Der schwarze Leib der Tarantel

OT:  La tarantola del ventre nero  -  98 Minuten -  Thriller 
Der schwarze Leib der Tarantel
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der schwarze Leib der Tarantel

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In Rom geht ein Frauenmörder um: Er betäubt seine Opfer zunächst mit einem Nadelstich um sie dann mit einem Messer aufzuschlitzen. Als erste ist eine hübsche blonde Nymphomanin (Barbara Bouchet) dran – Inspektor Tellini (Giancarlo Giannini) vermutet zunächst noch ihren Ehemann hinter der Sache. Doch schon bald gibt es weitere Opfer, die die Polizei ratloser denn je zurücklassen. Tellini zweifelt zudem, ob Polizist seine richtige Berufswahl war – doch er jagt den Indizien unaufhörlich hinterher. Ein paar Morde später findet er eine heiße Spur, die ihn in auf eine Schönheitsfarm führt. Ist dort der Killer zu vermuten?

Einen schnauzbärtigen Polizisten, jede Menge hübsch anzusehende und leicht bekleidete Frauen, einen erbarmungslosen Killer (diesmal nicht mit schwarzem Lederhandschuh, aber stilecht mit Messer) – der Stoff aus dem die GIALLOS sind. Diese italienische Spielform des Thrillers zeichnet sich nicht nur durch oben genannte Grundelemente, sondern oft auch durch psychedelische Sounds, modernes Großstadtambiente und stilistisch durchaus imposanten Kameraexperimenten aus. Entstanden sind sie Anfang der 70er Jahre, zum einen als Antwort auf die deutschen EDGAR WALLACE Filme (von denen am Schluss sehr viele mit Italien koproduziert wurden), zum anderen auch aus eigenen Wurzeln. Regiegenius Mario Bava definierte bereits Mitte der 60er Jahre mit THE GIRL WHO KNEW TOO MUCH und BLUTIGE SEIDE typische Charakteristika des Giallos vor. Schließlich war es Dario Argento, der mit seiner ersten Regiearbeit L’UCELLO DALLE PIUME DI CRISTALLO (1970) einen waschechten Boom des Genres auslöste – das in den nächsten Jahren wunderbare Filme wie diesen hier hervorbrachte (und auch weniger wunderbare – das darf man an dieser Stelle ja auch sagen). Auch das ist ein Indiz dafür, dass LA TARANTOLA DEL VENTRE NERO etwas im Fahrtwasser des Argento Erfolgs mitschwimmt – Tiernamen in Filmtiteln waren zu dieser Zeit besonders en vogue. Der Beginn der Horrorwelle Ende der 70er Jahre sollte zugleich das Ende des „thriller all’italiana“ sein.

DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL ist deshalb so gelungen, weil er in allen Bereichen seine Möglichkeiten ausschöpft: Da wäre zum einen die Kameraarbeit von Marcello Gatti zu erwähnen, die schnelle Schwenks, ausgefallene Zooms und in rasanten Szenen ein entsprechendes Mittendrin-Gefühl bietet. Auch der Filmschnitt von Mario Morra, der später auch NUOVO CINEMA PARADISO von Tornatore editierte, verleiht dem Film ein angenehmes Tempo. Und selbstverständlich auch die Musik von Ennio Morricone, die sich wie immer bei diesen Filmen zwischen jazzigen Easy Listening Nummern mit lasziver Frauenstimme und recht schrägen und dissonanten Klängen bewegt. Auch das Kostüm- und Setdesign sollte an dieser Stelle mal entsprechend gewürdigt werden: Nicht umsonst leben eigentlich alle Giallos von typischer 70er Jahre Atmosphäre – hier ausgedrückt durch möglichst ausgefallene Möbelstücke oder gewagte Kleider.

Paolo Cavara ist als Regisseur ein großer Unbekannter des italienischen Genrefilms: In den 60ern arbeitete er mit Gualtiero Jacopetti und Franco Prosperi an verschiedenen Mondo Filmen, bereute dann diese Zusammenarbeit und drehte 1967 mit DAS WILDE AUGE eine eiskalte Abrechnung auf die verruchten und spekulativen Filme, bei denen er vorher mitgearbeitet hat. Nach DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL sollten nur noch wenige Filme folgen: Der Western DAS LIED VON MORD UND TOTSCHLAG (mit Franco Nero) oder der Thriller MAGNUM 45 (mit Michele Placido). Cavara starb 1982.

Auch der Cast weiß nur angenehm zu überraschen: Der Oscar-nominierte Giancarlo Giannini, den man demnächst wieder als Mathis in QUANTUM OF SOLACE bewundern kann, vermag mit sparsamer Mimik den nicht besonders enthusiastischen Inspektor entsprechend darzustellen. Die weiblichen Charaktere haben leider – und auch das ist wohl ein typisches Giallo-Element – nicht wirklich mehr zu tun, als hübsch auszusehen. Das machen sie aber prima und wo findet man schon drei Bondgirls in einem Film? Barbara Bouchet und Barbara Bach sind zwar nur für wenige Szenen zu sehen, beherrschen diese aber durch ihre Schönheit, Claudine Auger tritt als Freundin von Tellini zwar öfter auf, aber auch ihre Rolle ist nur begrenzt.

Fazit:

Wer DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL sieht, der bekommt einen hervorragenden Vertreter des Genres zu Gesicht, der nicht, wie viele andere Kollegen, sich übermäßig an Sex und/oder Gewalt ergeht. Beide Elemente sind selbstverständlich enthalten, werden aber nie zum plumpen Selbstzweck eingesetzt. Der Film zeigt indessen wunderbar, auf welch hohem Niveau die italienische Filmindustrie zu dieser Zeit laborieren konnte. Eine stilistisch wie technisch eingängig inszenierte Verbrecherhatz, an der nur die etwas unaufregende Lösung stören kann. Muss aber auch nicht. Auf eine deutsche Fassung wird man übrigens noch lange warten müssen. Zwar lief der Film synchronisiert in den Kinos, die deutsche Kinofassung gilt allerdings seit geraumer Zeit als verschollen. Abhilfe können da DVDS aus Italien oder den USA schaffen, die den Film in sehr gut restauriertem Bild und Ton sowie mit einem interessanten Interview mit dem Sohn des Produzenten präsentieren.

Wertung:

8/10 Punkte
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