Die Hollywood-Verschwörung

OT: -  126 Minuten -  Noir / Thriller
Die Hollywood-Verschwörung
Kinostart: 15.02.2007
DVD-Start: 22.09.2011 - Blu-ray-Start: 22.09.2011
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Filmkritik zu Die Hollywood-Verschwörung

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Der Film-Noir ist ein sehr interessantes Kapitel in der Filmgeschichte. Kritiker lieben ihn, aber an den Kassen können die düsteren Detektivgeschichten, die meist von Antihelden getragen werden, nicht wirklich überzeugen. Dennoch entstehen immer wieder großartige Produktionen, die das Herz eines Cineasten höher schlagen lassen. Im Falle von Hollywoodland, so der Originaltitel, der diesem wirklich herausragenden Film etwas gerechter wird als das deutsche Gegenstück Die Hollywood-Verschwörung, trifft ein wirklich ausgeklügeltes Drehbuch auf einen eher mittelmäßigen Regisseur. Dass der Film dennoch als sehr gelungen in Erinnerung bleibt ist vor allem den großartigen Darstellern zuzuschreiben. Überraschend ist allerdings das Ben Affleck den Rest, des durchwegs hochwertigen Casts, mühelos an die Wand spielt.

 

Im Jahr 1959 wird der mittelmäßig berühmte TV-Superman Darsteller George Reeves (Ben Affleck) tot in seinem Haus aufgefunden. Die Polizei ist davon überzeugt dass er sich selbst erschossen hat, doch seine Mutter (Lois Smith) will diesen Gerüchten nicht glauben. Sie ist davon überzeugt dass ihr Sohn erschossen wurde und deshalb engagiert sie den heruntergekommenen Privatdetektiv Louis Simo (Adrien Brody) um den Fall zu untersuchen. Dieser steigt zuerst nur ein um sich sein Gehalt etwas aufzubessern, doch je mehr er sich mit dem Fall beschäftigt, umso mehr denkt er das er einer Verschwörung auf der Spur ist...

 

Paralell dazu wird die Geschichte von George Reeves erzählt. Als er gerade dabei ist in Hollywood Fuß zu fassen, beginnt er eine Affäre mit Toni Mannix (Diane Lane), der Frau des MGM Boss Eddie Mannix (Bob Hoskins), der in Verdacht steht Kontakte zur Mafia zu unterhalten. Durch ihre Hilfe bekommt er die Rolle als TV-Superman und erlangt vor allem bei Familien und Kindern eine gewisse Berühmtheit. Doch dies soll für ihn keinenfalls der Start für eine erfolgreiche Karriere werden: In Zukunft wird er immer auf die Rolle des Strümpfe tragenden Clowns reduziert, der als Darsteller nicht ernstgenommen wird. Er wird zunehmend depressiver und alkoholabhängig...

 

Das wirklich besondere an Hollywoodland, und womit sich der Film auch deutlich von anderen Filmen des Film-Noir Genres abhebt, ist seine geschickte Vermischung aus Fakten und Fiktion. Der mysteriöse Tod von George Reeves ist eine Tatsache und die Geschichte des Privatdetektives, der den Fall aufklären will, ist zwar im Kern wahr, aber dessen gesamte Ermittlungsgeschichte und sein Privatleben entspringen der Fantasie des Autors. Auch beim Ende erweist sich Hollywoodland als diplomatisch. Im Todesfall von George Reeves gab es drei verschiedene, plausible Möglichkeiten, die allesamt im Film als Option gezeigt werden, aber keiner als Fakt, sodass sich der Zuseher selbst überlegen muss was für ihn am plausibelsten ist. Entweder wurde Reeves im Auftrag des MGM Bosses getötet, oder durch seine Freundin im Streit, oder es war wirklich ein Selbstmord. Alle drei Möglichkeiten werden plausibel dargestellt und bieten sich als Möglichkeit an.

 

Wie es für den Film-Noir typisch ist besitzt auch Hollywoodland eine Schar an interessanten Charakteren voller Abgründe, von denen man ausnahmslos jeden eine Verschwörung zutrauen würde. Die Geschichte selbst wird aus dem Blickwinkel des Privatdetektivs erzählt, der nach und nach die Fakten entdeckt. Nebenbei wird man noch in sein Privatleben eingeführt, das sich irgendwo zwischen gescheiterter Ehe, Freundin, Kind und Beruf hin und her bewegt. Doch der wahre Höhepunkt ist die Geschichte von George Reeves, die in Rückblenden erzählt wird und uns diese tragische Figur etwas näher bringt.

 

George Reeves wollte immer nur ein bedeutender Star sein, der in der Welt des Showbusiness geachtet wird. Doch je weiter sein Leben fortschreitet, umso weiter entfernt er sich von seinem Ziel. Er wird Star in einer billigen TV-Show, die ihn zwar berühmt macht, aber seine Karriere als Filmstar noch mehr bremst, da ihn niemand mehr ernst nimmt. Mit ihm geht es immer weiter bergab und das Mitgefühl des Zusehers ist stets auf der Seite dieser charmanten und vor allem tragischen Figur. Ben Affleck schafft es virtuos dieser Figur Leben einzuhauchen und mit seinem nuancierten Spiel beleuchtet er jede Facette die George Reeves im Laufe des Films offenbart.

 

Die mit Abstand stärkste Szene des Films, in der Ben Affleck sein ganzes Talent ausspielt, und die quasi so etwas wie die Seelenzusammenfassung von George Reeves ist, ist jene Szene, als Louis Simo das letzte aufgenommene Heimvideo von George Reeves, von dessen Agenten in die Hände bekommt. Zuvor wurde gezeigt wie sehr es mit seiner Karriere bergab geht und dass er mittlerweile soweit ist sogar bei Wrestlingveranstaltungen aufzutreten. Dazu muss er allerdings einen Beweis schicken dass er körperlich noch in der Verfassung ist diese Show durchzuhalten.

 

Also nimmt sich George Reeves selbst dabei auf wie er als Karatekämpfer verkleidet einige sportliche Übungen macht und so seine Fitness beweist. Dabei sieht man ihm von Minute zu Minute mehr an wie unwohl er sich in seinem Leben fühlt, und am Ende würde man ihm den Selbstmord sofort glauben. Hier in dieser kurzen Szene kann Ben Affleck den gesamten Charakter seiner Figur mühelos in einem kurzen Exposé zusammenfassen. Es ist schon beeindruckend wie es dieser oft unterschätzte Darsteller hier schafft selbst den an sich schon wirklich gut spielenden Oscarpreisträger Adrien Brody an die Wand zu spielen.

 

Doch obwohl Hollywoodland über großartige Darsteller und eine intelligenten Story verfügt, schafft er es nicht sich mit vergleichbaren Filmen wie Chinatown oder L.A. Confidential auf ein Niveau zu stellen. Dies liegt vor allem an der nur durchschnittlichen Leistung von Regisseur Allan Coulter, der bis jetzt nur in Fernsehserien Regie führte. Er schafft es nicht ein so dichtes Stimmungsbild wie die Konkurrenz zu erzeugen und die typische Film-Noir Atmosphäre will sich deshalb nicht so richtig einstellen. Nichtsdestotrotz ist Hollywoodland ein sehenswerter Film, der alleine wegen eines grandiosen Ben Affleck zu empfehlen ist. Doch auch abseits der Schauspieler sorgt die ausgeklügelte Story für eine gelungenen Film. Einem Kinobesuch steht eigenltich nichts im Weg!

 

Fazit:

Hollywoodland ist ein intelligenter Film-Noir, der geschickt Fakten und Fiktion vermischt und somit ein sehr interessantes Filmpuzzle der besonderen Art kreiert. Sowohl die Geschichte des Privatdetektivs, als auch die paralell erzählte Geschichte von George Reeves überzeugen sehr gut in ihrer Narration. Auch die Darsteller sind brillant und Ben Affleck spielt sie alle, in der besten Leistung seines Lebens, an die Wand. Dennoch leidet die Atmosphäre etwas an einer durchschnittlichen Regie, und deshalb ist Hollywoodland zwar auf jedenfall sehenswert, fällt aber im Vergleich zu Filmen wie L.A. Confidential etwas ab.

 

Wertung:

7,0/10 Punkte

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