Zurück im Sommer

OT:  Fireflies in the Garden   -  98 Minuten -  Drama 
Zurück im Sommer
Kinostart: 19.09.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Zurück im Sommer

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Wahrscheinlich wird das Leben eines Menschen wohl von keinem Faktor so sehr beeinflusst und in Bahnen gelenkt wie durch seine Familie. Man ist nie so hilflos wie als Kind, man ist nie wieder so sehr auf die Führung von jemandem angewiesen wie als Kind von seinen Eltern und man kann auch in keiner Phase des Lebens so sehr geprägt werden wie als Kind. So ist es auch eigentlich einleuchtend, dass viele Probleme ihre Ursache in der Kindheit haben und es ist auch verständlich, dass sich viele Künstler sehr für dieses Thema interessieren. Das ist wohl auch einer der Gründe warum es Zurück im Sommer schwer haben wird: Es gibt einfach zu viele Filme die sich schon besser mit diesem Thema auseinandergesetzt haben.

Michael Taylor (Ryan Reynolds) kehrt nach langer Zeit als erfolgreicher Schriftsteller zurück in seine Heimat. Der Grund ist eine Familienfeier, doch dazu soll es erst gar nicht kommen, da der Tag von einem dunklen Ereignis überschattet wird: Seine Mutter Lisa (Julia Roberts) und sein Vater Charles (Willem Dafoe) erleiden einen Autounfall, bei dem Lisa ums Leben kommt. Durch diesen Knall brechen die düsteren Erinnerungen an Michaels Kindheit wieder hervor, die sich um einen ganz besondern Sommer drehen, den seine junge Tante Jane (als Kind: Hayden Panettiere, als Erwachsene: Emily Watson) mit Michael und seiner Familie verbrachte. Ausserdem hat Michael all seine dunklen Erinnerungen in seinem noch unveröffentlichten Manuskript Fireflies in the Garden festgehalten…

Auf dem Papier sieht Zurück im Sommer wirklich eindrucksvoll aus: Der mit dem Studenten-Oscar ausgezeichnete Regisseur Dennis Lee versucht groß durchzustarten und sammelte dafür einen ausgezeichneten Cast um sich, voll mit starken Darstellern, die hier ihr Talent zeigen dürfen. Zurück im Sommer ist ein durch alle Generationen ausgezeichnet besetztes Projekt und scheint auch inhaltlich zumindest interessant zu sein. Doch dennoch stellt sich bei Kritikern keine Begeisterung ein, die Hollywoodstudios verschmähten das Projekt lange und der große Kinoerfolg wird dem Film wohl verwehrt bleiben. Woran liegt das also?

Zunächst fehlt es Zurück im Sommer an großen Momenten, an besonderen Stellen die sich in das Gedächtnis des Zusehers brennen und vor allem an Konsequenz. Man entwirft ein Geflecht aus Momenten in denen die Familie unter dem Patriarchen (zugegeben eindrucksvoll von Willem Dafoe verkörpert) leidet und die sich auf das Leben aller Beteiligten auswirken sollen, aber vermeidet es dabei ins Detail zu gehen. Es ist zwar an sich nichts schlechtes wenn man Teile der Handlung der Fantasie des Zusehers überlässt, es kann sogar äußerst erfrischend sein, aber wenn man auf der einen Seite versucht eine erschütternde Kindheit zu skizzieren, aber andererseits stets nur Andeutungen macht, stehen sich diese Punkte irgendwann einfach im Weg.

Andererseits schafft es Dennis Lee aber wirklich gut eine angenehm melancholische Atmosphäre zu kreieren, wodurch der deutsche Titel des Film Zurück im Sommer wirklich Programm wird: Man fühlt sich an einen Sommer in der Kindheit erinnert. Visuell steht dabei vorwiegend Idylle am Programm, was sich vor allem durch die beruhigenden Weizenfelder und die kräftigen Farben manifestiert. Nur leider wagt der Film eben keinen inhaltlichen Bruch mit der visuellen Idylle, sodass man sich in seiner Haut schon fast zu wohl fühlt.

Für den Zuseher ergibt sich so wahrscheinlich mehr Feel-Good Klima als es eigentlich sollte. Man entspannt sich und driftet einfach so dahin. Da Zurück im Sommer auch sehr zurückhaltend ist, auf große Paukenschläge verzichtet und wie bereits erwähnt wurde, die meisten Konflikte nur andeutet, kann man sich tatsächlich sehr schön treiben lassen und entspannen. Aber dem dramatischen Potential der Geschichte, und natürlich den Leistungen der Darsteller wird dadurch nicht genüge getan. Dadurch dass man sich sichtlich nicht traut besonders heikle Themen anzusprechen (zum Beispiel wird durchaus eine intime Beziehung zwischen Tante und Neffen angedeutet, aber nie konkretisiert), fühlt sich Zurück im Sommer an wie eine nette Ansammlung von Familienproblemen. Das Ergebnis ist dabei durchaus nett anzusehen, aber dadurch, dass sich der Film selbst an Kraft raubt, und nie wirklich tief in die Materie eintaucht, könnte so mancher auch meinen, dass er mit diesen Sorgen schon im echten Leben genug zu tun hat.

Fazit:
Zurück im Sommer hätte durchaus Potential gehabt, scheitert aber daran, dass sich der Film nicht traut näher auf die höchstens umrissenen Probleme einzugehen. Kaum ein Handlungsstrang wird konkretisiert, sodass sich der Film sehr schwebend und undynamisch anfühlt. Man könnte auch meinen es fehlt noch etwas. Zwar kann der Film auch in diesem Zustand durch eine durchaus gelungene Atmosphäre und gute Darsteller überzeugen, aber einen bleibenden Eindruck wird er wohl nicht hinterlassen. Angenehme Unterhaltung auf höherem Niveau als beim Blockbuster um die Ecke wird geboten, aber mehr schon auch nicht. Da wäre mehr möglich gewesen.

Wertung:

6/10 Punkte

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