96 Hours

OT:  Taken   -  93 Minuten -  Thriller
96 Hours
Kinostart: 20.02.2009
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 05.10.2012
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Filmkritik zu 96 Hours

Von am

Eigentlich bemerkenswert, dass solche Filme noch gemacht werden. In einer Zeit in der selbst 80er Jahre Ikone John McClane seinen legendären Oneliner „Yippee-ki-yay, motherfucker“ nicht aussprechen darf, damit das PG-13 Rating nicht gefährdet ist, kommt hier eine französische Produktion, die vollständig auf politische Korrektheit pfeift, die Logik nicht unbedingt genau nimmt, und den alternden Helden auf einen krachenden Rachefeldzug ohne Kompromisse schickt. Und das Ergebnis ist so dermaßen rasend und mitreißend, dass man nur allzu gerne in die Achterbahn einsteigt und sich mitnehmen lässt.

Bryan Mills (Liam Neeson) hat seine Arbeit bei der Regierung gekündigt, um als Personenschützer in der Nähe seiner Tochter Kim (Maggie Grace) arbeiten zu können. Diese lebt längst bei ihrer Mutter und deren reichen neuen Mann. Bryan hat nur mehr wenig Kontakt zu ihr, liebt aber seine Tochter über alles. Doch als Kim gemeinsam mit einer Freundin nach Paris reisen will stellt er sich quer, da er die Welt für zu gefährlich für seine kleine Tochter hält. Nur durch die Argumente seiner Ex-Frau lässt er sich doch noch breitschlagen. Doch bald schon soll er seinen Beschluss bereuen: Denn als ihn seine Tochter von Paris aus anruft, muss er mit anhören wie Entführer bei ihr einbrechen und sie verschleppen. Erfahrungsgemäß bleiben ihm 96 Stunden bevor er keine Chance mehr hat sie zu finden. Also begibt er sich nach Paris und startet eine unerbitterliche Jagd auf die Verbrecher, und kennt dabei keine Gnade…

Politisch korrekt ist wirklich kaum etwas an diesem Film. Die Albaner werden als kaltherzige Bösewichtig stilisiert, die sich ohne zu zögern jedes Mädchen schnappen um es drogenabhängig zu machen, und schließlich als Prostituierte zu verkaufen, Europa wird als unsicheres Pflaster skizziert, und der Hauptdarsteller zögert keine Sekunde um der Selbstjustiz zu frönen und hat auch kein Bedenken einen Verdächtigen zu foltern. Man kann auch die logischen Probleme aufzeigen, z.B. dass es Liam Neeson schon fast zu leicht hat um den Drahtziehern auf die Schliche zu kommen und vor allem auch dass er überhaupt keine Schwierigkeiten hat als unbesiegbare Ein-Mann-Armee in die Schlacht zu ziehen. Doch dies alles wirkt sich nur sehr gering auf den Unterhaltungswert aus.

Zu Beginn erinnert 96 Hours noch gar nicht an die rasende Actionbombe die er später werden soll, sondern eher an ein Charakterdrama. Liam Neeson wird als liebevoller Vater eingeführt, der seiner Tochter nichts bieten kann, das sie von ihrem reichen Stiefvater nicht bekommen könnte. Doch diese Einführung ist schnell vom Tisch, und der Film besinnt sich auf sein Grundthema. Stilistisch hat man sich dabei etwas von den Bourne Filmen abgeschaut, was man besonders am rasanten Tempo erkennen kann.

Die Prämisse wird vorgestellt, Liam Neeson fliegt nach Paris und schon startet die hochspannende und sehr kurzweilige Schnitzeljagd. Die größte Stärke von 96 Hours ist dabei, dass man als Zuseher direkt in Position des besorgten Vaters gebracht wird, und dann bekommt man quasi virtuell die Möglichkeit das zu tun was wohl jeder Vater in einer solchen Situation gerne tun würde: Man bekommt die nötigen Talente um die Schuldigen aufzuspüren und dabei der Rache freien Lauf zu lassen. Puristen mögen dabei vielleicht verzweifeln, und jeder der eine intellektuelle Abhandlung sucht ist auch fehl am Platz, aber wo, wenn nicht im Kino kann man sich auf so eine emotionale Achterbahnfahrt einlassen?

Natürlich wird es manche geben, die mit den Logikprobleme nicht klar kommen, und sicherlich wäre es möglich gewesen, dass 96 Hours noch besser wird, aber das Konzept funktioniert auch so prächtig. Liam Neeson überzeugt in der Rolle als unbarmherziger Racheengel, nur Maggie Grace, die als 25 Jährige eine Minderjährige spielen muss, wirkt etwas unbeholfen. Doch da man es so vortrefflich schafft den Zuseher auf den Schleudersitz zu befördern und ihn in rasend schnellen 93 Minuten durchrüttelt, kann man über die Schwächen gerne hinwegsehen. Denn als Adrenalinbombe zündet 96 Hours wahrlich hervorragend.

Fazit:
96 Hours ist politisch unkorrekt, nicht immer logisch, aber dafür emotional außerordentlich stark. Als Zuseher wird man direkt in die Achterbahn gesetzt und auf eine rasende Fahrt geschickt. Dabei ist 96 Hours trotz seinen Schwächen ein äußerst befriedigendes Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Denn der Film lässt einem genau das erleben was man in Wirklichkeit nicht machen darf, und obwohl sich manche sicher darüber brüskieren werden, ist das Kino doch genau der richtige Ort um solche Gefühle zu durchleben. Wenngleich man also nichts intellektuelles erwarten darf, ist 96 Hours doch zumindest emotional außergewöhnlich stimmig.

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.7/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 83
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