Children of Men

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Children of Men
Kinostart: 09.11.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Children of Men

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 The Last one to die, please turn out the light

 

Es gibt Filme die es schaffen auf dezente Weise Spannung zu erzeugen und gleichzeitg auf subtile Art, Kritik an unserer Gesellschaft zu üben. Children of Men ist keiner dieser Filme. Er fegt über den Zuseher hinweg wie ein Orkan. Unterstützt wird dies durch eine radikal neue Herangehensweise, die vor allem durch die brillante Kameraarbeit eine gewisse Paranoia im Kopf des Zusehers hinterlässt. Children of Men ist auf jedenfall einer dieser besonderen Filme, die man gerne viel öfters zu Gesicht bekommen würde.

 

England im Jahr 2027:Die Menscheit ist unfruchtbar geworden und die letzte Geburt liegt 18 Jahre zurück. Als der jüngste Mensch der Erde ermordet wurde, tötet ein aufgebrachter Mob dessen Mörder. Die Menschen sind längst nicht mehr so wie sie einmal waren. Durch die Kinderlosigkeit sind die überlebenden Menschen in eine Lethargie verfallen und haben keine Freude mehr in ihrem Leben. Dadurch kommt es immer mehr zu terroristischen Übergriffen und die Regierung versucht diese zu mit aller Gewalt zu unterdrücken. Auch wurde eine radikale Einwanderungspolitik eingeschlagen und die Immigranten werden alle in Flüchtlingslager abgeschoben. In diesem Szenario versucht sich Theo (Clive Owen) über Wasser zu halten, doch sein Leben ändert sich als seine Ex-Freundin Julian (Julianne Moore) wieder auftaucht und ihm eine schwangere Frau mitbringt. Theo muss sie an die Küste bringen, da sich in England der Staat und die Terroristen blutige Schlachten wegen dem einzigen Baby der Welt liefern würden...

 

Alfonso Cuaron schafft es sehr gekonnt in seinem postapokalyptischen Film Children of Men eine bedrückende Endzeitstimmung aufleben zu lassen, die den Zuseher von Anfang an in seinen Bann zieht. An jeder Ecke gibt es brutale Ausschreitungen und depremierende Sprüche, die an Wände gesprüht werden.Zu Beginn wird der Held der Geschichte, Theo, von einem Bombenanschlag geweckt, der das Café in dem er kurz vorher noch war in tausend Teile sprengt. Sofort steigen im Zuseher Fragen hoch: Wo bin ich hier? Was ist das für eine Welt?

 

Children of Men legt eine Kompromisslosigkeit an den Tag, die bemerkenswert ist. Hauptdarsteller werden getötet, und das mit einer Selbstverständlichkeit, wie wenn jeder Film, eine bedrückende Realität in solchem Maße widergeben würde. Unterstützt wird das ganze Szenario durch die unglaubliche Kameraarbeit, die sich hoffentlich den Oscar holen wird. Viele Szenen kommen zwischen 5 und 15 Minuten lang ohne Schnitt aus und folgen den Hauptdarsteller durch ein Schlachtfeld, während sich die Rebellen und das Militär blutige Kämpfe liefern. Dabei gibt es überall im Umkreis Explosionen, die allerdings nicht in Großaufnahme gezeigt werden, sondern nur aus der Verfolgerperspektive der Darsteller. Dadurch dass die Kamera immer an der Hauptfigur dranbleibt und dadurch viele Ereignisse nur aus den Augenwinkeln wahrnehmbar sind, erreicht Children of Men eine unglaubliche Intensität.

 

Eine besonders aussergewöhnliche Szene ist, wenn Theo mit einer kleinen Gruppe im Auto fährt und die Kamera mit ihnen im Wagen sitzt. Plötzlich rollt ein brennendes Fahrzeug aus dem Wald und versperrt die Straße. Rebellen laufen aus dem Wald und ein Motorradfahrer nimmt die Verfolgung auf. Während dessen versuchen die Protagonisten dem wütenden Mob, rückwärtsfahrend zu entkommen. Der Motoradfahrer schießt auf sie und tötet einen der Gruppe. Theo bringt ihn zu Fall indem er die Tür auftritt. Während dessen ziehen sich ganz langsam, Risse entlang der Windschutzscheibe, bis die schließlich herausfällt. Als sie den Mob abgehängt haben fahren sie auf der Straße weiter und werden von zwei Polizisten angehalten, die sie dann erschiessen. Hier nutzt die Kamera die Gelgenheit und schwebt aus dem Wagen um auf den toten Polizisten zu ruhen. Die ganze Szene läuft fast 10 Minuten ohne Schnitt und erreicht deshalb einen paranoiden Zustand, bei dem sich der Zuseher sehr mit den Protagonisten verbunden fühlt.

 

Auch die Darsteller können ihre schwierigen Rollen mit bravour meistern. Der Höhepunkt ist hier klar Clive Owen, der es schafft mit seinem verzweifelten Schauspiel die Empfindungen der gesamten Welt einzufangen. Er hat die Hoffnung längst aufgegeben, doch als sich die Möglichkeit bietet kämpft er um die Menschheit. Neben ihn läuft Michael Caine, in einer für ihn sehr ungewöhnlichen Rolle, zur Hochform auf. Er spielt einen alten Hippie, der mit seiner Frau im Wald lebt und sich mit Marihuana und Musik die Zeit vertreibt.

 

Children of Men ist ein Film der sehr viel richtig macht, sich aber dabei auch einen Fehler erlaubt: Denn warum es überhaupt zum Aussetzen der Geburten kam, bleibt im verborgenen. Es ist auch sehr unwahrscheinlich dass auf einen Schlag alle Menschen rund um den Globus unfruchtbar werden. Deshalb fällt es auch schwer den in Children of Men beschriebenen Zustand, aus unserer Gesellschaft abzuleiten. Deswegen ist Children of Men eine berauschende Achterbahnfahrt, die eine beeindruckende Endzeitvision, mit sehr dichter Atmosphäre kreiiert, aber durch den oben erläuterten Schwachpunkt auch einen Fehler hat, der zwar den Filmgenuss selbst nicht trübt, es aber sehr wohl ermöglicht, dass man seine Aussage in Frage stellt.

 

Fazit:

Children of Men ist ein unglaublich intesiver Endzeit-Thriller, der durch seine betörende Kameraarbeit, den guten Darstellern und seiner bedrückenden Zukunftsvision überzeugt, aber leider einen großen Schwachpunkt hat: Die dargestellte Zukunft wirkt etwas unplausibel und deshalb ist der gesamte Hintergrund des Films anfechtbar. Aber wenn man sich auf das Szenario einlässt, dann ist Children of Men ein sehr bedrückender und starker Film.

 

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
Community
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