Der Zaun

OT:  Der Zaun   -  71 Minuten -  Dokumentation 
Der Zaun
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Zaun

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Vom 6. – 8. Juni 2007 tagte im norddeutschen Kurort Heiligendamm der G8-Gipfel. Zum Schutz der Mächtigen aus aller Herren Länder wurde um das Grand Hotel ein riesiger Stahlzaun mit Stacheldraht für 12,8 Millionen Euro errichtet. Denn außerhalb des Zaunes waren mehrere tausende Demonstranten angereist, um den Ablauf des Gipfels erheblich zu stören…

Mittendrin, statt nur dabei – was sich so lapidar formuliert, trifft auf diese Dokumentation gleich an mehreren Stellen zu. Beschaulich der Beginn (der Film setzt einige Tage vor dem eigentlichen Gipfeltreffen ein): Da witzelt ein Imbissbudenbesitzer noch, dass er jetzt über die sichersten Bratkartoffeln der Welt verfüge. Später sollte auch für ihn aus Spaß Ernst werden, nämlich dann, wenn er die Weisung bekommt, seinen Laden binnen weniger Stunden zu verlassen. Andere sind zu Beginn noch verunsichert vom monumentalen Stahlkoloss, der die Tagungsgäste vor den Demonstranten schützen soll. Scheinbar war die Bevölkerung nicht ausreichend informiert. Innerhalb der Absperrung halten sich Horn und Marewski nur kurz auf, wenn sie eine kleine Führung durch das Kempinski Grand Hotel bekommen und mit ihrer Kamera zeigen, wie die Vorbereitungen auf das Gipfeltreffen vorangehen. 

Und dennoch merkt man trotz all der Idylle, die die malerische Ostseelandschaft ausstrahlt, gleichermaßen eine Bedrohung die in der Luft liegt. So stellt sich gewissermaßen ein Warten auf die unausweichliche Katastrophe beim Zuschauer ein. Die sollte spätestens dann losgehen, wenn die Demonstranten ihrerseits los legen. Wenn junge Menschen in Unterbindungsgewahrsam genommen werden, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Wenn die Polizei mit Wasserwerfern auf friedliche „Wiesensitzer“ feuert. Wenn Sondereinheiten Demonstranten niederknüppeln. Das sind die wirklich extremen Momente, in denen sich die Nackenhaare aufstellen und uns Schauer über den Rücken fahren: Deutschland, anno 2007 – so etwas ist hier (noch) möglich? Sicherlich gab es auch seitens der Demonstranten Ausschreitungen und Aussetzer – keine Frage, doch zumindest die in dieser Dokumentation gezeigten Bilder lassen nicht darauf schließen, dass es sich in den gefilmten Situationen um gewaltlüsterne Protestler handelt.

Die Angst der Bevölkerung vor dem rigorosen Vorgehen der Exekutive wird in den Aussagen eines Mannes klar deutlich, der von seinem Balkon aus die Landung des Helikopters mit George W. Bush beobachtet und darüber sinniert, ob, falls ihn die Polizei von unten anschießen würde, überhaupt ein Krankenwagen zu ihm kommen könnte. In derselben Szene bekommen auch die Filmemacher den langen Arm des Gesetzes zu spüren – erst nachdem der Beamte die Korrektheit der Akkreditierungen und Ausweise überprüft hat wird auch er freundlicher zur Kamera.

Dem großen Tohuwabohu stellen die beiden Filmemacher nur ganz selten fast schon kontemplative Aufnahmen von Menschen, die sich scheinbar mit der Situation arrangiert haben und das Beste draus machen, entgegen. Beispielsweise zwei Fischer, die in der Auslaufzone des Zauns im Sonnenuntergang in der Brandung ihre Netze auswerfen.

ZUR DVD:
Die DVD vom deutschen Filmliebhaber-Label Arthaus erscheint so, wie es sich für eine Veröffentlichung ihres Kalibers gehört: Sehr gutes Widescreenbild, sehr guter Stereoton (mit optionalen englischen Untertiteln) sowie als Bonusmaterial knapp 20 Minuten Deleted Scenes und ein acht minütiges Interview mit Andi Henner, einem der Organisatoren des Camps für die Demonstranten über den Sicherheitsbegriff. Außerdem gibt es noch eine Fotogalerie sowie ein paar Trailer aus dem Arthaus Programm.

Fazit:

Viel Lärm um nichts… Was ist heute, ein Jahr nach dem G8-Gipfel von Heiligendamm tatsächlich geblieben? Auf jeden Fall eine äußerst spannende und kurzweilige Dokumentation und ein pointierter Blick auf die äußeren Umstände, die diesen Gipfel begleiteten. DER ZAUN ist schon jetzt ein wichtiges Dokument „seiner“ Zeit.

Wertung:
8/10 Punkte

Hier gibt es die DVD zu kaufen!

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