Death Proof - Todsicher

OT: -  113 Minuten -  Horror
Death Proof - Todsicher
Kinostart: 19.07.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Death Proof - Todsicher

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Es war ein überaus ambitioniertes Projekt, das sich die beiden Filmemacher Quentin Tarantino und Robert Rodriguez mit ihrem neusten Film Grindhouse überlegt hatten. Ein Doublefeature im Stile der schmudeligen Grindhouse Kinos, bei dem jeder der beiden je einen Film beisteuert, hätte es werden sollen. Zwischen den beiden Hauptfilmen von Tarantino und Rodriguez sollten Fake-Trailer von Regisseuren wie Rob Zombie und Eli Roth gezeigt werden. Das Grundkonzept war einfach: Wie jeder weiß ist speziell Quentin Tarantino ein gigantischer Filmgeek und begeisternder Anhänger von B-Movies. So sollte ihr Film die perfekte Hommage an das Exploitation- und Schundkino werden. Ultrabrutal, dreckig und anders.

Doch die Rechnung ging nicht auf. Grindhouse floppte am amerikanischen Boxoffice und wurde der erste finanzielle Fehlschlag von Tarantino. Der Verleih zog die Notbremse. Da in Europe Grindhousevorstellungen ohnehin nicht üblich sind, hat man die beiden Segmente aufgeteilt und wird Planet Terror und Death Proof getrennt in unsere Kinos bringen. Gleichzeitig wurden beide Filme etwas aufgebläht um nicht zu kurz zu sein. Die Legenden und Gerüchte aus Amerika haben sich trotzdem bis zu uns durchgeschlagen: Angeblich haben viele Amerikaner das Kino vorzeitig verlassen, da sie gar nicht wussten, dass sie gerade eine Doppelvorstellung besuchen und sind schon nach Robert Rodriguez`Part Planet Terror nach Hause gegangen.

Ob dies wirklich stimmt oder nicht, sei dahin gestellt, aber eine Frage ist an dieser Stelle trotzdem erlaubt: In der Doppelvorstellung dauert der Film Grindhouse stolze 191 Minuten. Wie soll es irgendjemand schaffen den für sich genommen schon langatmigen und selbstherrlichen Death Proof durchzuhalten, wenn man zuvor schon einen Film gesehen hat? Denn dieser Film ist nicht nur der erste finanzielle Fehlschlag in Tarantinos Karriere, es ist auch sein erster künstlerischer, der beweist dass all seine Kritiker Recht haben. Denn nach dem Betrachten fällt es leider sehr deutlich auf, dass sich Tarantino nicht weiterentwickelt und dass er immer nur das macht was er am besten kann: Ideen abkupfern und viel reden. Und das sage ich als großer Bewunderer seiner bisherigen Arbeit.

Die drei heissen Freundinnen Jungle Julia (Sydney Tamiia Poitier),  Arlene (Vanessa Ferlito) und Shanna (Jordan Ladd) wollen ein feucht-fröhliches Wochenende in Austin, Texas verbringen und dort abfeiern. Gemeinsam ziehen sie um die Häuser und landen schließlich in einer Bar, in der auch eine höchst zwielichtige Gestalt namens Stuntman Mike (Kurt Russell) abhängt. Der Abend nimmt seinen Lauf, und während sich die Girls in der Bar amüsieren, freundet sich Mike mit der jungen Pam (Rose McGowan) an und bietet ihr an sie später nach Hause zu bringen. Als der Abend dem Ende zugeht, zeigt Mike jedoch sein wahres Gesicht: Er ist ein Serienkiller, der seine Opfer mit seinem speziellen Wagen tötet...

14 Monate später hat Mike sein Territorium gewechselt. Diesesmal sucht er in Lebanon, Tennessee seine Beute und es scheint als hätte er wieder Opfer gefunden die genau seinem Typ entsprechen. Die vier Freundinnen Kim (Tracie Toms), Zoe (Zoe Bell), Abernathy (Rosario Dawson) und Lee (Mary Elizabeth Winstead) vertreiben sich die Zeit in der kleinen Ortschaft und Zoe möchte sich unbedingt einen neuen Wagen kaufen. Während der Probefahrt versucht Stuntman Mike einen Angriff auf die Frauen, doch es gibt etwas das er nicht weiß: Diese sind selbst Stuntgirls und drehen den Spieß um. Nun muss sich Mike um sein Leben fürchten...

Scheinbar haben die Kritiker und das Publikum Quentin Tarantino zu sehr auf Grund seiner ausgefallenen Dialoge gelobt. Denn in Death Proof konzentriert er sich sehr auffällig auf seine frühere Stärke, erreicht damit einen Overkill und führt seine ehemalige Stärke ad absurdum. Denn es war gerade das Besondere an seinen Dialogen, dass sie die Story ergänzten. Während die Figuren einer interessanten Geschichte nachgingen, redeten sie über Dinge die nichts damit zu tun hatten. So zeigte er uns in Pulp Fiction, dass Gangster nicht nur über Verbrechen reden, sondern ebenso wie alle anderen Small Talk führen, und über mehr oder weniger Blödsinn sprechen.

In Reservoir Dogs ging er wieder einen etwas anderen Weg. Während sich seine Figuren so gut wie nie aus einer Lagerhalle fortbewegen, wird das Publikum mit Hilfe der Dialoge über die Geschichte aufgeklärt. Gleichzeitig legte er hier den ersten Schritt in Richtung Pulp Fiction, in dem er seine Figuren über alles mögliche quatschen ließ. Auch in Jackie Brown und Kill Bill schaffte er es vortrefflich seine Dialoge geschickt in den Film zu integrieren. Dabei haben all diese Filme eines gemeinsam: Die Dialoge ergänzen den Plot und vor allem sind sie obwohl sie "belanglos" sind doch witzig und interessant. Wer erinnert sich nicht gerne an die Diskussion zwischen Vincent und Jules über das metrische System? Oder die eigenwillige Theorie über Madonnas "Like a Virgin"?

In Death Proof scheint Tarantino jedoch etwas größenwahnsinnig geworden zu sein. Die Dialoge ergänzen die Geschichte nicht mehr länger, sie sind eigentlich alles um was sich der Film dreht. Als Location wird eine Bar, oder ein Auto gewählt und die Gespräche werden der zentrale Bestandteil des Films. Das große Problem dabei ist jedoch nur, dass diese Gespräche absolut uninteressant sind. Die Figuren sprechen nicht über witzige und unterhaltsame Dinge, sondern nur über wirklich alltäglichen Bullshit. Es werden keine Gespräche serviert, die sich von den Unterhaltungen die man jeden Tag in der realen Welt hört maßgeblich abheben. Muss man also wirklich Geld für etwas bezahlen was man jeden Tag gratis bekommt?

Weiters stellt sich die Frage was Death Proof überhaupt sein will. Wollte Tarantino mit aller Gewalt ein B-Movie machen? Dann ist ihm dies sicher gelungen, auch wenn es nicht an den fast schon zwanghaft eingefügten Bild- und Tonfehlern liegt, die mehr lächerlich als kreativ sind. Was soll man allerdings davon halten wenn eine Filmfirma einen Haufen Geld in einen Film steckt, nur um ihn billig wirken zu lassen? Macht es nicht gerade den Charme eines B-Movies aus, dass nicht mehr Mittel verfügbar waren und der Film deswegen etwas trashig wirkt? So ganz durchschaubar ist diese Vorgehensweise nicht.

Ein weiteres Problem bei Death Proof ist dass nicht nur der Grindhouse Film zweigeteilt scheint, sondern auch das Segment Death Proof eine sehr aufgebrochende filmische Struktur hat. Der erste Abschnitt in Texas, der zum Großteil in einer Bar spielt, hat bei den Dialogszenen dabei allerdings die weitaus bessere Atmosphäre. Das Problem hierbei ist jetzt folgendes: Auch der erste Abschnitt leidet darunter, dass die Dialoge nicht besonders ausgefallen sind. Jedoch retten einige gute Einfälle und die gelungene Atmosphäre hier den Film noch. Dann bekommt Death Proof langsam echt Fahrt und als sich die erste Actionszene mit Kurt Russel abzeichnet steigt die Stimmung bereits und man glaubt der Film hat seinen Tiefpunkt überwunden.

Doch gerade als man glaubt es geht endlich los, kommt die Ernüchterung: Szenenwechsel nach Tennessee und der Film beginnt im wesentlichen von vorne. Wieder gibt es einschläfernde Dialoge, doch jetzt fällt das gelungene Barambiente weg. Death Proof beginnt sich selbst zu zitieren und speziell in dieser Übergangsphase wird der Film wirklich langweilig. Es scheint eine Ewigkeit zu dauern bis man endlich zur groß angelegten Verfolgungsjagd kommt. Zwar ist es ziemlich schwach wie Tarantino Zoe Bell auf die Motorhaube lockt um Spannung zu erzeugen, aber das ist dem Zuseher an dieser Stelle wirklich egal. Man ist nur froh dass sich Death Proof aus seiner Lethargie gerissen hat und endlich Gas gibt.

Die Verfolgungsjagd selbst ist dann als gelungen zu bezeichnen. Wie hier Jäger und Gejagte die Seiten tauschen und Tarantino beginnt seinen Serienkiller zu demaskieren hat etwas und der Film macht an dieser Stelle auch wirklich Spaß. Vollkommen aus der Patsche kann diese Sequenz Tarantino aber nicht helfen. Denn obwohl ich ein großer Anhänger seiner bisherigen Werke bin und Pulp Fiction immer noch einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist, muss ich hier den Kritikern von ihm Recht geben: Dieser Mann ist absolut selbstverliebt und er entwickelt sich überhaupt nicht weiter.

Dass Tarantino ein absoluter Filmgeek ist und scheinbar jeden Film zu kennen scheint wissen wir bereits. Das braucht er uns nicht mit jedem Film aufs Neue beweisen. So sind die diversen Zitate und Anspielungen an die Filmgeschichte zwar schön und gut, aber erstens kennen wird das mittlerweile zur Genüge und es wäre zur Abwechslung einmal schön wenn sich Tarantino diese Refernezen sparen könnte, und zweitens wirken diese Zitate in Death Proof beinahe als reiner Selbstzweck. Sie brüllen einen schon fast entgegen für wie gut sich Tarantino selbst hält. Er zitiert munter drauf los nur um zu zeigen was er nicht alles weiß. Ausserdem beginnt er auch schon damit sich selbst zu zitieren. An einer Stelle taucht ein Kill Bill Klingelton auf und an einer anderen wird über Schauspieler aus seinen Filmen gesprochen. Das hat er nun wirklich nicht nötig.

Fazit:
Death Proof gibt sich aufgeblasen, überheblich und selbstverliebt. Gleichzeitig ist er an vielen Stellen sehr langatmig und zäh. Das einzige was den Film rettet sind einige gelungene Einfälle von Tarantino, die im ersten Teil gut aufgebaute Atmosphäre und die Verfolgungsjagd am Ende. Dazwischen wird dem Zuseher allerdings viel zu viel Müll geboten um den Film als wirklich gut bezeichnen zu können. Die sechs Punkte die der Film bekommt sind wirklich nur haarscharf mit einem dicken Tarantino und Kurt Russel Bonus zu vertreten. Je objektiver meine Betrachtung wird umso eher tendiere ich zu fünf Punkten, jedoch hat mir Death Proof für diese Wertung persönlich doch zu viel geboten. Dennoch sollte sich Tarantino so schnell wie möglich weiterentwickeln. Es bringt nämlich keinen etwas wenn er 10 mal den selben Film dreht und dabei nicht besser sondern sogar schwächer wird.

Wertung:
(Sehr schwache) 6/10 Punkte















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Ø Wertung: 6.8/10 | Kritiken: 4 | Wertungen: 47
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pointred
Liste von bigdarwin
Erstellt: 20.05.2015