Die Marquise von O

OT:  Die Marquise von O  -  102 Minuten -  Drama 
Die Marquise von O
Kinostart: 18.05.1976
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Die Marquise von O

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Mit L’Amour l’apres-midi sollte Eric Rohmer seinen gefeierten Filmzyklus Sechs Moralische Erzählungen 1972 abschließen. Das Prinzip der Filme stellte jeweils eine auf ihre Art und Weise verführerische Frau (sowohl äußerlich als auch intellektuell) und einen Mann, dessen Lebenseinstellungen durch das Auftreten dieser Frau ins Wanken geraten sollte, in den Vordergrund. In ausgeschmückten Dialogen wird über die Liebe geredet wie über die Kunst, die Philosophie, die Mathematik. Am Schluss eines jeden Films steht die Entscheidung des Mannes, ob und wie es nun in der Beziehung weiter gehen sollte und ob es vielleicht nicht doch besser wäre, bei der alten Freundin oder Frau zu Hause zu bleiben.

Nach Abschluss dieser Filme zieht es Rohmer erst mal in die Universität Paris-Nanterre, wo er einen Lehrauftrag für Filmregie erhält. Erst 1976 sollte sein nächster Film, Die Marquise von O., die Verfilmung der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist, erscheinen.

Es herrscht Krieg und ein russisches Regiment überfällt das Schloss des „Obristen“, des Vaters der Marquise von O., Julietta (Edith Clever), die verwitwet mit ihren beiden Kindern bei ihren Eltern lebt. Beim Fluchtversuch wird Julietta ohnmächtig und von einem russischen Offizier, einem Grafen (Bruno Ganz), gerettet. Doch dieser nutzt die Chance und vergewaltigt Julietta, ohne dass sie etwas davon mitbekommt. Am nächsten Morgen bedankt sich die Familie beim Grafen für die Rettung der Tochter, dieser zieht weiter und wird schon wenige Tage darauf für tot erklärt. Humbug, wie sich später herausstellt, denn der Graf kehrt zurück und will seinen Fehler wieder gut machen: Er bittet die mittlerweile schwangere Marquise um ihre Hand. Doch sie hat sich nach dem Tod ihres ersten Gatten entschlossen, nie wieder zu heiraten und will ihr Gelübde nicht brechen. Als die Eltern von der Schwangerschaft erfahren, verstößt sie der Vater und Julietta begibt sich verzweifelt auf die Suche nach dem Vater des Kindes…

Kleists Novelle erschien 1808 in der Literaturzeitschrift Phöbus und schmückt sich mit dem Untertitel „Nach einer wahren Begebenheit, deren Schauplatz von Norden nach dem Süden verlegt worden ist“. Obgleich man den Wahrheitsgehalt der Geschichte durchaus anzweifeln darf, so scheinen die Themen, die Kleist in seinem Text anspricht, wie geschaffen zu sein für einen „Moralisten“ wie Rohmer. Da wäre zum einen der Graf, der, von den Schrecken des Kriegs gezeichnet, Julietta vergewaltigt, seine Tat aber bereut und wieder gut machen will. Zum anderen sind das auch die strengen Eltern, die Julietta verstoßen, als sie erfahren, dass sie wieder schwanger ist. In der Adelsfamilie herrschen raue Sitten und man muss sich den Anforderungen der gehobenen Gesellschaft fügen, um bestehen zu können.

Rohmer inszeniert all dies mit unbedingter Treue zum Text – man könnte stellenweise meinen, der Film sei von den Straubs. Trotz der kargen Inszenierung und der seltsam anmutenden Intonation gibt es dann doch wieder diese Leichtfüßigkeit, in der die Handlung immer weiter voranschwebt. Einem Kammerspiel gleich, weil 80 % der Aufnahmen in ein und demselben Haus stattfinden (was aber wohl eher auf die extrem kostensparende Produktion zurück zu führen ist), in dem selbst die ernst zu nehmende Dramatik des Themas im Abschlusssatz einem lächelnden Augenzwinkern weicht. In einer Nebenrolle ist übrigens „Bullen-Mama“ Ruth Drexel als Hebamme zu sehen! Die Marquise von O. – ein „typischer“ Eric Rohmer Film – vermutlich deshalb, weil er so untypisch wirkt.

ZUR DVD:
Das Label Pierrot Le Fou veröffentlicht den Film im Originalbildformat (Vollbild) sowie in deutscher Sprache, in der der Film auch gedreht wurde. Bild- und Tonqualität sind für ihr Alter recht gut geworden. Als Bonus gibt es diesmal nur den Kinotrailer.

Fazit:

Mit Die Marquise von O. läutet Eric Rohmer eine recht kurze Schaffensperiode ein, in der er sich mit klassischer Literatur auseinandersetzt: Es folgten die Filme Perceval le Gallois (1978) nach Chrétien de Troyes sowie erneut Heinrich von Kleist, Käthchen von Heilbronn (1979). Für Freunde werkgetreuer Literaturverfilmungen sowie des Regisseurs ist auch dieser Film mehr als einen Blick wert. Einsteiger sind mit Rohmers „Standardfilmen“ besser bedient.

Wertung:
7/10 Punkte

Die DVD gibt es hier zu kaufen!

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