Die roten Drachen und das Dach der Welt

OT: Die roten Drachen und das Dach der Welt   -  80 Minuten - Dokumentation 
Die roten Drachen und das Dach der Welt
Kinostart: 14.08.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die roten Drachen und das Dach der Welt

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„Tibet ein Gesicht geben“ – das ist laut Kommentarsprecher im Off die Mission, auf die sich das Kamerateam begibt. Löblich, aber die Olympischen Spiele sind vorbei, der Tibetkonflikt war ohnehin nur Marginalthema dieser Zeit und überhaupt. Für alle, die es bisher noch nicht wussten – Tibet ist seit Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts Teil der Volksrepublik China und beide Parteien sind sich sozusagen spinnefeind: Die Chinesen sagen, sie meinen es nur gut, die Tibeter sagen, sie werden von China unterdrückt. Und sie haben mit dem Dalai Lama (unvermeidlich auch im Film zu sehen – es kann wohl doch nicht so schwer sein, den Mann zu interviewen) zudem einen riesigen Sympathiebonus auf ihrer Seite – den gutherzigen, immer zu lustigen Späßen aufgelegten alten Mann, den alle einfach lieben müssen. Und wäre er nicht so gutherzig, dann hätte er längst in Amerika oder sonst wo Raketen eingekauft und China damit bombardiert. So schauts aus, liebe Leser – zumindest behauptet das einer der im Film befragten älteren Mönche. Der hat auch gleich das Patentrezept für die Lösung des Konflikts: Beide Seiten sollen vernünftig miteinander reden.

Es ist noch gar nicht so lange her, da ist der US-Filmemacher Rick Ray mit 10 QUESTIONS TO THE DALAI LAMA verheerend in die Falle getappt und hat ein esoterisches und äußerst oberflächliches Heldenportrait abgeliefert. Diesmal sind zwei junge deutsche Filmemacher an der Reihe. Was ihren Film noch viel schrecklicher als das US-Pendant macht: Zwar behaupten sie, nicht von Phänotypen auszugehen und Ungewöhnliches filmen zu wollen, doch gelingt ihnen das nicht sonderlich oft. Einzig „spannendes“ Moment: Der Blick auf die Straßen und Bewohner Lhasas. Und wollte ich ganz böse und zynisch sein, so müsste ich jetzt behaupten, dass die beiden Regisseure, die oft selbst durchs Bild laufen dem Klischee entsprechen: Marke Filmstudenten mit sozialem Anliegen. Es kann einfach nicht gut gehen: Wir hören das, was wir bereits zur Genüge kennen, von bösen Chinesen und armen Tibetern, die ja vor 1950 im Land, wo Milch und Honig flossen, lebten. Nur ganz selten gibt es wirklich interessante Aussagen, wie etwa von einer Forscherin, die darauf hinweist, dass nicht nur die tibetische Kultur vom Aussterben bedroht ist, sondern dass sich die Kultur in ganz China im Wandel befindet.

Mit Handkamera und als Touristen getarnt versuchen Keller und Pfreundschuh ein möglichst authentisches Bild des Lebensalltags in Tibet einzufangen. Weil sie ohne Drehgenehmigung operieren, filmen sie auch schon mal versteckt hinter irgendwelchen Planen von Jeeps aus. Wie weit das ethische Engagement der beiden geht, wird spätestens in einer Szene klar, in der sie versteckt mitfilmen, wie ein chinesischer Grenzsoldat auf Flüchtlinge ballert. Das ist selbstverständlich schlimm und menschenverachtend brutal – nur ist es keine 20 Jahre her, dass dies auch mitten in Europa passiert ist. Von daher kann die abschließende Frage eigentlich nur lauten: Wer sind wir Europäer, die wir von der chinesischen wie tibetischen Kultur nicht den leisesten Hauch einer Ahnung haben, dann dort hin zu fahren und den moralischen Zeigefinger zu erheben? Nichts anderes passiert in diesem Film, der nicht nur inhaltlich eine taube Nuss ist, sondern auch technisch: Äußerst amateurhafte Zooms stehen pseudoartifiziellen Zeitrafferszenen (und einmal wird eine Szene sogar noch mal und ohne Sinn und Verstand rückwärts abgespielt) gegenüber, nervige Tonaussetzer tun ihr übriges und von der matschigen Bildqualität auf der Kinoleinwand wollen wir lieber gar nicht reden.

Fazit:

Es reicht langsam wieder mit der ewiggleichen Klischeekiste. Schindluder mit Menschenleben wird überall auf der Welt getrieben. Vom moralischen Sendungsbewusstsein des Films bleibt nicht viel übrig – und so lernt man nur eins: Filme zum Thema Tibetkonflikt, die nicht von jemandem aus der Region selbst stammen, sollten in Zukunft ausnahmslos boykottiert werden.

Wertung:
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