Burn after reading - Wer verbrennt sich hier die Finger? (2008)

OT: Burn After Reading - 95 Minuten - Komödie
Burn after reading - Wer verbrennt sich hier die Finger? (2008)
Kinostart: 03.10.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Burn after reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?

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Vor nicht allzu langer Zeit hatten sich die Coen Brüder selbst etwas aus dem Interesse der Filmfans manövriert. Grund dafür waren ihre Filme Ladykillers und Ein unmöglicher Härtefall, die bei weitem nicht an ihre Klassiker anschließen konnten. Ihr letzter wirklich einhellig geliebter Film The Big Lebowski ist auch schon ein 1998er Baujahr, sodass die beiden begnadeten Brüder in Zugzwang waren. So haben sie sich also gemeinsam hingesetzt und zwei Drehbücher verfasst. Eines davon war No Country for Old Men und war letztes Jahr der große Gewinner der Oscarverleihung. Das andere ist der hier besprochene Burn After Reading, der den eindrucksvollen Beweise liefert, dass die Coens auch immer noch verdammt witzig sein können.

Osborne "Ozzie" Cox (John Malkovich) ist ein CIA Veteran, doch wegen seinen Alkoholproblemen wird er auf die Strasse gesetzt. Um sich eine neue Aufgabe zu suchen, und gleichzeitig seinen ehemaligen Arbeitgeber eines auszuwischen, beschließt er seine Memoiren zu  schreiben, die natürlich mit heiklen Informationen gespickt sind. Seine Frau Katie (Tilda Swinton), die sich von ihrem Mann scheiden lassen will, um mit ihrem Liebhaber, dem ebenfalls verheirateten Harry Pfarrer (George Clooney), zusammen zu sein, ist währenddessen auf der Suche nach den Aufzeichnungen ihres Mannes. So will sie dessen wahre Vermögenswerte bestimmen, bevor dieser eine Ahnung von ihren Plänen bekommt. Natürlich stößt sie auf Ozzies PC bald schon auf geheimes Material und brennt es auf CD.

Über Umwege landet diese CD aber nun in der Umkleidekabine eines Fitnessstudios, was schließlich dazu führt, dass die beiden befreundeten Fitnesstrainer Chad Feldheimer (Brad Pitt) und Linda Litzke (Frances McDormand) das Material in die Finger bekommen. Chad ist dabei ein leicht unterbelichteter Knallkopf mit Föhnfrisur, der die Gefahr der Lage nicht einschätzen kann und Linda ist ein alternder Single, stets im Internet auf der Suche nach dem richtigen Partner. Sie finden heraus wer hinter der CD steckt und beschließen Ozzie zu erpressen. Doch da haben sie sich den falschen Kerl ausgesucht…

Die letzte herausragende Komödie der Coen Brüder liegt mit The Big Lebowski nun bereits 10 Jahre zurück. Ein unmöglicher Härtefall und Ladykillers waren zu gewöhnlich, O Brother, where art thou? schlicht nicht witzig genug, doch nun ist Erlösung in Sicht. Laut eigenen Angaben ist das Drehbuch zu Burn After Reading gleichzeitig mit dem Drehbuch zu No Country for Old Men erstanden, der einzige Grund warum No Country for Old Men zuerst gedreht wurde ist die Tatsache, dass man das große Starensemble von Burn After Reading irgendwie koordinieren musste. Und auch auf anderer Ebene haben beide Filme etwas gemeinsam. Wenn No Country for Old Men ihr bester ernster Film seit langem war, dann darf man dieses Prädikat auch Burn After Reading verpassen. Nur eben als ihr witzigster Film seit langem.

Wer The Big Lebowski kennt und liebt, der wird sich sofort wie zu Hause fühlen. Skurrile Charaktere, absurde Situationen, eine völlig durchgeknallte, aber trotz allem durchdachte Handlung und vor allem hochwertige Unterhaltung. Denn die Coens schaffen es immer wieder, obwohl sie ihre Schauspieler gnadenlos herumblödeln lassen, und sich speziell George Clooney und Brad Pitt wirklich zum Affen machen müssen, die Kurve zu kriegen und das Niveau hoch zu halten. Wo andere Filme auf plumpe Rohrkrepierer, Fäkalhumor und seichte Gags setzen, schafft es Burn After Reading gekonnt den Spagat zwischen köstlichen Einfällen (genial: George Clooneys sexuell anregende Erfindung für seine Frau), durchdachter Situationskomik und ausgearbeiteten Wortwitzen zu schlagen.

Das Drehbuch der Coen Brüder erweist sich dabei als sehr ausgewogen: Wirklich alle Figuren haben hier ein Rad ab und versuchen die irrwitzigen Situationen zu meistern und ihre Schlüsse zu ziehen. Durch völlig abstruse Storyhaken werden Brücken gebaut, die so durchgeknallt sind, dass man sich nur mehr schief lachen kann, und wenn dann im abschließenden Gespräch zwei CIA Agenten, die immer versuchten aus den "genialen" Plänen aller Beteiligter schlau zu werden, rätseln was denn nun überhaupt genau geschehen ist, ja spätestens dann sollte der Damm gebrochen sein und der mitdenkende Zuseher wird sich wohl kaum noch halten können.

Bei allen zynischen Anspielungen auf die moderne Zeit, wie zum Beispiel auf das Internet Dating, den Körperkult und natürlich auf die politische Paranoia, die auf den Nachbeben des Kalten Krieges reitet, bleibt Burn After Reading aber vor allem die Geschichte von Charakteren im mittleren Alter, die zum Verlieren geboren sind, kaum eine Ahnung haben was rund um sich vorgeht und so irgendwie wie Idioten dastehen. Dabei punkten die Coens sowohl mit offensichtlichem Schenkelklopferhumor, als auch mit subtileren Tönen, die sich in der durchdachten Situationskomik (vor allem wenn sich die Wege der Beteiligten auf verrückte Weise kreuzen) und durchaus köstlichem Wortwitz manifestieren.

Einen Großteil zum Erfolg des Filmes trägt, wie bereits zu erwarten war, der brillante Cast bei. Mit dabei die beiden Coen Veteranen George Clooney und Frances McDormand, aber auch die Neulinge Brad Pitt, Tilda Swinton und John Malkovich. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Coens noch öfter mit einer ähnlichen Crew drehen, denn die Chemie ist pures Dynamit auf der Leinwand. George Clooney überzeugt als schräger Liebhaber, Frances McDormand ist so gut wie lange nicht, in ihrer Rolle als körperbesessene Datingbraut und  Tilda Swinton bringt eine richtig kühle Brise ins Team. Aber die beiden Highlights bleiben eindeutig John Malkovich und Brad Pitt.

Nicht nur ihr Aufeinandertreffen am Telefon, wenn sich der leicht vertrottelte Fitnesstrainer eine lockere Verhandlung erwartet, aber stattdessen auf einen dauerfluchenden Alkoholiker trifft, der ihm später noch eine verpassen wird, sondern jede Szene in der einer der beiden vorkommt wird garantiert für Lacher sorgen. Brad Pitt spielt dabei so dämlich und macht sich mit viel Selbstironie zum Affen, dass man es einfach nur bewundern muss, und John Malkovich, der als einziger der Beteiligten Erfahrung als Spion hat, und deshalb fast an den dilletantischen Erpressungsversuchen und Verschwörungsversuchen wahnsinnig wird, reißt ohnehin jede Szene in der er vorkommt an sich.

Was kann man sich also von Burn After Reading erwarten? Mit Sicherheit köstliche Unterhaltung, die sich ein Stück über dem Niveau der meisten Hollywoodkomödien bewegt und vor allem durch die durchdachte Situationskomik und den herrlichen Wortwitz punktet. Zwar ist der Film weder so wuchtig wie No Country for Old Men, noch ist er so herrlich komisch und mit soviel Kultpotential ausgestattet wie The Big Lebowski, aber für prächtige Unterhaltung ist gesorgt. Jeder der den Humor der Coen Brüder mag, wird auch mit Burn After Reading nichts falsch machen.

Fazit:

Die Coens sind definitiv wieder in Form. Nachdem sie mit No Country for Old Men ihren besten ernsten Film seit Fargo lieferten folgt nun mit Burn After Reading ihr witzigster Film seit The Big Lebowski, und obwohl der Film weder das Kultfilmpotential dieses Films, noch die Härte eines No Country for Old Men hat, sollte man ihn sich keinesfalls entgehen lassen. Denn der Wortwitz ist herrlich, die Situationskomik durchdacht und das Starensemble zeigt sich in blendender Form. Somit sollte man sich einfach entspannen und den rasend schnellen Film genießen. Wenn möglich aber in der OV, denn es wird schwer den Wortwitz ins Deutsche zu übersetzen.


Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 64
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Liste von ali6k
Erstellt: 14.01.2015