Planet Terror

OT: -  102 Minuten -  Horror
Planet Terror
Kinostart: 05.10.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Planet Terror

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Es war ein durchaus ambitioniertes Projekt, das sich Robert Rodriguez und Quentin Tarantino, als Freunde in gleicher Gesinnung, da ausgedacht hatten. Jeder der beiden sollte einen bewusst trashigen und heruntergekommenen Film drehen, die dann beide gemeinsam unter dem Titel Grindhouse, separiert durch eigens gedrehte Fake Trailer, in die amerikanischen Kinos kommen sollten. Gedacht als Reminiszenz an das Schmuddelkino der 70er Jahre voller Sex, Coolness und Gewalt ereilte den Film das selbe Schicksal wie seine Vorbildern: Er wurde ein kommerzieller Flop.

Deshalb und weil das Grindhouse Konzept bei uns ohnehin nicht sonderlich bekannt ist, hat man sich dazu entschlossen. die beiden Filme getrennt voneinander ins Kino zu bringen. Quentin Tarantinos Arbeit Death Proof - Todsicher startete bei uns ja bereits, und demnächst wird auch Robert Rodriguez' Part Planet Terror unsere Lichtspielhäuser unsicher machen. Ich persönlich muss zugeben dass ich mit Death Proof nicht sonderlich viel anfangen konnte. Zwar gab es einige durchaus gelungenen Szenen, aber in seiner Gesamtheit sorgten die unzähligen uninteressanten Dialoge, zumindest bei mir, für Langeweile. Im Prinzip serviert uns Planet Terror nun die genau gegensätzliche Ausgangslage: Bombastische Action und dafür Dialoge, die nur auf einige wenige markige Oneliner zurückgeschraubt wurden.

Die Story von Planet Terror hält sich dabei wohltuend zurück und fügt sich in das selbe Muster wie seine Vorbilder: Ein mysteriöser Virus wird freigesetzt und verwandelt alle, die dieses Gas einatmen, in deformierte Zombies. Diese machen sich nun auf die Jagd, um ihren Hunger an Menschenfleisch zu stillen. Jedes lebende Wesen, das ihnen über den Weg läuft, wird auf bestialische Weise zerfetzt und gefressen. Außerdem wird bei jedem, der von einem dieser Sickos angegriffen wurde, aber nicht gestorben ist, ebenfalls der Verwandlungsprozess in einen Zombie ausgelöst.

Pech für das Ärzteehepaar William (Josh Brolin) und Dakota Block (Marley Shelton), das nicht nur einen schlimmen Streit miteinander hat, sondern auch im örtlichen Krankenhaus die Nachtschicht schiebt und nun mit unzähligen dieser Sickos vor ihrer Verwandlung konfrontiert wird. Die besondere Situation in der Kleinstadt führt auch Wray (Freddy Rodriguez) wieder mit seiner Ex-Freundin Cherry (Rose McGowan) zusammen. Schließlich kommt es soweit und die Lage eskaliert. Unzählige schräge Figuren die noch am Leben sind, rotten sich zusammen und treten den Kampf an...

Robert Rodriguez hat schon oft genug bewiesen, dass er ein talentierter Regisseur ist. Bereits sein Debütfilm El Mariachi, den er unter äußerst primitiven Bedingungen, mit einem Budget von gerade einmal 7000 Dollar und einer 16mm Kamera verwirklichte, ließ sein Talent durchblitzen. Das Projekt öffnete ihm die Türen nach Hollywood, und das Quasi-Remake zu El Mariachi, das diesesmal natürlich mit weitaus größerem Budget, Antonio Banderas in der Hauptrolle und dem Titel Desperado für Furore sorgte, bestätigte seinen Status. Weiter ging es mit dem Kultfilm From Dusk Till Dawn, und schließlich folgte der, zumindest künstlerische, Rückschlag mit seiner Spy-Kids-Trilogie. Sein Comeback folgte dann 2005 mit dem brillanten Sin City.

Robert Rodriguez hat also in seiner Karriere schon einen vielseitigen Einblick in das Filmbusiness erhalten und besonders durch seine unzähligen Arbeiten an seinen Sets einiges an Erfahrung gesammelt. Egal ob Regie, Drehbuch, Schnitt oder Musik, Rodriguez kümmert sich um alles, und so ist es auch kein Wunder, dass der Allrounder auch bei seinem neusten Streich Planet Terror nicht nur die Regie übernommen hat, sondern auch das Drehbuch geschrieben hat, die Kamera führte und sogar die Musik (brillant!) komponierte. Passend zum Film eröffnet Planet Terror auch nicht mit dem klassischen Schriftzug "written and directed by..." sondern mit dem für diesen Film weitaus passenderen "directed and written by Robert Rodriguez", der die umgekehrten Vorzeichen des Films von Anfang an offenlegt.

Denn sagt man normalerweise, dass das Wichtigste an einem Film ein gutes Drehbuch ist, so stellt Planet Terror gleich zu Beginn klar, dass das Drehbuch hier nur die zweite Geige spielt. Planet Terror ist ein reiner Regiefilm, bei dem Robert Rodriguez dem Zombiefilm seine durchaus gelungene Aufwartung bereitet. Inhaltliche Qualitäten gibt es in Planet Terror nicht. Der einzige Anspruch, den sich dieser Film stellt, ist es, den Genrefan zu unterhalten. Und diesen Anspruch erfüllt Planet Terror auch mit Bravour. Der Film legt von Anfang an ein angezogenes Tempo vor und serviert eine trashige Actionladung, wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hat.

Rodriguez hat sich wirklich einiges einfallen lassen, um sein Publikum zu unterhalten. Reine Mainstreamkinogänger werden allerdings keinen Spaß am Film haben, da sich Planet Terror sehr schnell als Fun-Splatter outet und nicht jeder wird sein Glück mit diesem Genre finden. Dawn of the Dead gekreuzt mit Braindead trifft es wohl noch am besten, wenn man versucht, Planet Terror zu beschreiben. Da werden fröhlich Körperteile abgerissen, Gedärme gefressen und riesige eitrige Pickel ausgedrückt. Bedrückend und intensiv ist Planet Terror dabei allerdings zu keiner Zeit. Der Film soll einfach nur Spaß machen und mit schwarzem Humor an die goldenen 70er erinnern.

Auch die zeitliche Ebene wird von Rodriguez herrlich verschwommenen gezeichnet. Oberflächlich sieht der Film wie aus den 70ern aus, voller skurriler Typen und mit heruntergekommenem Ambiente. Dies steht jedoch im Kontrast zur offensichtlich modernen Ausrüstung des Militärs, den Handys und modernen PDAs. Planet Terror versucht das moderne Kino mit dem Schmuddelkino von damals zu kombinieren und schafft dies auch überraschend gut. Doch entgegen den gewöhnlichen Trashfilmen kann Planet Terror auch mit einer versierten technischen Umsetzung punkten, was ein etwas anderes Filmerlebnis bietet.

Doch mit einem kann ich mich immer noch nicht vollständig anfreunden. Genau wie Quentin Tarantino in Death Proof versucht auch Robert Rodriguez, seinen Film bewusst billig wirken zu lassen. Doch im Gegensatz zu Tarantino zieht Rodriguez dies wenigstens konsequent durch. Kratzer und Streifen zieren den Filmstreifen, und auch einige Brandlöcher wurden eingefügt. In einer Szene färbt sich das Bild auch kurzzeitig rot ein, um die Abnutzungserscheinungen noch zu verstärken. Amüsant auch, als gerade während der Sexszene zwischen Wray und Cherry vorgetäuscht wird, eine Filmrolle würde fehlen. Dennoch wirkt dies alles etwas zu gekünstelt, um wirklich zu überzeugen. Zumindest aus meiner Sicht.

Doch so spaßig und trashig Planet Terror auch ist, ein Meisterwerk ist es sicher nicht geworden. Der Grund dafür ist wohl, dass sich Planet Terror, obwohl der Film viel Spaß macht,  nicht maßgeblich vom Schundkino der 70er Jahre distanzieren kann. Denn soviel Charme manche dieser Filme auch haben, sie bleiben eben auf relativ niedrigem Niveau und können nur durch ihren Trashgehalt unterhalten. Für einen guten Film ist dies leider zu wenig. Auch fällt es auf, dass Rodriguez nur einige wenige wirklich herausragende Ideen hatte, und vieles einfach nur ganz gut unterhält.

Genial sind sicher die Szenen, als Wray zum ersten Mal durch die Zombies metzelt oder Cherry mit dem Maschinengewehr als Bein. Natürlich auch ein Spaßgarant der Zweikampf zwischen dem Ehepaar Block, wobei Dakota schließlich mit kurzzeitig gelähmten Händen durch die Welt torkelt. Es macht auch Spaß, wenn sie schließlich ihrem Sohn eine Pistole gibt und ihn darum bittet, jeden zu erschießen, der sich ihm nähert. Als sich dieser erkundingt, was er tun soll, wenn es sein Vater ist, antwortet die Mutter nur trocken: "Besonders wenn es dein Vater ist!". Auch Freddy Rodriguez als Revolverheld Wray, der auf einem Mini-Motorad sitzend die Zombies killt, macht viel Spaß. Als kleines Rand-Highlight bleibt noch Bruce Willis als herrlich durchgeknallter Oberbösewicht Lt. Muldoon, der zwar etwas zu wenig Screen-Time bekommt, aber dennoch genial verrückt ist.

Die Fake-Trailer, die zwischen den beiden Grindhouse-Teilen Death Proof und Planet Terror in Amerika zu sehen waren, haben es zwar nicht zu uns ins Kino geschafft, allerdings wird dem Publikum vor Planet Terror ein kleiner Einblick in diese geniale Idee gewährt. Vor dem eigentlichen Film bekommen wir den von Robert Rodriguez gedrehten Fake-Trailer Machete zu Gesicht, der den kultigen Danny Trejo als Racheengel zeigt, der unbarmherzig seine Feinde niedermetzelt. Dies ist die beste Einstimmung, die man sich für diesen Film wünschen kann, und bereitet bereits die ersten Lacher.

Was soll man also abschließend über Planet Terror sagen? Der Film ist eine kurzweilige und genial trashige Actionschlacht, gepaart mit einigen herausragenden und vielen guten Ideen, die einfach Spaß macht. Man kann hier dem ganzen Team anmerken, wieviel Spaß die Dreharbeiten gemacht haben müssen, und nebenbei ist Planet Terror auch noch eine technisch ausgereifte Hommage an das Exploitation Kino und den Zombiefilm. Doch obwohl der Film mit einer ganz selbstverständlichen Coolness fortschreitet und sehr viel richtig macht, ist es kein Meisterwerk geworden. Der Grund dafür ist mit Sicherheit, dass ich auch seine Vorbilder nicht als Meisterwerke des Kinos ansehe und dass sich Planet Terror auch nicht maßgeblich vom Schundkino fortbewegt. Doch andererseits verdankt der Film gerade diesem Umstand viel von seinem Charme.

Fazit:
Planet Terror ist mit Sicherheit eine äußerst rasante und spaßige Achterbahnfahrt, die mich wesentlich besser als sein Gegenstück Death Proof unterhalten hat. Der Film bleibt seinen Vorbildern treu und schafft es, obwohl er technisch wesentlich ausgereifter als sie ist, einen ähnlichen trashigen Charme zu übermitteln. Ein Meisterwerk ist Planet Terror allerdings dennoch nicht geworden. Der Grund dafür ist, dass auch seine Vorbilder aus meiner Sicht keine Meisterwerke sind. Unterhaltsames Schundkino, das zugegeben richtig Spaß macht, ist dennoch dabei rausgekommen.

Wertung:
7/10 Punkte

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