Lost in Translation - Zwischen den Welten (2003)

OT: - 94 Minuten - Tragik / Komödie
Lost in Translation - Zwischen den Welten (2003)
Kinostart: 08.01.2004
DVD-Start: 29.08.2014 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Lost in Translation - Zwischen den Welten

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"More than culturally I think I really had the experience of meeting somebody.
You know, when you have all these people around you that love you
and none of them quite understand what you going through.
And meeting somebody, even for a small amount of time,

that really can change your life."

(Scarlett Johansson)

 

Aus diesem Grund ist Lost In Translation weniger ein Film über kulturelle Unterschiede, sondern vielmehr ein Film über menschliche Beziehungen: Charlotte (Scarlett Johansson) hat gerade ihr Studium abgeschlossen und begleitet ihren Mann John (Giovanni Ribisi), mit dem sie seit zwei Jahren verheiratet ist, auf einer Geschäftsreise nach Tokio. John ist Fotograf und aufgrund seiner Arbeit sehr mit sich selbst beschäftigt, weshalb sich Charlotte allein gelassen fühlt, da er ihr nur wenig Aufmerksamkeit schenken kann. Auch der Schauspieler Bob Harris (Bill Murray) ist geschäftlich wegen einer gut bezahlten, aber anspruchslosen Whisky Werbung in Tokio. Bevor sich die beiden in der Bar des Hotels kennen lernen, kreuzen sich ihre Wege ein paar mal, ohne jedoch Grund zum Gespräch zu bieten.

Während ihrer Unterhaltung an der Bar wird schnell klar, daß sie mehr verbindet, als nur zufällige Anwesenheit am gleichen Ort. Bob ist seit fünfundzwanzig Jahren verheiratet und befindet sich in einer Midlife Crisis, die ihn nicht nur an seiner Ehe zweifeln läßt. Charlotte ist Mitte zwanzig, zweifelt ebenfalls an ihrer Ehe und kann Bob`s Frage, was sie mit ihrem Leben anfangen will, nicht beantworten: "Ich habe mich noch nicht entschieden."

Beide, Bob und Charlotte, bleiben in ihrem sozialen Umfeld unverstanden und sind daher bereits isoliert, bevor sie in Tokio aufeinander treffen: Sie haben sich selbst verloren und sind nun auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft.
Die Situation der Protagonisten wird durch den Handlungsort Tokio, der beide Akteure von der bekannten amerikanischen Welt trennt, verstärkt, da zu der mentalen Isolation eine kulturelle und sprachliche hinzutritt, die sie aus ihren Gewohnheiten reißt und diese einzigartige Beziehung vermutlich erst ermöglicht, da sie ihre bereits bestehende mentale Absonderung noch deutlicher werden läßt.

Bob`s Unverständnis wird durch seine Verbindung zur gewohnten Umgebung angedeutet: Die Anrufe seiner Frau Lydia weisen auf einen latenten Streit hin, der jedoch nie eskalieren wird. Am Ende eines solchen Telefonats sagt Bob „Ich liebe dich“, allerdings zu spät, nämlich nachdem Lydia bereits aufgelegt hat. Sein Agent, als ein weiterer Anrufer, handelt nicht in seinem Interesse, auf einen Talk-Show-Auftritt zu verzichten, den Bob trotz guter Bezahlung ablehnen möchte.

Charlotte`s Unverständis wird durch ihren Mann widergespiegelt, der aufgrund seiner Aufträge mehr abwesend als anwesend ist. Auch ein Telefonat mit einer Bekannten in den USA zeigt, daß Charlotte nicht verstanden wird, da die Angerufene nicht so aufmerksam ist, wie Charlotte es bräuchte. Zufällig treffen sie die Schauspielerin Kelly (Anna Faris), die gerade ihren neuen Film promoted und für die ihr Mann fotografiert. Kelly`s aufgedrehter, oberflächerlicher Charakter und John`s Verhalten ihr gegenüber, lassen erneut Charlott`s Unverstandensein erkennen, das nicht nur im Kontrast zu Charlottes Charakter deutlich wird, sondern auch in einem Interview zu ihrem neuen Film mit Keanu Reeves: "Wir haben beide zwei Hunde. Wir leben beide in L.A. Wir haben also viel gemeinsam."

Die Isolation, in der sich beide Akteure befinden, ist jedoch nicht nur ein mangelndes Verstehen-Wollen auf der Seite von Lydia oder John. Sie ist zum Teil auch selbst verschuldet, weil beide aufgegeben haben, daß was sie sagen wollen, auch wirklich zu sagen und sich nicht selbst zu zensieren.
Gerade weil Bob und Charlotte den Drang ihre Gedanken mitzuteilen nicht mehr zurückhalten müssen, da sie nicht mehr erwarten auf Unverständnis zu stoßen, kann sich eine intensive Beziehung entwickeln, die jedoch nie erotisch wird, sondern auf rein geistiger Ebene bestehen bleibt.
Als John wegen einem Auftrag einige Tage verreist, wird die Beziehung zwischen Bob und Charlotte enger, weil John`s Abwesenheit es ermöglicht, daß sie eines abends auf dem Bett liegen und reden...

Charlotte: Ich weiß nicht weiter. Wird das Leben einfacher?
Bob: Nein. Doch. Es wir einfacher.
Charlotte: Ach ja. Das sagt der Richtige.
Bob: Danke. Je mehr man über sich selbst und das, was man will weiß, desto weniger läßt man an sich ran.
Charlotte: Ja. Ich weiß einfach nicht, was ich will. Verstehst du? Ich hab`s als Schriftstellerin verusucht, aber dazu fehlt mir das Talent. Dann wollte ich Fotografin werden, aber ich bin so mittelmäßig. Verstehst du? Jedes Mädchen will mal Fotografin werden. Genauso wie alle reiten wollen.
Bob: Du wirst es schon rauskriegen. Da mache ich mir keine Sorgen. Schreib weiter.
Charlotte: Aber ich bin nur Durchschnitt.
Bob: Das merkt doch keiner.
Charlotte: Vielleicht.

... Bob streichelt ihr über den Fuß und sie schlafen ein.
Nicht nur diese Szene, sondern auch die überzeugende, verführende Gestik von Scarlett Johansson und Bill Murray lassen den Zuschauer die gegenseitige Anziehung spüren, die den Abschied umso schwerer werden läßt.
Am nächsten Morgen fährt Bob zum Flughafen und muß sich von Charlotte verabschieden. Nur gestatten die Umstände es nicht, daß sie sich so verabschieden, wie sie es sich aufgrund ihrer Gefühle für einander wünschten, weshalb der Abschied etwas kalt aber durchaus glaubwürdig wirkt.
Bereits im Taxi, auf dem Weg zum Flughafen, erkennt er Charlotte in der Menschenmasse wieder, läuft ihr nach und hat so die Gelegenheit sich noch einmal von ihr zu verabschieden. Daß er sie in den Menschenmassen wieder erkannt hat, kann durchaus als Stilmittel interpretiert werden, das die Einzigartigkeit dieser kurzen, intensiven Beziehung noch einmal betonen will und den Protagonisten einen würdigen Abschied ermöglicht.

Fazit:
Lost In Translation will nicht kulturelle Differenzen aufzeigen, sondern sie als Gegebenheit nutzen, um über menschliche Beziehungen zu erzählen. Aufgrund der Intensität und Bedeutung dieser kurzen Beziehung vermittelt der Film ein positives Empfinden, da er zeigt, daß diese, trotz ihrer Kürze, Nachwirkungen im Leben beider haben wird. Eine aufbauende Erfahrung, die Kraft geben sollte, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.

 

"The more you see it [the movie], the more you realize
how fragile the interaction between people is
and how people can really change each other."
(Scarlett Johansson)
Wertung:
10/10 Punkte

































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