La Bohéme

OT:  La Bohéme   -  106 Minuten -  Opernverfilmung 
La Bohéme
Kinostart: 10.10.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu La Bohéme

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Paris, Mitte des 18. Jahrhunderts. Der junge Dichter Rodolfo (Rolando Villazón) lebt mit seinen Künstlerfreunden als typischer Bohemien – ohne Geld, aber mit viel Energie. Eines Winterabends lernt er seine wunderschöne aber kranke Nachbarin Mimi (Anna Netrebko) kennen – zwischen den beiden funkt es sofort. Doch die noch junge Liebe scheitert zusehends, zum einen an der zermürbenden Eifersucht Rodolfos, zum anderen schließlich an der Krankheit Mimis.

Giacomo Puccinis (1858-1924) LA BOHÈME zählt zu den schönsten Opern, die je geschrieben wurden und ist Fixpunkt im Repertoire zahlreicher Opernhäuser. Jeder Klassik- oder Opernfan kennt die tragische Geschichte um Liebe, Armut und Tod. Und hat jetzt Gelegenheit, auf großer Leinwand die Filmversion dieses Spektakels anzusehen. Opernverfilmungen sind per se eine schwierige Sache. Auch in LA BOHÈME gibt es Dinge, die den Puristen unter den Zuschauern und –Hörern negativ auffallen werden: Der Ton stammt beispielsweise nicht live vom Set, sondern aus einer konzertanten Aufführung der Oper in der Münchner Philharmonie im Gasteig. Manche der Darsteller im Film singen dabei nicht einmal selbst.

Mit der Mitwirkung Anna Netrebkos und Rolando Villazóns ist die Produktion zumindest marketingtechnisch schon mal auf der sicheren Seite angelangt. Das Traumpaar der Oper, das vor wenigen Jahren in Salzburg erstmals für Furore sorgte, ist seit damals Garant für hohes Publikumsinteresse. Die stimmliche Qualität, das physische Zusammenspiel, ja – die schier magische Energie zwischen den beiden, ist auf der Bühne wie auch im Film spürbar und verleiht dem Ganzen die besondere Note, derer es bedarf, um auch die Zuschauer zufrieden zu stellen, denen es nicht um Societygeschwätz, Personenkult und Gerüchteküchen geht. Eines muss man sich trotzdem vor Augen halten: Ohne Netrebko und Villazón wäre dieser Film wohl nie gemacht worden.

Robert Dornhelm, eigentlich Dokumentarfilmemacher, konnte zuletzt schon in den TV Produktionen KRIEG UND FRIEDEN und KRONPRINZ RUDOLF sein Gespür für historische Stoffe umsetzen. In LA BOHÈME wagt er keine Modernisierung, sondern hat mit seinem Team in den „Rosenhügel Studios“ bei Wien das Paris des 18. Jahrhunderts zum Leben erweckt. Filmisch hingegen meint er es wohl etwas zu gut, dem Vorwurf einer reinen Theaterverfilmung zu entrinnen: Da gibt es schwarz/weiß Filter (hin und wieder erstrahlen nur die Blumen in Farbe), etwas krude 3-D Animationen, Zeitlupen, und manchmal schon überstrapazierte langsame Überblendungen, bei denen sich gleich mehrere Bildebenen übereinander schieben. Das sieht natürlich alles sehr filmisch aus, ist prinzipiell aber ohne viel Sinn und Verstand eingesetzt. Negativ fällt auch der viel zu schnelle Schnitt auf – vor allem in der Massenszene im 2. Akt kommt da eher Chaos auf, als dass sie wie aus einem Guss wirken würde.

Nein, das wirklich Spannende an LA BOHÈME ist und bleibt die Musik Puccinis, das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller zu ebendieser und das mit viel Liebe zum Detail entworfene Set. Vielleicht hätte etwas mehr Zeit (der gesamte Film würde in etwa drei Wochen gedreht – insofern ist das Resultat eine echte Meisterleistung) der Produktion ganz gut getan, und man hätte andere Lösungen als filmische Verfremdungseffekte für die visuelle Gestaltung finden können.

Fazit:

Netrebko und Villazón – erstmals gemeinsam im Kino. Die Symbiose Oper-Film funktioniert in einigen Bereichen sehr gut, in anderen wiederum wirkt sie etwas zu hastig und unüberlegt. Dennoch darf erneut zu hoffen sein, dass die Zugkraft der beiden Stars erneut für ein großes Publikumsinteresse sorgt, und die Kunstform Oper weiter von ihrem etwas verstaubten Image befreit.


Wertung:

6/10 Punkte

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