Hellboy 2: Die Goldene Armee

OT:  Hellboy 2: The Golden Army   -  120 Minuten - Comic / Action
Hellboy 2: Die Goldene Armee
Kinostart: 17.10.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Hellboy 2: Die Goldene Armee

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Guillermo del Toro hat sich in der Filmwelt eine schöne kleine Nische eingerichtet, in der er es sich gemütlich gemacht hat, und wo er nun seine schönen und durchaus besonderen Filme kreiert. Düstere Fantasywelten sind sein Metier, dunkle Handlungsstränge sein Markenzeichen und trotz aller Dunkelheit gibt es immer wieder Lichtschimmer und eine satte Atmosphäre in der man sich verlieren kann. Den künstlerischen Durchbruch schaffte er spätestens mit seinem großartigen Pan’s Labyrinth, und mittlerweile wurde er auch als Ersatzmann für Peter Jackson beim kommenden Herr der Ringe Prequel Der Hobbit bekannt gegeben. Dadurch dass sich del Toro also mittlerweile einen prägenden Namen gemacht hat, hatte er bei seinem aktuellen Film Hellboy 2: Die Goldene Armee auch mehr künstlerische Freiheiten als noch beim Vorgänger. Und dieser Umstand ist dem Film auch sehr positiv anzusehen.

Hellboy (Ron Perlman) hat das Junggesellenleben aufgegeben und lebt gemeinsam mit seiner Freundin Liz Sherman (Selma Blair) zusammen. Doch während sich die Lebensgewohnheiten der beiden, wie es für ein junges Paar durchaus nicht ungewöhnlich ist, aneinander reiben, ziehen dunkle Wolken über die Welt herein: Nicht nur, dass die Mutantentruppe mit der Gaswolke im Blechkostüm Johann Krauss einen neuen Vorgesetzten bekommt, auch eine wesentlich ernstere Gefahr steht vor der Tür. Prinz Nuada (Luke Goss), will die mächtige Goldene Armee unter seine Gewalt bringen um mit ihrer Hilfe die Welt zu beherrschen. Doch seine Zwillingsschwester Nuala (Anna Walton) will dies verhindern und nimmt ihm einen Teil der Krone weg, die er in vollständiger Ausführung braucht um die Armee zu erwecken. Beim "Bureau für Paranormal Research and Defense“ findet sie schließlich Unterschlupf, und weckt dort das Interesse von Abe Sapien (Doug Jones). Doch wie lange wird sie sich vor ihrem Bruder verstecken können?

Momentan ist wohl gerade das Goldene Zeitalter der Comicverfilmungen. Hollywood stürzt sich scheinbar auf alle berühmten Vorlagen und erzielt daraus, trotz schwankendem Qualitätslevel, großteils mehr als zufriedenstellende Einnahmen. Doch wie man es von Hollywood kennt hat sich auch eine ärgerliche Eigenschaft eingeschlichen: Denn dadurch dass die Umsetzungen immer bombastischer werden sollen und dementsprechend mehr Geld kosten, müssen sich viele Comicverfilmungen den Vorwurf gefallen lassen immer glatter zu werden um auch stets ein breit gefächertes Publikum zu erreichen. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen wie den herrlichen Sin City oder den großartig unterhaltenden Spider-Man 2, aber leider sind solche Beispiele eben Ausnahmen.

Das führt auch unweigerlich dazu, dass sich ein gewisser Abnutzungseffekt einstellt, und diejenigen die sich prinzipiell für das Genre interessieren und somit auch viele solche Filme sehen, werden wohl bereits an dem Punkt angelangt sein, wo es einfach reicht. Selbst Iron Man, der bei den meisten sehr gut angekommen ist, war aus meiner Sicht nur ein weiteres plattes Effektfilmchen, das eben das Charisma von Robert Downey Jr. geschickt ausnutzte, aber ansonsten auch wenig Neues zu bieten hatte. Doch in dieser Blockbustersaison gibt es gleich zwei Filme, die sich gegen das seichte Pocornflair auflehnen. Auf der einen Seite ist dies der meisterhafte Batman Film The Dark Knight, der gerade in den USA alle Rekorde bricht, und auf der anderen Seite ist es der hier besprochene Fantasytrip Hellboy 2: Die Goldene Armee.

Guillermo del Toro hat im Prinzip zwei verschiedene Arten von Filme: Auf der einen Seite die Hollywoodproduktionen, die zweifellos auch seine Handschrift tragen, aber eben primär einen kommerzielleren Anstrich haben, und auf der anderen Seite seine künstlerischen Ausflüge, wie etwa Pan’s Labyrinth. Während Hellboy noch klar in die erste Schiene einzuordnen war vermischt Hellboy 2: Die Goldene Armee nun beide Ebenen zu einem neuen Ganzen, das zwar einerseits den Unterhaltungswert seiner Hollywoodfilme mitbringt, aber andererseits auch durch die gewohnt faszinierende und plastische Darstellung der Fantasywelten aus seinen künstlerisch ambitionierten Filmen überzeugt. Das Ergebnis ist ein höchst erfrischendes Werk, das für einen unterhaltsamen Abend sorgt, sich aber gleichzeitig nicht so abgestanden und unkreativ wie die glatten Konkurrenzprodukte anfühlt.

Man kann dem Film sofort ansehen, dass man Guillermo del Toro mittlerweile mehr vertraut als noch zu den Zeiten des ersten Hellboy. Zwar hat auch Teil 1 für prächtige Unterhaltung gesorgt, aber irgendwie fühlte er sich so an, als hätte man del Toro noch an einer Leine gehalten. Für Hellboy 2: Die Goldene Armee wurde diese Leine nun scheinbar fallengelassen und der visionäre Regisseur durfte seiner Fantasie freien Lauf lassen. Charakteristisch sind dabei natürlich die düsteren Bilder, das geniale Figurendesign (das die Ideen aus Pan’s Labyrinth auf Blockbusterdimension erweitert) und natürlich die plastische Fantasyatmosphäre.

Zugegeben, der direkte Plot ist genau wie im ersten Teil noch ein Schwachpunkt des Films. Hier ist noch nicht allzu viel der Kreativität des Films spürbar, sondern alles fühlt sich relativ gewöhnlich an. Die Plotpoints kann man teilweise vorausahnen und wirkliche Highlights gibt es zumindest auf Storyebene nicht. Doch dafür weiß der Rest umso besser zu gefallen. Die visuelle Ebene ist überwältigend, die Charaktere gewohnt cool und stylisch, und der Unterhaltungsfaktor wirklich hoch. Besonders die dynamischen Actionsequenzen, gepaart mit den coolen Sprüchen von Hellboy und dem hohen Tempo des Films sorgen für einen schwungvollen Filmgenuss.

Doch der größte Pluspunkt des Films ist ohnehin die grandiose Fantasyatmosphäre die mit viel Liebe zum Detail kreiert wurde und die den Zuseher förmlich in sich aufsaugt. Hellboy 2: Die Goldene Armee ist dabei ohnehin kein Film der den Zuseher lange beschäftigt. Es ist ein starker, fesselnder und kurzweiliger Film für den Augenblick, der es dem Zuseher ermöglicht abzuschalten, in eine andere Welt zu entfliehen und dort mit sympathischen Charakteren ein schönes Abenteuer zu erleben. Die Inszenierung von Guillermo del Toro ist dabei, wie man es von ihm gewohnt ist, erstklassig und voll mit kraftvollen Momenten. Für alle die genau wie ich genug von den knalligen Zuckerwatte-Comicverfilmungen haben, ist Hellboy 2: Die Goldene Armee ein Pflichttermin.

Fazit:
Guillermo del Toro hatte sichtlich mehr Freiraum als noch beim ersten Teil. Er kreiert seine Fantasywelt mit viel Gespür und Liebe zum Detail und hat dabei eine Atmosphäre erschaffen, die so dicht ist, dass man sich sofort darin verliert und bis zum Ende in dieser wunderschönen Düsternis gefangen ist. Hinzu kommt ein wirklich sehr hoher Unterhaltungswert, vorwiegend bedingt durch den Zigarre rauchenden Hellboy, der immer einen coolen Spruch auf den Lippen hat und stimmig inszenierte Actionsequenzen die mit rasantem Tempo vorgetragen werden. Del Toro bleibt seinem Stil treu und sein Film ist ein Pflichttermin den sich niemand entgehen lassen sollte, der von den knalligen Standard-Comicverfilmungen die Nase voll hat. Neben The Dark Knight sicher die interessanteste Comicverfilmung des Jahres.

Wertung:

8/10 Punkte

Filmering.at
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