Wall-E - Der Letzte räumt die Erde auf (2008)

OT: Wall-E - 98 Minuten - Animationsfilm
Wall-E - Der Letzte räumt die Erde auf (2008)
Kinostart: 25.09.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Wall-E - Der Letzte räumt die Erde auf

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Die Animationsfilmschmiede Pixar hat sich längst zum Synonym für großartige Filme in diesem Genre gemausert. Was einst Disney für den klassischen Zeichentrickfilm war ist nun Pixar für den Animationsfilm. Das wirklich Besondere an den Pixarfilmen ist, dass die Filmemacher nie den Zauber ihrer Geschichte aus den Augen verlieren, nie nur aufs schnelle Geld aus sind, und auch immer wieder bereit sind Risiken einzugehen. Und wirklich schön ist, dass ihre Filme trotz allem Mut und aller Kreativität nicht nur die Kritikerherzen höher schlagen lassen, sondern auch auf finanzieller Ebene überzeugen. Und das wird sich wohl hoffentlich auch nicht mit Wall-E ändern der, wie könnte es auch anders sein, ein Meisterwerk geworden ist.

Irgendwann rund um das Jahr 2800: Die Menschen haben die Erde seit langem verlassen und nur noch ihren Müll zurückgelassen. Doch man hat vergessen den Roboter Wall-E auszuschalten, der nun seit über 700 Jahren seine Arbeit verrichtet. Doch in all dieser Zeit hat er seine kleinen Eigenheiten entwickelt, man könnte auch sagen er hat eine Persönlichkeit entwickelt. Eines Tages taucht plötzlich der weibliche Roboter Eve auf, der die Erde nach Anzeichen von Leben untersuchen soll, um herauszufinden ob die Menschen, die übrigens durch die Jahre in der Schwerelosigkeit völlig verfettet sind und ihr Dasein auf einem Luxus-Raufschiff fristen, zurückkehren können. Wall-E verliebt sich sofort unsterblich in Eve, doch als sie tatsächlich eine Pflanze findet, wird sie plötzlich von einem Raumschiff abgeholt. Wall-E will sie jedoch nicht so schnell aufgeben und folgt ihr in die Tiefen des Weltalls...

Wall-E wird bei manchen Kinogängern nur ein Problem haben: Seinen Vorgänger Ratatouille, der es schaffte jung, alt, Kritiker und Mainstreampublikum gleichermaßen zu begeistern und wohl einer der bis dato perfektesten Animationsfilme ist. Zugegeben, Ratatouille ist wirklich ein Meisterwerk, das in seiner durchgehenden Perfektion kaum zu toppen ist. Und Wall-E versucht auch gar nicht seinen Vorgänger zu toppen, sondern beschränkt sich auf einen anderen Bereich, der wohl nicht jedermann so begeistern wird. Auch muss man durchaus einräumen, dass Wall-E im Mittelteil vielleicht einen kleinen Durchhänger hat, was bei Ratatouille nicht vorgekommen ist. Und trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, weil sich Wall-E seine Eigenheiten erlaubt, ist er auf seine ganze persönliche Art ein Juwel.

Nachdem man mit Ratatouille mit dem Image, dass Ratten immer nur die Bösen sind, aufgeräumt hat, stellte man sich bei Pixar der nächsten Herausforderung. Denn dass es sehr schwer ist einer Maschine Leben einzuhauchen belegen Filme wie Robots oder der hauseigene Cars, der bis dato wohl schwächste Pixarfilm. Doch Findet Nemo Regisseur Andrew Stanton beweist allen Skeptikern, dass man durchaus auch zu einem Roboter eine emotionale Bindung aufbauen kann und schafft es seiner Geschichte einen emotionalen Grundstock zu verpassen, der wohl niemanden kalt lassen wird und den man wohl nicht so schnell vergessen kann.

Dabei hat das Genre der Animationsfilme, wie auch schon zuvor das Genre der Zeichentrickfilme, seit jeher mit dem Vorurteil zu kämpfen nur für ein junges Publikum zugeschnitten zu sein. Pixar hat schon immer gegen dieses Vorurteil gekämpft, in dem man nie nur auf eine simple Gagparade setzte, sondern stets versuchte eine wirklich berührende Geschichte mit wunderbar gezeichneten Charakteren zu erzählen. Wall-E treibt nun dieses Vorgehen noch ein Stück weiter als die anderen Pixarfilme, und spricht Erwachsene vielleicht sogar mehr an als die jungen Zuschauer.

Der Grund ist, dass Wall-E viel Reiz durch zahlreiche Anspielungen auf unsere Gesellschaft und auf die Filmgeschichte bezieht, und eigentlich fast ausschließlich auf einer herzerwärmenden, emotionalen und berührenden Ebene operiert ohne dabei oberflächlich dem nächsten Gag hinterher zu jagen. Da wäre schon einmal die äußerst mutige erste halbe Stunde des Films, die beinahe völlig ohne Dialog auskommt, wenn man einmal von den großartig gestaltenden Geräuschen von Wall-E und Eve absieht, die übrigens von Ben Burrt entwickelt wurden, der sich schon für die Robotergeräusche aus Star Wars verantwortlich zeigt. Natürlich ist dieser ruhige Auftakt vor allem eine Hommage an Stanley Kubricks Meisterwerk 2001 – Odyssee im Weltraum, aber außerdem wurde er auch noch als gelungene Anspielung an die Stummfilmkomik eines Charlie Chaplin gestaltet, was dem Humor des Films noch eine zusätzliche, spannende Note gibt.

Weiters gibt es noch weitere Anspielungen auf klassisches SciFi Material, aber auch eine geniale Reminiszenz an den Klassiker Einer flog übers Kuckucksnest, wenn sich schließlich die verrückten Roboter zu einer Revolution erheben. Doch der zentrale Ansatz von Wall-E bleibt eine riesige Verbeugung vor Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum, der nicht nur akustisch und visuell, sondern vor allem auch inhaltlich zitiert wird. Man könnte fast argumentieren, dass Wall-E die familienfreundliche, moderne Version des SciFi Klassikers ist.

Doch im Kern bleibt Wall-E vor allem eine Fabel über die Werte der Menschheit, allen voran über die Liebe. Das Grundgerüst des Films ist die Liebesgeschichte zwischen Wall-E und Eve, und es liegt vor allem an der ausgeprägten Liebe zum Detail, dass diese Geschichte so gut funktioniert. Wall-Es kleine Gesten, seine Art Gefühle zu zeigen, die er sich aus dem Musical Hello, Dolly! abgeschaut hat, welches beim ihm rund um die Uhr läuft, und einfach sein gesamtes Erscheinungsbild wurde vom Pixar Team so großartig in Szene gesetzt, dass man den Film einfach lieben muss. Hier spürt man nicht, dass ein Produzent die Animateure angetrieben hätte, um die Kassen klingen zu lassen, sondern man kann sehen, dass die Filmemacher wirklich ihr ganzes Herzblut in dieses Projekt gesteckt haben. Und alleine dafür muss man Pixar einfach lieben. Wo sonst sieht man einen Saal mit Kritikern die gebannt auf die Leinwand starren und den Tränen nahe sind, nur weil sie die Geschichte eines kleinen Roboter so berührt?

Zusätzlich hat Pixar einfach das nötige Gespür um auch eine Message im Film rüber zu bringen, die sich nicht abgestanden anfühlt, sondern die wirklich die Augen öffnet. Mancher mag sagen, diese Message ist zu plakativ, und obwohl dies sicher teilweise zutrifft, so ist doch genau dieses Vorgehen nötig um die Wirkung der Fabel zu verstärken. Es ist ja mittlerweile schon fast üblich, dass ein Film noch aibimäßig eine Warnung vor der Zerstörung der Erde einbaut, aber wie Wall-E das Thema in die Geschichte fest integriert, und fast noch spielend auf die Fettleibigkeit der westlichen Welt (vor allem der Amerikaner) hinweist und auch noch Anspielungen auf den Wert des freien Denkens einbaut, hat einfach etwas Magisches. Und obwohl ich normal einer der ersten bin, die bei allzu aufdringlichem moralischen Winken auf die Barrikaden steigt, muss ich doch zugeben, dass es in Wall-E einfach passt.

Wie schon beinahe bei Pixar üblich hat man die technische Messlatte für das Animationsgenre auch mal wieder eine Stufe nach oben gestellt. Bereits die verlassene Erde zu Beginn, die vor Ideenreichtum und netten visuellen Ideen nur so überschäumt ist eine Augenweide, aber aller spätestens im Weltraum sorgt Wall-E für einen betörenden Rausch der Sinne. Es hat sich durchaus gelohnt, dass man sich von weltklasse Kameramännern wie Roger Deakins (No Country for Old Men) beraten hat lassen. Denn Wall-E zieht uns von Anfang an in seinen Bann, betört uns und lässt uns einfach bis lange nachdem der Film schon zu Ende ist nicht mehr los. Als Einstimmung wurde, ebenfalls wie bei Pixar üblich, wieder ein herrlicher Kurzfilm dem Hauptfilm vorangestellt. Und genau wie man es gewohnt ist, ist auch Presto wieder eine herrliche Einleitung.

Doch all dies ist nur Beiwerk, das Zentrum gehört ganz alleine dem liebenswerten kleinen Roboter, dem man auch ewig einfach nur dabei zusehen würde wie er seine Müllwürfel presst. Wall-E ist in einer Welt, in der die Menschen längst zu einer Ansammlung von degenerierten und faulen Fettberge ohne eigenen Willen geworden sind, der letzte Vertreter des zutiefst Menschlichen, und er schafft es nicht nur die Menschen im Film aufzurütteln, er wird auch das Publikum elektrisieren. Von der ersten Sekunde an zieht der Film in seinen Bann, und lässt uns gebannt auf die Leinwand starren, in freudiger Erwartung wie uns der kleine Roboter als nächstes überraschen wird.

Ja, Wall-E ist vermutlich nicht so durchgehend perfekt wie Ratatouille. Speziell im Mittelteil hat er sogar einen kleinen Durchhänger. Wenn man streng objektiv ist, müsste man dem Film also vermutlich nur 9 Punkte geben. Aber man kann auch die strenge Maske des Kritikers für einen Augenblick bei Seite legen und sich einfach auf einen emotionalen Pfad begeben. Und tatsächlich zählt Wall-E im ersten und letzten Drittel zum Besten was das Genre zu bieten hat, und wenn es ein Film schafft zugleich zutiefst emotional zu berühren, eine Vielzahl durchdachter Zitate einzubringen, ein großes Abenteuer zu erzählen, und gleichzeitig auch noch seine Werte vertritt, dann kann man ihm auch einfach die Höchstwertung geben. Denn so gebannt wie bei Wall-E habe ich lange nicht mehr auf die Leinwand gestarrt.

Fazit:
Mit Wall-E beweist Pixar erneut Mut: Man setzt vor allem auf reifes Geschichtenerzählen, geschicktes Einbinden von filmgeschichtlichen Zitaten, ernst gemeinte Sozialkritik und viel Emotion. Das Ergebnis wird den Kleinen vielleicht nicht so gut gefallen wie die anderen Pixarfilme, ist aber tatsächlich bemerkenswert. Denn die Geschichte des Roboters Wall-E und seiner Liebe zu Eve ist berührender als so gut wie alles was uns Hollywood die letzten Jahre vorgesetzt hat, und zusätzlich dazu schafft es der Film auch noch gekonnt auf kritische Themen hinzuweisen. Vor allem aber ist es die Art wie Wall-E bezaubert, die diesen Film so einzigartig macht. Ich jedenfall habe lange nicht mehr so gebannt auf eine Leinwand gestarrt wie in diesem Film und obwohl man ihm vielleicht mit kühlem, objektiven Blick 9 Punkte geben müsste, kann ich nicht anders und muss diesem Meisterwerk die Wertung geben die es auf emotionaler Ebene leicht verdient.

Wertung:
10/10 Punkte
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Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 85
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