Der große Japaner

OT: Dai-Nipponjin   -  113 Minuten -  Mockumentary 
Der große Japaner
Kinostart: 01.08.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Ein Film von Japaner, für Japaner. Das bedeutet gewöhnungsbedürftigen Humor, abnorme Kreaturen und viel Geschrei. Somit ist Der große Japaner für europäisches Publikum schwer zugänglich, obwohl wahrscheinlich eine derartige Machart in Japan zum filmischen Alltag gehört. Was dort zu einem Blockbuster geführt hat, wird es hierzulande schwierig haben, eine breite Masse zu erreichen. Auch das überaus langsame Tempo trägt dazu nicht positiv bei, wirkt es doch auf den Zuseher befremdlich, wenn nicht sogar abschreckend.

In Der große Japaner geht es um einen, auf den ersten Blick unscheinbaren, normalen Mann (Hitoshi Matsumoto), der wie jeder Mensch sein Päckchen zu tragen hat und sich mit den üblichen Familien- und Geldproblemen konfrontiert sieht. Näher gebracht wird das dem Zuschauer in Form einer fiktiven Dokumentation, durch eine Filmcrew, die dem Protagonisten durch sein Leben folgt. Allmählich kristallisiert sich heraus, warum dieser Durchschnittsmensch überhaupt das Thema einer filmischen Beobachtung ist. Sein Job ist nämlich ein mehr als ungewöhnlicher, er ist der Beschützer Japans.

Mit Hilfe einer rituellen Zeremonie und ein paar kräftigen Elektroschocks, verwandelt er sich in einen Japaner von der Größe eines Hochhauses. Bewaffnet mit einem Prügel und mit Werbung voll geklebt wie eine Litfasssäule, kämpft er gegen skurril abartige Ungeheuer, die seine Stadt und deren Bewohner bedrohen. Die Analogie zu den Godzillakämpfen ist hier nicht nur voll beabsichtigt, sondern gehört fast schon zur japanischen Kulturgeschichte, ebenso der Humor, der sich durch die Schlacht gegen diese Monster äußert. Der Umstand, dass dabei auch einiges zu Bruch geht, macht diese Dokumentation über den großen Japaner für seine Beliebtheitsförderung notwendig. Das schwindende Interesse an dem „Superhelden“ spiegelt sich nicht nur am unvorteilhaften Sendeplatz, sondern auch an den dementsprechend schlechten Einschaltquoten wider.

Auch die Satire kommt nicht zu kurz, wird die Meinungsfreiheit unter Beeinflussung der Medien, die selbst vor Lügenmärchen und Inszenierungen nicht zurückschrecken, gnadenlos aufs Korn genommen. Dies äußert sich unter anderem auch in der Einstellung der Bevölkerung, die ihren hauseigenen Helden mehr als Plage betrachten, denn als Beschützer. Für sie gehört er schon längst zum Alltag, weshalb ihm die Heldenverehrung der Generationen vor ihm, verwehrt bleibt.

In Japan stand der Film um den Superhelden-Wahnsinn in direkter Konkurrenz mit Glory to the Filmmaker – Kantoku Banzai, dem neuen Werk des Altmeister Takeshi Kitano. Seinem großen Japaner ähnlich, lieferte sich Matsumoto bereits im Vorfeld ein PR-Duell mit seinem Kontrahenten Takeshi Kitano an den Kinokassen, wo Ersterer als Sieger hervorging und mit seinem Film einen großen Erfolg feierte. Wobei jener Triumph, genau wie die Siege seines Protagonisten, nicht immer nachzuvollziehen ist, fehlt es dem Film doch stellenweise leider an Stimmigkeit.

Dieser Umstand äußert sich vor allem dahingehend, dass sich besonders gelungene Momente, mit scheinbar unnötig langen Szenen, abwechseln. Dabei ist nicht mal so sehr das langsame Tempo an der sich dahin schleichenden Handlung schuld, als viel mehr die fehlende Identifikation mit der Heldenfigur und die zu schwache Involvierung des Zuschauers in den Ablauf der Geschehnisse. Zudem kann es leicht passieren, dass man durch die mancherorts genannte Genrebezeichnung „Komödie“ in die Irre geführt wird, handelt es sich bei dem Film viel eher um eine Medien- und Gesellschaftssatire, die zwar ohne Zweifel eine gesunde Prise Humor beinhaltet, die sich aber, wie schon erwähnt, oftmals dem europäischen Zuschauer entzieht.

Dennoch muss man dem Film eingestehen, dass ihm gerade durch seine interessante und teilweise skurrile Exotik, die Aufmerksamkeit des Zuschauers zuteil wird, auch wenn er sie nicht durchgehend halten kann. In seinen besseren Momenten ist Der große Japaner erfrischend anders und weht mit einer erquickenden Brise durch den Kinosaal, die er ganz besonders seiner interessanten Machart und den aberwitzigen Kreaturen zu verdanken hat. In seinen schwächeren Momenten ist der Film aber leider hoffnungslos langatmig und verfehlt seine gewünschte Wirkung beim Publikum vollends.

Fazit:
Der große Japaner übt dank seiner vielen absurden Einfälle, interessanten Ansätze und gelungenen Stilistik einen starken Reiz auf das Publikum aus, dem man sich nicht ganz entziehen kann und der einen selbst nach dem Kinobesuch noch beschäftigt und über den Film nachdenken lässt. Leider verliert der Film aber gleichzeitig auch manchmal sein Ziel aus den Augen und verläuft sich in langatmigen, für den Zuschauer, ob deren Relevanz für die Handlung, oftmals nicht nachzuvollziehenden Szenen, was dem Gesamteindruck des Films ein wenig abträglich ist, da er sich dadurch länger anfühlt als er ist. Dabei ist es aber nicht so sehr das gemächliche Tempo des Films das stört, sondern einfach die Tatsache, dass man als Zuschauer ab und zu irritiert ist, über die Notwendigkeit gewisser Momente. Der große Japaner bietet ein umfassendes Porträt über einen alltäglichen Menschen, der aus Traditionsgründen dazu gezwungen ist, ein Superheld zu sein. Auch wenn ihn eigentlich niemand mehr will, übt er trotzdem seine Pflicht aus und zieht sich damit immer mehr den Hass und die Abneigung seiner Umwelt auf sich. Definitiv ein kurioses Machwerk, das leider nicht auf voller Länge zu überzeugen weiß, aber einem geduldigen Zuschauer dennoch viele gute und interessante Aspekte präsentiert.

Bewertung:

6/10 Punkte

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