La Vie En Rose

OT: -  140 Minuten -  Drama
La Vie En Rose
Kinostart: 22.02.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu La Vie En Rose

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Künstlerbiographien haben einen relativ sichern Stand im Filmbusiness. Zuletzt waren es besonders die Musikerbiographien die sowohl bei Kritik, als auch beim Publikum gut ankamen und auch den einen oder anderen Award gewonnen haben. So hat zuerst Jamie Foxx den Oscar als Bester Hauptdarsteller für seine Rolle in Ray bekommen und im folgenden Jahr wurde Joaquin Phoenix für seine Darstellung von Johnny Cash in Walk the Line, in der selben Kategorie nominiert. Doch künstlerisch wirkte das Genre etwas eingefroren und so ähnelten sich Ray und Walk the Line vom Aufbau her bereits sehr stark. La Vie En Rose geht hier einen etwas anderen Weg. Zum Einen ist die französische Sängerin Edith Piaf bei weitem nicht so berühmt wie ihre Kollegen Ray Charles und Johnny Cash und zum Anderen wagt sich der Film auch an einen etwas anderen Aufbau mit stärkerem künstlerischen Touch heran.

 

Edith Giovanna Gassion (Marion Cotillard) wurde als Kind von ihrer Mutter verlassen und auch der Vater schob sie, nachdem er aus dem Krieg heimkehrte, zu seiner Mutter ab, die ein Bordell in Paris besitzt. Doch nach fünf Jahren unter der Obhut der Prostituierten holt sie ihr Vater wieder ab und nimmt sie mit. Nachdem sie sich zuerst beim Zirkus durchschlagen, verlassen sie diesen schon bald und versuchen auf eigenen Beinen zu stehen. Während der Vater die Passanten mit seinen akrobatischen Fähigkeiten überzeugen will, setzt die junge Edith auf ihre Stimmqualitäten und entdeckt ihr wahres Talent.

 

Als Jugendliche hat sie sich bereits von ihrem Vater getrennt und versucht sich auf der Straße mit ihrem Gesang über Wasser zu halten. Dort wird sie auch von ihrem ersten Förderer, dem Clubbesitzer Louis Leplée (Gérad Depardieu), entdeckt und bekommt die Möglichkeit in dessen Club aufzutreten. Von ihm erhält sie auch ihren Künstlernamen Môme Piaf, der sich später in Edith Pilaf ändern soll. Dennoch hat das aufstrebende Talent nicht viel Freude in ihrem Leben. Ihre Tochter stirbt an Gehirnhautentzündung und ihre große Liebe, der Boxweltmeister Marcel Cerdan (Jean-Pierre Martins), stirbt bei einem Flugzeugabsturz. Bei Edith selbst wird bereits im Alter von 35 Jahren Krebs festgestellt und sie kann ihre Auftritte nur mehr mit Hilfe von Morphium durchstehen...

 

Diese kurze Inhaltsangabe sollte bereits jedem in Erinnerung rufen, dass es sich bei La Vie En Rose nicht um ein schillerndes Starportrait handelt, sondern um eine dramatischen Geschichte voller Emotionen und Abgründe. Der Film ist wirklich sehr ergreifend und schafft es sich erfrischend aus dem Pool an Biographien hervorzuheben. La Vie En Rose richtet sich nicht besonders am Massenmarkt aus und ist deshalb ein Film der angenehm anders ist. Er legt viel mehr Wert auf seinen künstlerischen Aufbau, als auf die Unterhaltung des Zusehers. Doch leider macht sich dies durch die Laufzeit von 150 Minuten auch sehr negativ bemerkbar und es schleichen sich einige Längen ein.

 

Der Aufbau von La Vie En Rose präsentiert sich vor allem durch sein geschicktes Springen zwischen den Zeitebenen. Doch anders als bei vielen anderen Filmen in letzter Zeit, bei denen sich das Hin- und Herspringen negativ auswirkte und oftmals reiner Selbstzweck war, passt es hier wunderbar in das Filmkonzept. Durch die schnellen Epochenwechsel ergibt sich ein, aus künstlerischer Sicht, interessanter traumartiger Zustand und der Zuseher schwebt mit Edith Piaf durch ihre Welt. Auf Nebenfiguren wird nur marginal eingeganen und somit verstärkt sich dieser Schwebezustand noch, obwohl man sich allerdings öfters weiterführende Informationen wünschen würde.

 

La Vie En Rose unterscheidet sich auch vor allem dadurch von den beiden großen Konkurrenten Ray und Walk the Line, da der Film beim Zeichnen seiner Hauptfigur nicht immer nur an die emotionale Bindung des Zusehers mit seiner Protagonistin denkt, sondern auch viele Szenen zeigt, die Edith Piaf unsympathisch wirken lassen. So wirkt sie teilweise sehr größenwahnsinnig und man kann ihre herablassende Art wirklich nicht verstehen. Durch diese Charakterzeichnung unterstützt der Film zwar seinen künstlerischen Standpunkt, kann aber dadurch den Zuseher nicht so für seine Hauptfigur begeistern wie die Konkurenz. Die Musikauswahl ist hingegen sehr gut gelungen. „La vie en rose“, „Milord“, „Hymn to Love“ und „Non, je ne regrette rien“ sind zwar nicht allseits bekannt, überzeugen allerdings im Kontext des Films voll und ganz.

 

Auch aus filmtechnischer Sicht gibt es einige interessanten Spielereien, die La Vie En Rose auf künstlerischer Ebene unterstützen. So wird zum Beispiel in einer Szene, der Tod von Ediths Geliebtem so verarbeitet, dass sie zuerst weint, sich dann zu drehen beginnt, und am Ende durch eine Tür in eines ihrer Konzerte stolpert. Diese Auflösung repräsentiert auf elegante Weise die Abhängigkeit Ediths von ihrer Musik und verdeutlicht wie sie in ihre einzige Ablenkungsmöglichkeit flüchtet um dieses tragische Ereignis verarbeitet. Später, als sie zunehmend vom Krebs zerstört wird, droht sie innerlich zu zerbrechen und als sie nicht einmal mehr in ihre Musik flüchten kann, scheint sie vollkommen zu verenden.

 

Getragen wird der Film durch eine großartig aufspielende Marion Cotillard, die ihr ganzes Herzblut in diese Rolle steckt und wirklich großes bewirkt. Untersützt wird sie von einer perfekten Maske, die sie in jedem Zustand ihres Lebens glaubhaft wirken lässt und sie vom Beginn ihres Lebens, bis hin zu ihrem tiefen Absturz überzeugen lässt. Auch an den Nebendarstellern kann man nichts bemängeln, sie spielen sich allerdings auch nicht besonders in den Vordergrund. Wie oben bereits erwähnt wird auf die Nebenfiguren nicht besonders eingegangen und somit haben sie auch gar nicht die Möglichkeit derart aufzuspielen wie die Hauptdarstellerin.

 

Trotz einer interessanten Erzählstruktur, großartigen Darstellern und einer emotionalen Geschichte, ist La Vie En Rose sicher nicht für alle zu empfehlen. Vordergründlich werden Freunde von künstlerischen Filmen angesprochen, die auch nicht vor einem etwas ruhigeren Film zurückschrecken. Mainstream Kinogänger sollte allerdings die Finger von diesem Film lassen und sich eine Alternative suchen.

 

Fazit:

La Vie En Rose ist eine durchwegs gelungene Biographie, für ein Publikum das einen etwas ruhigeren Film nicht scheut. Leider ist er an manchen Stellen etwas langatmig geworden und der Zugang zur Hauptfigur erweist sich oft als etwas problematisch. Dennoch wird jeder der sich auf den Film einlässt eine sehr interessante Künstlerbiographie mit schöner Musik und tollen Darstellern zu sehen bekommen, die einfach erfrischend anders ist.

 

Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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