Babylon A.D.

OT:  Babylon A.D.   -  101 Minuten -  SciFi 
Babylon A.D.
Kinostart: 11.09.2008
DVD-Start: 10.05.2012 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Babylon A.D.

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Ich lehne mich einmal ganz weit aus dem Fenster und behaupte einmal ganz ungeniert, dass Vin Diesel einer der wenigen Actionhelden der neuen Generation ist, die das Charisma, die physische Präsenz und den lockeren Flair haben um in die Fußstapfen der 80er Jahre Helden zu treten. Gut, der Schatten eines Schwarzenegger, Stallone oder Van Damme ist breit, aber abgesehen von Vin Diesel gibt es auf weitem Flur kaum jemand der dem Actionkino als unterhaltsame One Man Army dienen kann. Nach seinem Aufstieg mit Pitch Black und seinen Kassenschlagern The Fast and the Furios und XXX ist es nun aber etwas ruhig um ihn geworden. Immer noch fehlt ihm ein wirklich herausragender Film, wie sie seine 80er Jahre Kollegen zweifellos hatten. Mit Babylon A.D. hätte sich das ändern können. Doch leider wurde das Potenzial nicht wirklich ausgenutzt.

Ein namenloses Land, irgendwo in Osteuropa, in naher Zukunft: Toorop (Vin Diesel) lebt hier umgeben von Armut, Chaos und Zerstörung. Er ist ein Söldner, der für Geld fast alles macht, aber im Gegensatz zu einigen Kollegen hat er sich zumindest ein wenig Berufethos bewahrt. Eines Tages macht ihm der Unterwelt-Boss Gorsky (Gérard Depardieu) ein Angebot das er nicht ablehnen kann: Er soll ein junges Mädchen nach New York schmuggeln. Im Gegenzug erhält er eine neue Identität und genügend Geld um sich in Amerika ein neues Leben aufzubauen. Doch bald schon muss er entdecken, dass der Transport von Aurora (Mélanie Thierry) und ihrer Leibwächterin (Michelle Yeoh) gefährlicher wird als er befürchtet hat. Denn hinter Aurora verbirgt sich ein tödliches Geheimnis…

Was soll man von einem Film halten, von dem sein Regisseur noch vor dem US-Start behauptet hat er wäre dumm? Es sollte zumindest zu denken geben, denn gängige Praxis ist ja eher, dass Filme, egal wie schlecht sie auch sein mögen, zumindest vor dem Start noch von den Beteiligten über den Klee gelobt werden. Doch Regisseur Mathieu Kassovitz scheint sich von Fox so betrogen gefühlt zu haben, dass er verlauten ließ, dass Fox ihm die Zügel aus der Hand genommen hätte und der Film deshalb dem Buch (Babylon Babies von Maurice Georges Dantec) nicht gerecht werden würde. Viel mehr noch würde die Action, die ursprünglich Teil des Ganzen war, keinen Sinn mehr ergeben und der Film wäre einfach dumm.

Doch an dieser Stelle kann durchaus entwarnt werden. Denn so schlecht wie man nach diesen Aussagen befürchten könnte, ist Babylon A.D. sicher nicht. In der ersten Hälfte ist der Film sogar noch richtig gut. Zugegeben, man kann auch dort erkennen, dass man kein unbegrenztes Budget zur Verfügung hatte, aber dies ist für den Film noch nicht einmal schlecht. Denn so konzentriert man sich vor allem auf eine dichte Atmosphäre, ein interessantes Endzeit-Setting,  und vor allem auf eine Welt, die so interessant beschrieben wird, dass sie im Kopf des Zusehers weiter wächst.

Doch leider folgt auf die wirklich sehr gute erste Hälfte auch noch ein ziemlich enttäuschender Rest. Die minimalistisch gestaltete Welt wirkte im kargen Osteuropa noch viel interessanter, da man sich selbst Vorstellungen über den Rest machen konnte, aber vor allem ist es die Handlung die immer abstruser wird und den Film somit deutlich bremst. Hier kann man plötzlich erkennen was Regisseur Kassovitz gemeint hat, denn man meint plötzlich, dass er seinen Film nicht mehr wirklich im Griff hat. Fast als hätte der visuell hochbegabte Regisseur nur die erste Hälfte gedreht und der Rest wurde auf einem Hollywoodfließband nachfabriziert.

Von der Endzeit-Atmosphäre ist wenig übrig, die Handlung weicht der nur durchschnittlichen Action und die Geschichte fühlt sich merklich unrund an. Vermutlich hat Fox einfach kalte Füße bekommen, als sie sahen dass Kassovitz’ Film zu untypisch für einen Mainstream Actionfilm werden könnte. Wirklich schade ist dies aber vor allem für das Publikum, das, nachdem es noch zuvor in eine liebevoll gestaltete Welt eintauchen konnte, plötzlich herausgerissen wird, und sich in einem herzlosen Actionfeuerwerk wieder findet.

Vin Diesel ist einer der Gründe warum man auch in der zweiten Hälfte noch unterhalten wird. Es macht ganz einfach Spaß den sympathischen Actionhelden bei seiner Arbeit zuzusehen, und obwohl die teilweise uninteressante Action nicht immer fesselt, kann doch zumindest der Hauptdarsteller durchwegs punkten und mit jenen Werten überzeugen, die ihn einst bekannt gemacht haben. Trotz allen Schwächen kann man Babylon A.D. also durchaus eine Chance geben, und obwohl der Film sein Potential nicht nützt, weiß wenigstens die erste Hälfte durchwegs zu gefallen.

Fazit:
Babylon A.D. überrascht zunächst mit einer wirklich starken ersten Häfte, in der es der Film schaffte ein faszinierende Welt zu erschaffen in der man sich gerne verliert, mit einer knackigen Atmosphäre und einer kompakten Geschichte. Doch danach zerfällt der Film leider in seine Einzelteile. Unbefriedigende Action, ein abstruser Storyverlauf und der Verlust der kalten Atmosphäre drücken die Qualität leider nach unten. Vin Diesel macht dabei durchwegs eine gute Figur, hätte sich aber endlich einen Film verdient, mit dem er beweisen kann, dass er einer der besten modernen Actionhelden ist. Wie dem auch sei, Babylon A.D. ist ein zwiespältiges Erlebnis.

Wertung:

6/10 Punkte 

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 14
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