Gangs of New York

OT:  Gangs of New York  -  167 Minuten -  Drama 
Gangs of New York
Kinostart: 20.02.2003
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Gangs of New York

Von am

In prachtvollen, opulenten Bilderorgien führt uns der Scorsese in mehr als zweieinhalb Stunden in die Welt des Krieges, des New Yorker Bandenkriegs des 19. Jahrhunderts, in einen Schmelztiegel, in dem ausschließlich Gewalt zu herrschen scheint, nichts als Gewalt. Die opulenten Bilder von Michael Ballhaus fügen sich zu einem bewegten Fresko zusammen, das vom Leben einer Zeit erzählt, die uns so fern zu liegen scheint und in mancher Hinsicht doch näher ist, als wir glauben. Fast scheint es, als wolle Scorsese dem alten Friedrich Engels recht geben, der die Gewalt zu einer Art Katalysator bei der Entstehung sozialer Umbruchprozesse erklärte. Oder wie sein nicht minder berühmter Freund Karl Marx es formulierte: Gewalt sei der „Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht“. „Geschichte ist immer gewalttätig. Einwanderer kamen in Amerika an und gerieten sofort in Konflikt mit den dort Geborenen. Das war ein permanenter Kampf, und das 19. Jahrhundert war das gewalttätigste der amerikanischen Geschichte“, äußerte der Regisseur in einem Interview mit „Die Welt“. Doch Scorsese wäre nicht Scorsese, wenn die Dinge nur hier zu finden wären. Die heutige Lower East Side, in der „Gangs of New York“ spielt, platzte aus den Nähten – vor Menschen, vor Dreck, vor Kriminalität, vor Gewalt. Die Leinwand scheint manchmal zu zerbersten, die Menschen aus ihr „herauszufallen“, so dicht filmten Scorsese und Ballhaus Five Points, das Zentrum der unzähligen irischen, italienischen und anderen Gangs.

„Gangs of New York“ fügt sich – das sei hier vorweggenommen – in die Darstellung der Geschichte Amerikas bzw. einzelner Epochen ein, wie sie Scorsese sieht: ob in „Goodfellas“ (1990), einer Art (im historischen Sinn) Fortsetzung von „Gangs“ im Mafia-Milieu, oder „Taxi Driver“ (1976). Selbst „Age of Innocence“ (1993), der in der High Society von New York um 1870 spielt, kann als direkte Folge der Geschichte der bürgerkriegsähnlichen Entwicklung im New York der 40er bis 60er Jahre des 19. Jahrhunderts gesehen werden (Daniel Day-Lewis spielt hier den Anwalt Newland, der auf ein Leben mit der Gräfin Olenska aus Gründen der Gesellschaftsfähigkeit verzichtet).

Die großen Hungersnöte der 40er Jahre in Irland treiben einen Strom von Einwanderern nach Amerika. Der Priester Vallon (Liam Neeson) gehört 1846 zu den Wortführern der irischen Immigranten in New York, die es in der Lower East Side von Manhattan schwer haben. Die schon länger dort lebenden Einwohner, die sich als „Natives“ bezeichnen, machen den Iren und anderen Ethnien das Leben zur Hölle. Die „Natives“ hassen die angeblich verkommenen Hungerleider aus dem Ausland, aber auch die „Neger“. „Five Points“ ist das Zentrum der Macht der „Natives“, die von dem Metzger Bill Cutting, genannt Bill the Butcher (Daniel Day-Lewis) angeführt werden. Nicht nur die „Natives“, auch die vor kürzerer Zeit eingewanderten Ethnien, haben sich in Gangs zusammengeschlossen. Selbst die verschiedenen, ethnisch besetzten Feuerwehren, kämpfen miteinander um das Vorrecht, Brände zu löschen. Vallon leitet die irischen „Dead Rabbits“. In einer Schlacht zwischen den beiden verfeindeten Gruppen wird Vallon vor den Augen seines Sohnes (Cian McCormack) getötet – kein geringerer als Bill selbst versetzt Vallon den Todesstoß.

16 Jahre später kommt der in einem Heim aufgewachsene Amsterdam Vallon (Leonardo DiCaprio) zurück nach Five Points. Er hat nur eines im Sinn: Rache für den Tod seines Vaters zu nehmen. Nach wie vor regiert Bill the Butcher – im Verein mit dem korrupten Anführer einer politischen Gruppierung, der sog. Tammany Hall, William „Boss“ Tweed (Jim Broadbent), der sich Wählerstimmen durch Bestechung kauft; die Polizei ist ebenfalls durch und durch korrupt. Niemand außer Johnny Sirocco (Henry Thomas), der Amsterdam nach dem Tod seines Vaters geholfen hatte, weiß, dass er der Sohn Vallons ist. Amsterdam sucht vorsichtig Kontakt zu dem skrupellos regierenden Bill und gewinnt dessen Vertrauen. Schon bald gehört Amsterdam zu Bills wichtigen Männern. Bill verhält sich gegenüber dem jungen Mann wie eine Art Vater. Die Freundschaft Amsterdams mit Johnny allerdings wird auf eine harte Probe gestellt, als Amsterdam sich in die Betrügerin und Taschendiebin Jenny (Cameron Diaz) verliebt. Denn auch Johnny ist in Jenny unsterblich verliebt, die mit zwölf Jahren von Bill aufgenommen und groß gezogen wurde.

Aus Rache verrät Johnny Amsterdam und erzählt Bill, dass er der Sohn des Priesters Vallon ist. Ein Kampf um Leben und Tod zwischen Bill und Amsterdam beginnt ...

Scorsese zeichnet, vor allem durch die enorm aufwendigen Kulissen, die in Cinecitta (Rom) errichtet wurden, und die Bilder von Ballhaus ein intensives Gemälde des Lebens der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts in der Lower East Side. Die vordergründig von den Reichen und Mächtigen der Stadt in der Upper West Side, der 5th Avenue usw. propagierte Demokratie wird von Scorsese mit deutlichem Zynismus bloßgestellt. Tammany Hall war eine korrupte Vereinigung, die heute sicherlich als kriminelle Vereinigung in den Bereich des organisierten Verbrechens eingestuft würde. Stimmen werden nicht nur gekauft, sie werden mehrfach gezählt, potentielle Wähler werden gezwungen, ihre Stimmen mehrmals abzugeben, die Polizei wird bestochen usw. Scorsese führt drei Gruppen vor: die irischen Einwanderer, die „Natives“ und die begüterte New Yorker High Society. Alle zeichnen sich durch Korruption, Gewaltanwendung, sei es direkt, sei es indirekt über Polizei oder ethnische Gruppen, aus.

Scorsese macht dies an den drei Personen – Bill the Butcher, Amsterdam und William „Boss“ Tweed – mehr als deutlich. Bill reagiert in der Hauptsache mit Gewalt und Angst, mit dem Fleischermesser, den Knüppeln, den Fleischerbeilen wird für „Ordnung“, das heißt für den Erhalt der Macht in Five Points gesorgt. Er lehrt Amsterdam an einem hängenden Schwein, wie man einen Mann schnell tötet. Bill, mit hohem Zylinder, einem Glasauge und enormen Schnauzbart, ist ein furchterregender Mann, und Tweed hat über Jahre hinweg mit ihm ein taktisches Übereinkommen, um sich Wählerstimmen zu sichern. Day-Lewis spielt diesen Bill in grandioser Art und Weise, mit einer Portion (Galgen-)Humor hier, dem Funkeln in seinem Auge als Ausdruck des absoluten Machtanspruchs dort.

Scorsese zeigt aber auch, welche Folgen das Regiment der unkontrollierten Gewalt in Five Points hat: in der Person von Amsterdam, der letztlich nur Rache will, gleichzeitig jedoch von der Gerissenheit und Intelligenz Bills fasziniert ist. Er kann Jenny nicht folgen, als die Five Points verlassen will. Er muss sich „reinigen“, indem er Bill tötet.

Die Grundaussage des Films ist klar und wird deutlich und nachvollziehbar geschildert: Amerika ist nicht nur in den Straßen entstanden. Die Gewalt, eine maßlose, fast grenzenlose Gewalt unzähliger in Gangs organisierter ethnischer, religiöser, politisch motivierter Gruppen hat zwischen 1776 und 1865 – übrigens nicht nur in New York, sondern mehr oder weniger auch in allen anderen Großstädten – um die Macht gekämpft. Der Bürgerkrieg blutet auch die New Yorker Armen noch zusätzlich aus, weil immer mehr Soldaten 1863 von Regierungsbeamten rekrutiert werden, was u.a. zum Aufstand führt. Es gibt andererseits in diesen Situationen kein Zentrum der Macht, keine Zentralgewalt, die wirklich höchste und zugleich demokratisch kontrollierbare Macht sein könnte. Bis 1910 ziehen sich noch Bandenkriege hin, und sie sind das Bindeglied zu einer anderen Entwicklung: der Entstehung mafiöser Strukturen im Zuge der Prohibition ab 1920.

Hier liegt die Logik in Scorseses filmischem Werk. Die übliche Gegenüberstellung von Zivilisation und Barbarei wird einer gnadenlosen Kritik unterzogen. Five Points wirkt nicht nur wie, es ist die Hölle auf Erden. Selbst die verschiedenen Feuerwehren sehen ihre Aufgabe nicht in erster Linie im Löschen von Bränden, sondern im Streit und Krieg darum, wer löschen darf. Einziger Gegenpol zu diesem brutalen Schmelztiegel (Scorsese verzichtet übrigens bewusst darauf, das Töten direkt zu zeigen) ist die langsam sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Amsterdam und Jenny Everdeane, einer Frau, die zunächst darauf bedacht ist, in dieser Hölle unabhängig zu existieren und niemanden an sich heran lässt. Die Bekanntschaft mit Amsterdam regt in ihr Zuneigung, weil Amsterdam sich zwar von Rache gegenüber Bill leiten lässt, andererseits aber zeigt er auch Mitgefühl gegenüber anderen.

Das Inferno der Bandenkriege, der Korruption, des Elends, der Gewalt löst sich erst auf, als die reichen Mächtigen der Stadt sich entschließen, dem ein Ende zu setzen. Doch dies darf man nicht verwechseln mit dem Sieg der Guten über die Bösen, der Demokratie über die Barbarei. Korruption und Gewalt bekommen lediglich eine legale Form, und die Schlussfolgerung, dass dieses Amerika nur 50 Jahre später in den mafiösen Strukturen der Prohibitionszeit in anderer Form weiter existiert, was auf die Tradition des gewalttätigen 19. Jahrhunderts zurückgeht, ist kaum von der Hand zu weisen.

Das zweite Sehen eines Films offenbart dann neue Gesichtspunkte und Einblicke, wenn ein Film wirklich etwas zu sagen hat. Ich habe die Originalversion von „Gangs of New York“ – beileibe nicht nur wegen der englischsprachigen Fassung – in mich regelrecht aufgesogen und den Eindruck gewonnen, dass dieses große Meisterwerk bei jedem Sehen neue Türen öffnet und zusehends emotionalisiert. Scorsese hat übrigens in einem Interview darauf hingewiesen, dass die Kino-Version des Films die endgültige Fassung sei; es gebe keinen (längeren) Director's Cut.

Die Werbezeile für „Gangs“, Amerika sei in den Straßen entstanden, bezieht sich – entgegen aller voreiligen Schlüsse – nicht einseitig auf den Krieg von Banden. Scorsese entwickelt den Kontrapunkt zu dieser Brutalität – die Liebesgeschichte zwischen Amsterdam und Jenny Everdeane und die damit verbundene Sehnsucht bzw. das Gespür der beiden Figuren nach einer sozial gerechten und emotional verbindenden Konstituierung von Gesellschaft (also Demokratie und Gerechtigkeit, Liebe, Behutsamkeit und Zärtlichkeit, nicht nur bezogen auf ein Paar) – parallel zur Zuspitzung der Bandenkonflikte.

Man kann dem Film den Vorwurf machen, dass sich Scorsese nicht immer an die historischen Fakten hält, etwa in bezug auf die Figur des William Cutting oder den historisch fragwürdigen, im Film gezeigten Einsatz von Kanonenbooten gegen die Aufständischen, die sich der Einberufung widersetzen. Peanuts. Entscheidend ist die Archäologie der Bilder, das prall gefüllte Bild einer sozialen Szenerie, in der die feinen Unterschiede zwischen den Banden (hier einerseits der von Cutting geführten „Natives“, andererseits der irischen „Dead Rabbits“ und zum Dritten der feinen Bande der Tammany-Begüterten) ebenso heraus zu destillieren sind wie ihre Gemeinsamkeiten.

Bereits die Eingangssequenz – Scorsese verzichtet völlig auf einen Vorspann – wirft den Betrachter „gnadenlos“ in diese kaum intensiver darzustellende Szenerie. Die irischen Einwanderer kamen aus existentieller Not. Die Hungersnöte in Irland, vor allem The Great Famine, brachte ca. einer Million Iren den Tod. Etwa eine weitere Million wanderte aus, unter großen Entbehrungen, vor allem nach Amerika. Die Organisierung der einwandernden Iren in Banden war hier also vor allem Selbstschutz gegenüber den Angriffen der so genannten „Natives“, die die katholischen „Hungerleider“ bis aufs Messer bekämpften. Wiederum anders orientiert waren die Banden der begüterten New Yorker, die sich als feine und pseudolegale Spitzen der Gesellschaft u.a. in Tammany Hall unter „Tweed“ organisiert hatten und v.a. die „leisen“ Mechanismen der Korruption pflegten. In einer Szene des Films wird deren Strategie besonders drastisch sichtbar: Bei Wahlen gehe es nicht um die abgegebenen Stimmen, sondern um die gezählten, soll heißen: man zählt einfach mehr Stimmen für den eigenen Kandidaten, als abgegeben wurden.

Innerhalb dieser Szenerie entwickelt Scorsese nicht nur eine Art „Durchbruch“ der Liebe. Am Schluss bleiben Amsterdam und Jenny als Protagonisten eines zwar nicht „ganz anderen“, aber doch modifizierten Amerika, einer Gesellschaft, in der die Gruppenverbundenheit und der Individualismus in einer letztlich nicht geklärten, aber in Ansätzen vorhandenen Kombination als möglicher Keim einer demokratischen Gesellschaft übrig bleiben. Die Väter liegen erst im Tod friedlich nebeneinander. Am Horizont lässt Scorsese die Skyline von Manhattan in die Gegenwart – mit den Twin Towers – „hinüberwachsen“.

Die Konzeption des archaisch anmutenden, aber dennoch der Zivilisation inhärenten Modells der Bandenkriege als Vorstufe einer befriedeten Gesellschaft, die nur deshalb befriedet werden konnte, weil die Gewalt einer sich herausbildenden zentralen staatlichen Macht im Besitz der Begüterten einen Schlussstrich ziehen musste, um Konsistenz und Kohärenz der Sozialstruktur zu gewährleisten (der Aufstand gegen die Einberufung zur Armee während des Bürgerkrieges wird niedergeschlagen), diese Konzeption hat nur begrenzte zeitliche Dauer, weil alles andere in die Vernichtung geführt hätte. Trotzdem – und ohne dass Scorsese hier direkt Bezüge vermittelt – tradiert sich die Erinnerung an die Bandenkriege nur Jahrzehnte später in der Mafia, die über ihre eigenen Interessen (ebenso verpackt in ein Mäntelchen von Ehrbegriffen und Familiensinn) hinaus keine politischen oder sozialkonstituierenden Bedürfnisse kennt und kennen kann. Die Prohibition lässt die Geister von einst in einem neuen, anderen Licht wieder auferstehen. Und auf Scorseses Gesamtwerk bezogen ergibt sich hier eine Kontinuität, die erschreckend und staunenswert zugleich ist.

Eng verbunden damit ist der Blick Scorseses auf „die Stadt“, die Stadt nicht als bloße Zusammenballung von Menschen, sondern als soziale Größe, in der die Widersprüche der historischen Entwicklung, die Symbolik, die für Schuld, Sühne, Reinigung im Schmelztiegel New York am Reinsten sichtbar wird.

Das Sittengemälde, das Scorsese hier zeichnet, wirkt nie plakativ. Die opulenten Bilder der Hölle des Lebens in Five Points zeigen eine erschreckend lebendige Gesellschaftsstruktur, die zu einem besseren Verständnis der amerikanischen Geschichte sicherlich beitragen kann. Scorsese gelingt es, die Funktionsweise dieser Lebensweise zwischen amerikanischer Unabhängigkeit und dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts vor allem über die Charaktere seiner Geschichte glaubhaft zu dokumentieren.

Der enorme Aufwand, der für diesen Film betrieben wurde, hat sich meinem Eindruck nach vollauf gelohnt.

Epilog:

„Oh my love
It's a long way we've come
From the freckled hills to the steel and glass canyons
From the stony fields, to hanging steel from the sky
From digging in our pockets, for a reason not to say goodbye

These are the hands that built America
Russian, Sioux, Dutch, Hindu
Polish, Irish, German, Italian.“ [1]

Dass historische Gedächtnis ist oft ein Kurzzeitgedächtnis. Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Holocaust bekam so mancher Fremde in Deutschland zu spüren, dass es die Jahre 1933 bis 1945 für viele Deutsche nicht zu geben schien. Man machte wieder Urlaub, im Land wo die Zitronen blühen, und schuf sich ein Wirtschaftswunder. Und ein Wunder brauchte man, um der Vergangenheit Herr zu werden, sprich: sie zu verdrängen oder zu verleugnen, wie es Margarete und Alexander Mitscherlich Ende der 60er Jahre in ihrem Buch „Die Unfähigkeit zu trauern“ so drastisch schilderten.

Auch die amerikanische Geschichte ist von solchen Ausblendungen reich. Und der allzu gerne gepflegte Leitsatz: „Amerika bedeutet Zivilisation auf höchstem Niveau, woanders herrscht Barbarei“ überzieht die jüngste Vergangenheit bis in die letzten Winkel der Erde. In seinem epochalen Film „Gangs of New York“ zieht Martin Scorsese, wie schon in früheren Filmen, gegen diese Verblendung zu Felde. Scorsese schildert – unter erheblichem Aufwand an Ausstattung, Kulissen (ein ganzer Stadtteil wurde in Cinecitta in Rom nach Beschreibungen, Zeichnungen und Fotos bis in alle Einzelheiten unter Leitung von Dante Ferretti rekonstruiert), Kostümen –, wie ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein ganz anderes New York sich entwickelte, als es die meisten und vor allem die Amerikaner selbst heute kennen. Im Zentrum stehen die Five Points, eine Kreuzung von fünf Straßen im Süden New Yorks, zwischen Canal Street, Chinatown und dem heutigen Financial District. Dort führt Bill the Butcher (Daniel Day-Lewis) einen Krieg gegen die verhassten irischen Einwanderer, die katholischen Hungerleider, die zu Zehntausenden nach der großen Hungersnot, The Great Famine, in Irland ihre letzten Habseligkeiten zusammenrafften und unter extremen Strapazen in Amerika auf ein neues Leben hofften.

„I last saw your face in a watercolour sky
As sea birds argued a long goodbye
I took your kiss on the spray of the new line star
You gotta live with your dreams
Don't make them so hard

And these are the hands that built America
These are the hands that built America
The Irish, the Blacks, the Chinese, the Jews
Korean, Hispanic, Muslim, Indian.“ [1]

Scorsese schildert aber nicht nur die Geschichte der Rivalität und Rache. Er zeigt ein New York in vielen Einzelheiten, den sozialen Lebensumständen, so weit sie rekonstruiert werden konnten, ein Milieu, in dem Korruption, Gewalt, Armut, Bandendiktatur und Intrige die Macht konstituieren, und nicht irgendeine demokratisch gewählte und kontrollierte Regierung. Einziger Kontrapunkt in diesem düsteren Spiel scheint die Liebe zwischen Jenny und Amsterdam.

Scorsese räumt auf mit der Unterscheidung von Zivilisation und Barbarei. An den Five Points ist kein Unterschied zwischen beiden sichtbar. Die Diktatur der verschiedenen Interessengruppen balanciert sich aus durch Gewalt und geschicktes Taktieren. Erst als die Reichen der Stadt den Überblick verlieren und selbst Opfer der wütenden Gegner der Einberufung zum Bürgerkrieg werden, lassen sie durch die Zentralregierung den Aufstand niederschlagen. Doch das Ende der Bandenkriege ist nicht der Anfang der Demokratie. Der Tod Bills ist nicht das Ende von Gewalt und Korruption.

Ich will es dabei belassen, da ein ausführlicher Bericht von mir und ausgezeichnete Berichte von anderen zum Film schon lange vorliegen.

„Of all of the promises
Is this one we can keep?
Of all of the dreams
Is this one still out of reach?

Its early fall
There's a cloud on the New York skyline
Innocence dragged across a yellow line
These are the hands that built America
These are the hands that built America.“ [1]


Wertung:
10/10 Punkte

Oscars:
Nominiert:
2002 - Bester Film
2002 - Beste Regie - Martin Scorsese
2002 - Bestes Original Drehbuch
2002 - Bester Hauptdarsteller - Daniel Day-Lewis
2002 - Beste Ausstattung
2002 - Beste Kamera
2002 - Beste Kostüme
2002 - Bester Schnitt
2002 - Bester Song - "The Hands That Build America"
2002 - Bester Ton

Golden Globes:
Gewonnen:
2002 - Beste Regie - Martin Scorsese
2002 - Bester Song - "The Hands That Build America"

Nominiert:
2002 - Bester Film: Drama
2002 - Bester Hauptdarsteller: Drama - Daniel Day-Lewis
2002 - Beste Nebendarstellerin - Cameron Diaz

Quelle: Follow-me-now.de / Ulrich Behrens

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