Rendezvous in Paris

OT:  Les Rendez-vous de Paris   -  95 Minuten -  Komödie/Drama 
Rendezvous in Paris
Kinostart: 25.07.1995
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Rendezvous in Paris

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Filmische Liebeserklärungen an die französische Hauptstadt werden wohl nie aus der Mode kommen. Ob nun im aktuellen Paris von Cédric Klapisch oder im Episodenfilm Paris, je t’aime aus dem Jahr 2006 – der Stadt wird gehuldigt, wie kaum einer anderen.

Auch Eric Rohmer, seines Zeichens wesentlicher Mitbegründer der Nouvelle Vague und mit 88 Jahren einer der ältesten noch aktiven französischen Regisseure hat seiner großen Liebe Paris mehr als einmal filmische Denkmäler gesetzt: In einem seiner ersten Kurzfilme, La Boulangère de Monceau aus dem Jahr 1963, verfolgt er einen jungen Mann, der sich zwischen zwei Frauen entscheiden muss,  in L’Amour l’après-midi (1972) wird ein glücklich verheirateter Mann von einer alten Freundin verführt und schließlich auch in der heiteren Beziehungskiste L’Ami de mon amie von 1987 (und noch ein paar mehr).

Wie in den meisten seiner Werke wird auch in Rendezvous in Paris recht deutlich, wofür Eric Rohmer steht: Es sind die recht kunstvoll und doch so alltäglichen Konversationen zwischen Mann und Frau, Beobachtungen – wie es scheint, weil von den Darstellern so ausgearbeitet und verinnerlicht, dass man ihnen jede Sekunde glaubt, was sie sagen. Gesprochen wird hauptsächlich über Liebe und Kunst – am besten noch in Verbindung zueinander. Wer sich mit diesem Fokus auf den Dialog nicht anfreunden kann, für den ist Eric Rohmers Werk pauschal gesagt nicht geeignet.

Rendezvous in Paris besteht aus drei inhaltlich nicht weiter miteinander verbundenen Episoden: In der ersten Episode, Rendezvous um 7 Uhr, trifft eine junge Studentin, die von ihrem Freund betrogen wird, auf einen unbekannten jungen Mann, mit dem sie sich verabredet, um ihren Freund eifersüchtig zu machen. Doch – ganz typisch für Rohmer – hat das Schicksal noch eine weitere Überraschung parat. Die Bänke von Paris erzählt die Geschichte zweier Verliebter, die sich immer an recht ungewöhnlichen Orten treffen um Zeit miteinander zu verbringen. Sie steckt noch mitten in einer unglücklichen Beziehung, er schafft es trotzdem nicht, sie zu überzeugen, diese zu beenden. Wird es ein Happy End geben? Und schließlich Mutter und Kind, 1907 – ein rastloser Maler verliebt sich in eine mysteriöse Unbekannte, doch kann er mit ihr nur kurze Zeit verbringen. Das titelstiftende Bild von Picasso spielt dabei nicht nur eine große Rolle, sondern vermittelt auch wunderbar die Symbiose zwischen den bereits erwähnten Leitmotiven Kunst und Liebe.

Derer gibt es in Rendezvous in Paris noch zuhauf – seien es die Statuen in den Parks oder auch einfach nur die Architektur in den Straßen. Rohmer weiß sie perfekt einzuweben und somit seine Bilder mit unaufdringlicher Symbolik auszustatten. Bemerkenswert sind auch die recht langen Kamerafahrten und Einstellungen, die die Pärchen auf ihren Wegen durch die oftmals verwinkelten Straßen und Seitengassen der Stadt verfolgen. Besonders in der dritten Episode gibt es eine recht komplizierte Einstellung, in der die Protagonisten ständig die Straßenseiten wechseln. Interessant ist auch hier wieder der Einzug den die Kunst gerade in dieser Szene hält: Diskutierte man doch gerade noch in der Szene zuvor über Picassos Dilemma, Profil und Gesicht nie gleichzeitig malen zu können, so überwindet die Filmkamera ebendieses.

ZUR DVD:
Das deutsche Label Pierrot Le Fou veröffentlicht Rendezvous in Paris in ansprechender Bild- und Tonqualität (Vollbild und Stereoton in deutscher und französischer Sprache – deutsche Untertitel sind zuschaltbar). In beiden Disziplinen sind keine großen technischen Wunder zu erwarten, dennoch gibt es keine wirklichen Negativpunkte. Als Extra gibt es einen 16-minütigen Auszug aus dem Interviewfilm Eric Rohmer spricht über seine Filme, sowie den Originalkinotrailer.

Fazit:

Ganz böse Zungen behaupten, Eric Rohmer sei ein Quasselfilmer. Wer sich mit dieser ganz besonderen Form des Erzählens nicht anfreunden kann oder will, sieht diese These auch in Rendezvous in Paris bestätigt. Wer sich aber an kunstvoll geschliffenem Dialog zwischen Mann und Frau delektiert, für den ist auch dieser Film wieder das reinste Vergnügen.

Wertung:
8/10 Punkte


Die DVD gibt es hier zu kaufen!

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