Auf Anfang (2006)

OT: Reprise - 105 Minuten - Drama
Auf Anfang (2006)
Kinostart: 10.10.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Auf Anfang erzählt die Geschichte von Erik (Espen Klouman-Hoiner) und Phillip (Anders Danielsen Lie), die beide als Schriftsteller Karriere machen wollen. Ihre Erstlingswerke werden zu Kultbüchern, danach gehen die zwei Freunde für eine Weile getrennte Wege. Beide haben mit einer Schaffenskrise zu kämpfen, als sie sich im Ausland zufällig wieder treffen. Sie beschließen gemeinsam ein Buch zu schreiben, welches umgehend zu einem Riesenerfolg wird. Doch halt! Plötzlich geht alles wieder auf Anfang. Die Geschichte nimmt diesmal einen anderen Verlauf.

Eriks Roman wird aus Mangel an Talent abgewiesen, während Phillips Manuskript angenommen wird und den jungen Autor plötzlich zum gefragtesten Schriftsteller der norwegischen Literaturszene avancieren lässt. Doch sechs Monate später sieht alles anders aus. Phillip sitzt wegen eines Nervenzusammenbruchs in einer psychiatrischen Anstalt. Nach seiner Entlassung, hat er am Schreiben kein Interesse mehr, während Erik nach wie vor an seinen schriftstellerischen Ambitionen festhält. Phillip versucht hingegen sein Privat- und Liebesleben wieder auf die Reihe zu bekommen. Gleichzeitig bemüht sich Erik darum, endlich sein Manuskript veröffentlicht zu sehen.

Eine kleine Änderung im Leben der beiden Hauptfiguren, zieht ungeahnte Folgen nach sich, die weder besser, noch schlechter sind, als ihr erstes Schicksal. Denn Rückschläge und Verluste würden sie so oder so erleiden, egal welchen Verlauf ihr Leben nehmen würde. Keine der möglichen Lebensläufe würde sie glücklicher oder unglücklicher machen, sie müssen halt nur mit einem anderen Schicksal hadern. Viel mehr kommt es darauf an, was sie aus ihren gegebenen Möglichkeiten machen und wie sie ihr Umfeld nutzen. Während die erste Lebensgeschichte in einem knappen Zeitraffer erzählt wird, entfaltet sich die zweite Geschichte in manchmal nahezu meditativer Langsamkeit.

Dabei bezieht der Film aber ohne Zweifel seinen größten Reiz, aus dem Wissen, dass es sich beim Gesehenen, um eine andere, mögliche Lebensgeschichte dieser beiden jungen Schriftsteller handelt. Diesmal sehen wir nicht das schnelle, aufregende Leben zweier gefeierter Künstler, die trotz ihres Erfolges, herbe Schicksalsschläge einstecken müssen. Diesmal wird uns eine Geschichte von gescheiterten Existenzen gezeigt, die ihren Platz im Leben suchen und nur noch mehr die Orientierung verlieren, als sie herausfinden, dass das, was sie bisher wollten, womöglich gar nicht das ist, was sie glücklich macht.

Dieser Umstand, die Geschichte neuerlich, aber anders, zu erzählen, bietet die Möglichkeit zu zeigen, wie die beiden Protagonisten, den Weg zu Erkenntnis und Einsicht finden, egal wie schmerzhaft diese Einsichten letztlich auch sein mögen. Dabei verstehen es die beiden Hauptdarsteller streckenweise durchaus gekonnt, den inneren Kampf ihrer Persönlichkeiten nach außen zu kehren und ihre Figuren, und somit auch ihr Schicksal, glaubhaft darzustellen. Aber dies gelingt ihnen eben nur streckenweise. Es gibt durchaus Momente, in denen die Darstellungen nicht vollends überzeugen können und manchmal sogar die Motivation der Figuren schleierhaft bleiben.

Leider mangelt es dem Film dadurch an Konsistenz. Zu oft schwankt er zwischen wirklich ehrlichen Szenen, die das Innenleben der Figuren offenbaren und gleichzeitig illustrieren, und zu gekünstelt wirkenden Momenten, in denen die fehlende Motivation, die Glaubwürdigkeit der Figuren untergräbt. Dadurch lässt auch die Handlung nach und tritt stellenweise zu stark in den Hintergrund, wodurch sich einem die Frage aufdrängt, warum der Film denn eigentlich wieder auf Anfang gesprungen ist. Bloß um dann eine einzige andere Geschichte zu sehen? Es hätte doch noch weitere Möglichkeiten geben können? Warum wurde das Konzept des Darstellens von verschiedenen Lebenswegen nicht konsequenter durchgezogen? Irgendwie ist es nämlich schade, dass der Zuschauer nicht noch mehr mögliche Geschichten von Erik und Phillip erfährt, womit ihren Figuren und auch der Handlung, ein viel größerer Spielraum zugestanden wäre, um weitere Dimensionen der Charaktere und dem Umgang mit ihrem Schicksal auszuloten.

Fazit:
Auf Anfang ist auf alle Fälle ein interessanter Film, der es durchaus Wert ist, gesehen zu werden, auch wenn er es leider nicht schafft, sein Niveau auf voller Länge zu halten, da sich die Geschichte und deren Figuren, immer wieder in unmotivierte Handlungen verstricken. Diese Momente machen die meditative Stärke des Films zunichte und ziehen einem aus dem Filmerlebnis. Danach braucht der Film ein Weilchen, bis er wieder zu gewohnter Form auflauft. Trotz allem bleibt dem Film aber ein gewisser Reiz anhaften, den selbst die manchmal nervenden, weil für ihr Alter einfach zu pubertären Nebenfiguren, nicht zunichte machen können. Auf Anfang ist definitiv kein Film für alle Geschmäcker. Er zielt auf ein Publikum, abseits des Mainstreamkinos, ab. Dabei wirkt der Film, gerade in seinen schwächeren Momenten, zu penetrant in seinem Bemühen, sein eigenes Zielpublikum zu erreichen, was dem ganzen einen irgendwie aufdringlichen Beigeschmack hinzufügt. Dennoch ist Auf Anfang, schon allein wegen seiner interessanten Vielschichtigkeit, die zwar leider nicht konsequent genug durchgezogen wird, aber in seiner Ausführung durchaus gut ist, und wegen der charmanten Darstellung der beiden jungen Schriftsteller Erik und Phillip, ein lobenswerter Film, der sich der Herausforderung annimmt, dem Zuschauer etwas erfrischend anderes und neues zu bieten. Man kann ohne weiteres sagen, dass Auf Anfang ein durchaus guter Film ist, aber zu mehr reicht es leider nicht.

Bewertung:

6/10 Punkte 

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