Alpha Dog

OT: -  117 Minuten -  Drama
Alpha Dog
Kinostart: 22.03.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Alpha Dog

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Es wird mal wieder Hollywoodgeschichte geschrieben: Damit ist keinenfalls gemeint dass Alpha Dog in die ewigen Annalen der Filmgeschichte eingehen wird. Es ist auch nicht unbedingt damit gemeint dass versucht wurde den Film per Gerichtsbeschluss zu verbieten. Viel eher sind damit die Hintergründe gemeint die dem Prozess zu Grunde liegen: Denn Alpha Dog ist der erste Film, der die Geschichte eines Verbrechers zeigt, bevor dieser rechtmäßig verurteilt wurde. Logischerweise versuchten die Anwälte des Geschädigtem alles um den Kinostart zu verhindern, damit sich die Geschworenen des Prozesses nicht vom Film beeinflussen lassen. Doch sie sind gescheitert und so kann das Kinopublikum in den Genuss eines durchaus gelungenen Milieu-Dramas kommen, der zwar nicht in die Riege der Spitzenfilme aufsteigt, aber auf jedenfall positiv in Erinnerung bleibt.

 

Johnny Truelove (Emile Hirsch) und seine Truppe, die durch Rap-Musik und dem Gangster Lifestyle der heutigen Pop-Kultur, dazu inspiriert werden in die Fußstapfen von Johnnys drogendealenden Vater Sonny Truelove (Bruce Willis) zu treten, genießen das Leben des wohlhabenden Mittelstandes der San Fernando Valley. Sie verbringen den Tag damit Drogen zu nehmen, Partys zu feiern, sich zu betrinken und natürlich durch alle möglichen Verbrechen etwas Geld ranzuschaffen. Ihr relaxtes Leben wird etwas durcheinander gewürfelt als der brutale und unkontrollierbare Schläger Jack Mazursky (Ben Foster) seine Schulden nicht bezahlen will. Johnny, der unbedingt jedem Ehrenkodex, der ihm von der MTV-Generation vorgegeben wird, entsprechen will, kann dies nicht auf sich beruhen lassen.

 

Die beiden Schaukeln sich immer mehr untereinander auf, bis Jack eines Nachts bei Johnny einbricht und sein Haus verwüstet. Johnny, der mehr eingeschüchtert vor dem sichtlich wahnsinnigen Jack ist als er zugeben will, beschließt deshalb mit seinen Freunden nach Palm Springs zu fahren und Gras über die Sache wachsen zu lassen. Als sie gerade los fahren entdecken sie durch Zufall Jack´s Halbbruder Zack (Anton Yelchin) und beschließen kurzer Hand diesen zu entführen. Doch eigentlich wissen sie nicht was sie mit dem Jungen anstellen sollen. Sie nehmen ihn einfach mit nach Palm Springs und gliedern ihn immer mehr in ihre Gruppe ein. Zack genießt den Urlaub von seinen Eltern sichtlich und hat die Zeit seines Lebens.

 

Besonders mit Johnnys Kumpel Frankie (Justin Timberlake) freundet sich der 15 jährige immer mehr an. Zack hat seine ersten sexuellen Begegnungen, darf Alkohol und Drogen konsumieren und wird ein fester Bestandteil der Truppe. Doch leider ist die Zeit zu Hause nicht stehen geblieben: Zacks Eltern Olivia (Sharon Stone) und Butch (David Thornton) sorgen sich um ihren Sohn und haben bereits die Polizei verständigt. Johnny wird langsam klar dass es sich bei ihrer spontanen Aktion um eine handfeste Entführung handelt. Doch sowohl Versuche sich mit Jack auszusprechen, als auch andere Ideen scheitern und Johnny wird klar dass er lebenslänglich bekommen kann, da es sich um Entführung mit Lösegeldforderung handelt. Er muss eine Lösung für sein Problem finden...

 

Natürlich wird jeder, der sich im Vorfeld über den Film informiert gleich darauf stoßen, dass es sich bei Alpha Dog um eine wahre Begebenheit handelt, die akribisch nacherzählt wird. Wenn man sich noch mehr Informationen holt, dann wird man auf die Person stoßen, durch die Alpha Dog inspiriert wurde: Jesse James Hollywood. Im Alter von 20 Jahren war er der jüngste Verbrecher, der es jemals auf die Most Wanted Liste des FBI schaffte. Erst im Jahr 2005, als die Arbeiten an Alpha Dog bereits begonnen hatten, wurde der Verbrecher in Paraguai gefasst und wartet momentan auf seinen Prozess.

 

Dem Filmteam wurde vom FBI vollkommene Akteneinsicht gewährt und deshalb gelingt es Regisseur und Drehbuchautor Nick Cassavetes auch sehr gut eine detailgetreue Rekonstruktion der wirklichen Ereignisse herzustellen und entführt den Zuseher in eine fesselnde Geschichte, die durch ihren Wahrheitsgehalt einen unglaublichen Nachdruck erhält. Alpha Dog beginnt mit einer Exposition, die uns zu erst in die Welt der Jugendlichen einführt, wirkt im Mittelteil wie ein typischer Drogen-Party Film und spielt am Ende seine ganzen Trümpfe aus und kann das ganze zuvor gezeigte sehr gut zusammenfügen um ein stimmiges Gesamtbild zu ergeben.

 

Gearbeitet wird nach allen Regeln der hippen und modernen Filmgestalltung: Von Split-Screens, bis zu Farbfiltern und modernem Rap-Soundtrack wird alles geboten um den Zuseher in die Welt der Jugendlichen einzufügen. Ob diese exzesive Auslebung gefällt, oder nicht, liegt am Geschmack des Betrachters. Mir war die Aufmachung teilweise zu übertrieben "cool". Auch wirkten die Split-Screens nicht besonders durchdacht und es scheint als hätte man sie nur eingebaut um modern zu sein.  Leider muss man bei Alpha Dog besonders eines bekritteln: Im Mittelteil geht ihm etwas die Luft aus. Die Entführer werden als sympathische Jugendliche gezeigt und als Betrachter verspürt man keine Spannung mehr, da der Film etwas still steht. Auch wiederholen sich einige Szenen und deshalb wirkt der Mittelteil etwas seltsam. Zwar nicht langweilig, aber der Film hätte hier doch mehr Akzente setzen können, anstatt sich selbst zu einem simplen Film zu degradieren. Am Ende versteht man dann zwar warum dies so gelöst wurde und der Film fügt sich auch zu einem guten Gesatmbild zusammen, aber während des Sehens ergeben sich doch einige Spannungstiefen im Mittelteil.

 

Die Darsteller muss man sehr unterschiedlich bewerten. Zum Einen freut es mich zu sagen dass die potentielle Schwachstelle des Films, Justin Timberlake, durchaus eine gute Figur abgibt und die freundschaftliche Beziehung zu Zack sehr glaubhaft und sympathisch darstellt. Der Alpha Dog, nach dem der Film benannt ist, Emile Hirsch, der den Boss der Jugendbande spielt, liefert allerdings keine Galavorstellung ab. Man nimmte ihm die Rolle kaum ab, da er nie wirklich bedrohlich oder einschüchternd wirkt. Bruce Willis hat nur einen sehr kleinen Auftritt und Sharon Stone spielt zwar den ganzen Film über durchaus überzeugend, gibt sich aber am Ende selbst der Lächerlichkeit preis:

 

In einem nachgestellten Interview, soll sie als Mutter ein Statement über den gesamten, im Film geschilderten, Vorfall abgeben. Sie wurde dazu mit Make-up auf solch eine stümperhafte Weise dick gemacht, dass jeder Amateur sofort die Übergänge zwischen ihrem Gesicht und der Maske erkennen kann, und würzt die gesamte Szenerie noch mit einer gehörigen Portion Overacting. Diese Szene gegen Ende des Film hätte fast die Nachwirkung von Alpha Dog zerstört, wenn man nich noch einige weitere Szenen eingebaut hätte. Doch solch etwas schundhaftes hat in diesem Film nichts verloren. Auch Ben Fosters Rolle wird etwas verschenkt. Er hat einige starken Szenen, doch dadurch dass er im Mittelteil vollkommen ausgelassen wird, wird das Potential seiner Rolle keinenfalls ausgeschöpft. Sehr Schade.

 

Fazit:

Alpha Dog ist ein Film der auf jedenfall als gelungen in Erinnerung bleibt. Die Spannung gegen Ende hin wurde sehr gut inszeniert und die sich zuspitzende Lage wurde perfekt in Szene gesetzt. Lediglich der Mittelteil verhindert dass aus dem Film etwas großes wird. Es wird einfach zuviel vom unbekümmerten Partyleben gezeigt und die Spannung geht deshalb etwas nach unten. Zwar wird es nie langweilig, aber dem Film geht etwas die Puste aus. Am Ende fügt sich dennoch alles sehr gut zusammen und deshalb kann man Alpha Dog auch getrost weiter empfehlen!

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 7
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