besten in den Reiz des gefilmten Geschehens umgewandelt werden kann.
Fazit:
39,90 ist ein Highlight des Kinojahres, absolut empfehlens- und sehenswert. Leider ist es aber auch ein Film, der sich jeglicher Beschreibung entzieht und einfach gesehen werden sollte. So viele schräge Einfälle tummeln sich in diesem kleinen Meisterwerk, dass es keinen Sinn hätte, sie hier aufzuzählen, zumal ihnen das ohnehin die Anziehungskraft und den Humor nehmen würde. Zurücklehnen und genießen. 39,90 ist eine wilde, witzige Achterbahnfahrt durch die Medienbranche, unsere Gesellschaft und ganz besonders durch Octave Parangos Verstand. Einer der schärfsten und ehrlichsten Filme seit langem. Ein Film, der einem seine Aussage oder Bedeutung nicht aufs Auge drückt, aber gleichzeitig auch keinem Verborgen bleibt. Ein wichtiger und zugleich enorm unterhaltsamer Film. Hier kommt jeder auf seine Kosten.
Bewertung:
9/10 Punkte
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