Minnie und Moskowitz

OT:  Minnie and Moskowitz  -  114 Minuten -  Komödie / Drama 
Minnie und Moskowitz
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Minnie und Moskowitz

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John Cassavetes hat der eingefleischte Cineast so einiges zu verdanken. Er war es, der 1958 mit SHADOWS eine echte Kinorevolution in den USA einleitete. Was in Frankreich mit dem Aufkommen der nouvelle vague als Cinéma vérité eingeläutet wurde, wurde in den USA als direct cinema geboren. Wenngleich es substantielle Unterschiede zwischen beiden „Arten“ des Kinos gibt. Cassavetes war für die USA das, was Truffaut und Godard für Frankreich waren. Nur muss klar sein – während von den französischen Befreiungsschlägen gegen Papas Kino noch heute jedes Filmseminar zehrt, ist direct cinema zumindest auf „offensichtlicher“ Ebene eher zum Tummelplatz für elitäre Filmfreaks geworden.

Doch darum geht es gar nicht so sehr. MINNIE AND MOSKOWITZ jedenfalls stammt aus der Phase, die man durchaus als „Hoch“ in Cassavetes Leben und Filmografie bezeichnen könnte. 1971 hatte er sich schon einen echten Namen gemacht, dank Filmen wie FACES (1968) und HUSBANDS (1970). In MINNIE AND MOSKOWITZ sollte Cassavetes einen Humor, eine Leichtigkeit erreichen – trotzdem nie frei von Sorgen und Problemen, die seine Charaktere hinunterziehen – die er in späteren Filmen vermissen lässt.

Seymour Moskowitz schlägt sich mit kleinen Jobs durch und trifft eines Tages Minnie, die in einem Museum arbeitet. Liebe auf den ersten Blick? Denkste, denn Minnie hält zunächst gar nichts von dem Grobian mit dem Riesenschnauzer und den langen Haaren. Aber sie ist frustriert von ihrem Leben, von ihrem Liebhaber, der sie verlassen hat – und lässt sich auf das Abenteuer mit Seymour ein, obwohl sie nicht viel von ihm hält. Beide sollten sich ständig auf die Probe stellen, bis ihnen klar werden sollte, dass sie ineinander verliebt sind. Die Hochzeitsglocken können läuten…

Zu sehen sind Cassavetes Stammakteure, Ehefrau Gena Rowlands als Minnie sowie Seymour Cassel als Seymour Moskowitz. Blickt man in dessen Filmografie, so erscheint es fast schon traurig, dass dieser Mann, jetzt Sachen wie POSTAL macht. Als kleinen Gag besetzt Cassavetes seine und Gena Rowlands Mutter ebenfalls als Mütter von Seymour und Minnie. Und wieder einmal ist die Küche der Ort, an dem sich große Konflikte und große Gefühle abspielen.

Gerade der friedliche Schlussakt, in dem das ansonsten recht unangepasste und unkonventionelle Paar doch in den heiligen Stand der Ehe eintreten und so zu „Normalbürgern“ werden, mag zwar auf den ersten Blick etwas befremdlich erscheinen, doch ist er im Endeffekt nur typisch für Grundkonstellationen im Cassaveteschen Oeuvre: Charaktere, die auf der Suche nach Halt und Geborgenheit sind und schließlich auch erwachsen werden wollen. Das wilde Leben ist vorbei, Minnie und Seymour werden Familienmenschen und gut is.

Bis es so weit ist, ist der Weg allerdings noch weit – und voller skurriler Situationen. Cassavetes schlägt auch hier die Brücke zwischen dem Dokumentarisch-ästhetischen und Verträumt-fiktionalen wieder so, dass sich beides nie gegenseitig ausspart oder behindert, sondern vielmehr stets bedingt.

Fazit:

John Cassavetes goes Screwball. Leichter und komischer hat die amerikanische Ausnahmeerscheinung nie mehr gedreht.

Wertung:

8/10 Punkte

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