Felon

OT: Felon   -  102 Minuten - Drama 
Felon
Kinostart: Unbekannt
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Filmkritik zu Felon

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Der Gefängnisfilm hat längst sein Opus Magnus gefunden: Frank Darabonts Die Verurteilten, nach einem Roman von Stephen King, kann man praktisch pausenlos in der Top 10 der berühmten Imdb Top 250 finden und der Film genießt speziell in den USA ein außergewöhnlich hohes Ansehen. Doch seit 1994, als der Film in die Kinos kam, hat sich im Genre wenig getan. Vielleicht hat der Erfolg der TV-Serie Prison Break dazu beigetragen, dass sich Produzenten erneut für die Erlebnisse hinter Gitter interessieren. Doch Felon geht einen relativ eigenwilligen Weg, bewegt sich geschickt zwischen Genrekonventionen und dem Versuch sie zu umgehen, und sorgt im Endeffekt für eine elektrisierende Erfahrung.

Wade Porter (Stephen Dorff) hat seine eigene Firma, lebt mit seiner Frau Laura (Marisol Nichols) und seinem Sohn in einem Haus und genießt das schöne Leben. Doch eines Tages wird er plötzlich durch Geräusche geweckt und ertappt einen Einbrecher auf frischer Tat. Als dieser fliehen will, trifft Wade ihn mit dem Baseballschläger so unglücklich, dass dieser dabei stirbt. Da der Einbrecher zu diesem Zeitpunkt Wades Haus bereits verlassen hatte, muss er wegen Totschlag ins Gefängnis. Von nun an hat er keine Kontrolle mehr, gerät in die Räder des Systems und droht daran zu zerbrechen. Gerettet wird er nur durch seinen Zellenkollegen John Smith (Val Kilmer), der ihm die Regeln des Gefängnislebens erklärt. Doch gegen den sadistischen Oberwärter Lt. Jackson (Harold Perrineau) hilft ihm auch das nichts…

Gut, man muss zu Beginn vielleicht klären, dass Felon nicht völlig frei von so manchem Gefängnisfilmklischee ist. Zum Beispiel erinnert der Beginn, mit dem Einbruch und dem Grund für die Inhaftierung ein kleines bisschen an American History X, der Gefängnisalltag erinnert ganz leicht an die erste Staffel von Prison Break (natürlich ohne den Ausbruchsplot) und auch ein Stückchen Die Verurteilten hat es in de Film geschafft. Aber es ist wohl sehr schwer bis unmöglich, dass sich solche Filme nicht in gewissen Punkten ähnlich sind, da sie eben auf einem sehr standatisierten und überschaubaren Milieu basieren. Und Felon versucht zumindest teilweise seinem eigenen Stil treu zu bleiben.

Recht viel Geld war dabei leider nicht zur Verfügung, und deshalb war es auch von Anfang an klar, dass Felon kein Epos vom Format eines Die Verurteilen werden sollte, und man sowohl bei der Länge, als auch bei den Sets und der Ausstattung sparen musste. Felon spielt auf sehr überschaubaren Raum, versucht gar nicht erst auf besonders imposante Bilder zu setzen und bleibt immer schön knapp und kompakt. Vermutlich liegt es gerade daran, dass man schließlich förmlich gezwungen war sich auf andere Werte zu konzentrieren, dass das fertige Ergebnis so gut funktioniert.

Denn primär ist Felon die Geschichte eines Unschuldigen, der in die Räder der Justiz gerät, dessen Leben völlig aus den Fugen gerät und der schlussendlich keinerlei Kontrolle mehr über sein Schicksal hat. Der Film konzentriert sich weitestgehend darauf die Psyche seiner Hauptfigur zu beleuchten und seinen Werdegang zu beschreiben. Dabei will Wade eigentlich nur in Ruhe seine Zeit absitzen um wieder zu seiner Familie zurück zu kehren, aber schlussendlich gerät er ohne sein Zutun im Gefängnis immer tiefer in den Sumpf des Verbrechens, bzw. auf die Abschussliste von Lt. Jackson, der ihm sein Leben zur Hölle macht.

Abgesehen vom ganz persönlichen Leidensweg seiner Hauptfigur übt Felon aber vor allem Kritik am System. Er stellt das amerikanische Justizsystem, das mit Verlaub so einige Schelte vertragen würde, an den Pranger, offenbart seine grundlegenden Schwächen, und macht deutlich wie wenig das einzelne Individuum dem mächtigen Staatsapparat entgegen zu setzen hat. Parallel dazu werden auch die Zustände innerhalb der Gefängnisse unter die Lupe genommen, und wenngleich man sicher kritisieren kann, dass alles etwas überzeichnet wirkt, fällt es doch schwer zu unterscheiden ob es denn nicht zumindest ähnliche Zustände in diversen Gefängnissen gibt. Aber wie gesagt ist es durchaus möglich, dass die Filmemacher hier etwas übertrieben haben, aber als Parabel und kleiner Aufschrei gegen das System funktioniert der Film ausgezeichnet.

Ein großer Grund warum der Film so gut funktioniert sind die großartigen Leistungen der beiden Hauptdarsteller. Val Kilmer konnte sein Talent ja bereits einige Mal beweisen und auch in Felon liefert er wieder eine tolle Leistung ab. Sein John Smith ist mysteriös, undurchdringlich und sympathisch und dient für Wade und den Zuseher als Leitfaden durch die Gefängnispolitik. Doch die wirkliche Überraschung ist die großartige Darbietung von Stephen Dorff, der hier alles gibt was er zur Verfügung hat, und dabei eine wirklich unerwartet starke und zerrissene Performance abliefert. Harold Perrineau, bekannt aus dem TV-Erfolg Lost, schafft es schließlich als Gefängniswärter wahrlich hassenswert zu wirken, aber gegen die großen Leistungen der beiden Hauptakteure hat er keine Chance.

Vielleicht sticht der finale Showdown etwas negativ aus dem ansonsten so kompakten, straighten und kraftvollen Film heraus, weil es ihm ganz einfach an Glaubwürdigkeit mangelt, aber das sollte kein Grund sein dieses emotional starke Drama auszulassen. Denn Felon beschränkt sich nicht darauf die internen Strukturen im Gefängnis aufzudecken und daraus eine spannende Rahmenhandlung zu konstruieren, sondern zieht seine Stärken vor allem aus der emotionalen Tour de Force der Hauptfigur und lehnt sich gleichzeitig gegen das System auf, weist auf Missstände hin und ist trotz alledem auch noch kurzweilig, spannend und unterhaltsam. Was will man mehr?

Fazit:

Felon zeigt das Schicksal eines Menschen, der unschuldig in die Räder der Justiz gelangt und von ihnen immer weiter zermahlen wird. Es ist die persönliche Tragödie eines Menschen, der immer nur für seine Familie sorgen wollte. Felon ist dabei gleichzeitig interessante Systemkritik, ergreifendes Drama, Plädoyer für die wichtigen Dinge im Leben und spannender Gefängnisfilm. Vielleicht ist die Geschichte nicht immer glaubwürdig und wirkt an einigen Stellen, speziell im Finale, überzeichnet und ist generell auch eher simpel gehalten, aber trotzdem kann man durchaus einen Blick riskieren. Denn insgesamt überzeugt Felon, trotz Schwächen, und sorgt mit Sicherheit für einen kurzweiligen Abend.


Wertung:

7/10 Punkte

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