Lady Jane

OT:  Lady Jane   -  104 Minuten -  Drama 
Lady Jane
Kinostart: 05.09.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Am Beginn des Films steht eine Szene, in der unsere – in Folge – drei maskierten Protagonisten bei strahlendem Sonnenschein und zu launiger Musik Pelzmäntel und Überhänge an die Bewohner eines Wohnhauses verteilen. Fünfzehn Jahre später, im hier und jetzt, ist von dieser Anarchie nichts mehr geblieben: René (Gérard Meylan) ist Besitzer eines Nachtclubs, Francois (Jean-Pierre Darroussin) repariert Motorboote und Muriel (Ariane Ascaride) – allein erziehende Mutter – arbeitet in ihrer Parfümerie. An die Schatten der Vergangenheit erinnert sie nur noch eine Tätowierung an ihrem Handgelenk – „Lady Jane“ – so heißt auch ihr Laden. Erst als eines Tages Muriels Sohn Martin entführt und Lösegeld gefordert wird, findet das Ex-Gaunertrio wieder zusammen. Das Geld ist schnell aufgetrieben, doch bei der Übergabe sollte doch alles anders kommen…

Regisseur, Produzent und Autor Robert Guédiguian dreht seit Beginn der 80er seine Filme mit fixem Cast in Marseille – bedient sich aber aller Register der Genres. Mit Lady Jane legt er einen film-noir a la francaise vor. Wie in Tourneurs Out of the past wird auch hier die Protagonistin von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt und muss erneut zu dem werden, was sie war, und eigentlich hinter sich lassen wollte. Rache zieht sich als Leitmotiv durch den Film, allerdings nicht so sehr als Akt physischer Gewaltanwendung sondern vielmehr in der psychischen Verrohung der Charaktere. Der Film gibt dabei recht schnell Hinweise auf die Entschlüsselung des Thrills, und beschleicht so seine Zuschauer mit dem Gefühl, gar nicht so sehr Wert auf die eigentlich recht simple Geschichte zu legen.

Lady Jane besticht besonders durch seine recht scharfsinnigen Beobachtungen, wie die anfängliche Anarchie dem Kapitalismus gewichen ist. Wo zu Beginn sinnbildlich noch Pelze an die Armen verteilt werden, ist es später das Geld, das seine Besitzer von einem Gauner zum nächsten wechselt. Aus den einst ausgebufften Gangstern sind längst angepasste Familienmenschen geworden, die arbeiten, um Geld zu verdienen. Der Rückfall in alte Verhaltensmuster gestaltet sich entsprechend differenziert: Francois findet mehr und mehr Gefallen an der Idee, aus seinem Familiengefängnis auszubrechen und wieder ganz der alte zu sein, René durfte sich gewisse Eigenschaften ohnehin seines Berufes wegen nicht abgewöhnen – nur Muriel ist in ihrer kleinen Familie glücklich.  

Beinahe etwas störend und platt ist das Handy, nicht nur als ständig klingelnder Begleiter unserer Protagonisten, sondern auch als letzte Kontaktmöglichkeit der Mutter zu ihrem Sohn. Doch selbst da rettet der Schluss das Bild: Vom Handy bleibt nur die SIM-Karte übrig – das Symbol einer Speichermöglichkeit, eines Gehirns. An die Aktion zu Beginn des Films wollen sich die Pelzempfänger 15 Jahre später nämlich nicht mehr erinnern.

Fazit:

Lady Jane mag äußerlich zwar ein unscheinbarer Mix aus Drama und Thriller im besten noir-Stil sein, spielt seine Stärken aber vor allem in der ausdifferenzierten Beobachtung seiner Charaktere und der französischen Realität voll aus. Insofern ist es eine reine Freude, den Film politisch zu sehen – als Reflexion über den – wenn man so möchte – Untergang der Anarchie und des Siegeszugs des Kapitals.


Bewertung:

6/10 Punkte

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