Ex Drummer

OT:  Ex Drummer   -  90 Minuten -  Psycho / Drama
Ex Drummer
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Ex Drummer

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Es gibt sie (noch): Filme, die Fausthieben gleich auf die Magengruben ihrer Zuschauer eindonnern, unerlässlich und mit voller Wucht. Ken Mortiers EX DRUMMER ist einer dieser Filme. Dries ist ein erfolgreicher Schriftsteller, der eines Tages das Angebot bekommt, in einer Garagenband als Schlagzeuger mitzuwirken. Sie nennen sich die feminists, sind ansonsten aber alles andere als sauber: Der kahl geschorene Nazi Koen schlägt und vergewaltigt Frauen in seiner Wohnung, Jan ist schwul und Ivan ein halbtauber Choleriker. Dries einzige „Behinderung“: Er kann nicht Schlagzeugspielen.

Wer glaubt, mit EX DRUMMER die Erfolgsgeschichte einer belgischen Band, die es nach oben schafft, geliefert zu bekommen, der irrt und zwar gewaltig. Ken Mortiers Film ist viel mehr ein Sozialporno der fragwürdigsten Sorte: Sex, Drugs and Rock’n’roll inmitten von belgischen Plattenbauten, oder abgelegenen Einfamilienhäusern die ebenso verwahrlost sind, wie deren Bewohner. In diese Welt tritt Dries einem Außerirdischen gleich, er findet nie wirklich Zugang zu seinen Bandmitgliedern, sondern macht sogar relativ schnell klar, dass er ihr geborener Anführer ist. Der Schriftsteller und Berufszyniker scheint zunächst noch die einzige Identifikationsfigur für den ratlosen Zuschauer zu sein, doch schnell verflüchtigt sich auch dieser Eindruck.

EX DRUMMER basiert auf  dem gleichnamigen Roman des belgischen Skandalautors Herman Brusselmans, der zu den umstrittensten Autoren seines Landes gehört. Die flämische Filmkommission verwehrte dem Projekt von Anfang an finanzielle Unterstützung und so stellte Ken Mortier die Finanzierung unabhängig von öffentlichen Förderungen. Und der Film macht es auch den Zuschauern nicht leicht. Immerhin geht’s grob gesagt doch um einen wohlhabenden jungen Mann, der aus purer Langeweile sein einwandfrei ausgestattetes Loft hoch oben in einem der Wolkenkratzer in Belgien verlässt um hinab zu steigen in den Sumpf und sich einen Spaß daraus macht, die unwürdigen Kreaturen dort so richtig zum Narren zu halten.

Und in Belgiens „Sümpfen“ geht es ordentlich zur Sache: Ivans dreijährige Tochter stirbt an einer Dosis Kokain, Koen lässt seine Wut gerne mal an Frauen aus, schläft aber dafür mit der Mutter Jans, die nicht nur eine Perücke auf der Glatze trägt sondern auch ihren Mann in einer Dachkammer ans Bett gefesselt hat. Und schließlich gibt’s auch noch Sex mit überdimensionierten Schwänzen, am Herrenklo und im Wohnwagen. Selbst da findet Mortier noch Raum für Poesie: Das zu Tode gefickte Mädchen berichtet wie toll es war, schon als Kind von ihrem Vater, einem Minister, vergewaltigt zu werden. Auch kameratechnisch gibt es vor allem zu Beginn immer wieder spannende Ideen: Von rückwärts ablaufenden Szenen bis zu den recht ungewöhnlichen Einstellungen und Kamerafahrten wird einiges fürs Auge geboten. Und auch die Musik ist launig: Anlage am besten laut aufdrehen und richtig dröhnen lassen – also nichts für Weicheier (aber die machen den Film sowieso schon nach ein paar Minuten aus).

ZUR DVD:
EX DRUMMER erscheint von Legend Home Entertainment in der mittlerweile ebenso „legendären“ Kino-Kontrovers Reihe als Nummer 7. Neben hervorragender technischer Umsetzung glänzt die Veröffentlichung auch mit spannendem Bonusmaterial wie einem Making Of, das die chaotischen Produktionsumstände recht akkurat schildert, zwei Kurzfilmen von Ken Mortier sowie Musikvideos und Trailer. Auf CD findet sich der Soundtrack, beigelegt ist ebenfalls ein 20-seitiges Booklet mit einem ausführlichen Filmessay von Marcus Stiglegger und Ivo Ritzer sowie einem Interview mit dem Regisseur.

Fazit:

Laut, lauter, EX DRUMMER. Ein Film in dem sich eigentlich alle abgrundtief hassen. Dagegen sind die Hartz IV- Empfänger, die sich tagtätlich im Fernsehen bloß stellen lassen, Babys. Formal äußerst lebendig, ist EX DRUMMER inhaltlich wohl eher eine Studie über Degeneration, übers Sterben. Ken Mortiers Film macht keinen Spaß, sondern geht im besten Sinne durch Mark und Bein der Zuschauer.

Wertung:
8/10 Punkte

Die DVD gibt es hier zu kaufen!

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