Batman: The Dark Knight (2008)

OT: The Dark Knight - 152 Minuten - Thriller
Batman: The Dark Knight (2008)
Kinostart: 21.08.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 04.03.2012
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Filmkritik zu Batman: The Dark Knight

Von am

Some men just want to watch the world burn.

Der neue Batman Film The Dark Knight, geschrieben und inszeniert vom großartigen Chrisopher Nolan, der spätestens seit Memento alle Filmfans hellhörig machen sollte, hatte kurz vor seinem Start in den USA einen Hype erreicht wie man ihn kaum zuvor gesehen hatte. Bereits ein Jahr vor dem Kinostart wurde der Grundstein für dieses Ereignis gelegt, als man nach und nach begann erste Infos zu veröffentlichen, schließlich die ersten Bilder präsentierte, und das Lauffeuer wurde endgültig ausgelöst, als man den ersten Trailer veröffentlichte, der bestätigte was man sich bereits aus den Bildern interpretieren konnte: Heath Ledgers Joker wird denkwürdig werden.

Und dann geschah eine Tragödie, die keiner vorhersehen konnte: Der gepushte Heath Ledgar verstarb, hatte allerdings bereits all seine Szenen abgedreht, sodass The Dark Knight der letzte Film werden sollte, den er fertig gedreht hatte. Dies ist mit Sicherheit ein wesentlicher Faktor für die gigantische, mediale Aufmerksamkeit die The Dark Knight erhielt. Zusätzlich zu Ledgers tragischem Verlust startete eine riesige virale Kampagne im Internet und rund um Heath Ledgers verstörenden Joker entstand nach und nach ein Mythos, sodass man fast vergessen könnte, dass die eigentliche Hauptfigur Batman heißt. Schließlich kam es am Starttag in den USA am letzten Freitag so wie es kommen musste: The Dark Knight spielte mehr Geld durch Mitternachtsvorstellungen ein als jeder andere Film, startete mit den meisten Kopien aller Zeiten und stand nach dem ersten Tag im Kino bereits bei einem Einspielergebnis von 66 Millionen Dollar. Soviel wie noch kein Film jemals zuvor. Außerdem konnte sich der Film bereits einen Tag nach der Kinopremiere den vorläufigen ersten Platz der berühmten Imdb.com Top 250 sichern. Es kann zwar gerne bezweifelt werden, dass er diesen Platz allzu lange halten wird, aber der Vorfreude wird dadurch noch einmal zusätzlicher Zündstoff beigemengt. Da stellt sich doch eigentlich nur die Frage ob der Film denn seinem Hype standhalten kann. Und es ist schön darauf etwas Positives sagen zu können: The Dark Knight ist sogar noch besser als man vermutet hatte.

Während Wayne Manor noch immer im Wiederaufbau ist, muss sich Bruce Wayne (Christian Bale) mit seinem Penthouse in der Stadt als Lebensraum begnügen. Doch der Milliardär, der Abends als Batman das Böse von den Straßen fegt, hat ohnehin andere Probleme: Der wahnsinnige Joker (Heath Ledger) zieht eine Spur der Verwüstung durch Gotham City und scheint vor nichts und niemandem halt zu machen. Doch unter all diesen dunklen Wolken, zeichnet sich auch ein Lichtblick ab: Der junge, mutige und aufopfernde Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) traut sich als einer der wenigen die Zügel in die Hand zu nehmen und gegen das Verbrechen vorzugehen. Gemeinsam mit seiner Kollegin Rachel Dawes (Maggie Gyllenhaal), zu der er sich nicht nur freundschaftlich hingezogen fühlt, dem couragierten Lt. James Gordon (Gary Oldman) und natürlich dem maskierten Rächer Gothams, erklärt er dem Verbrechen den Krieg. Doch der Joker kann da natürlich nicht lange zusehen…

Nachdem Regisseur Christopher Nolan vorwiegend durch seine durchdachten, kreativen und intelligenten Independetfilme Following, Memento und teilweise auch Insomnia für Aufsehen sorgte, verschlug es ihn zu einer Comicserie, und während viele Kritiker schon posaunten, der kreative Regisseur hätte sich an die Studios verkauft, sorgte sein ambitionierter und großartiger Batman Begins für einen großen Hit, der Publikum wie Kritiker gleichsam begeistern konnte. Doch trotz aller Klasse musste er sich eingestehen, dass sein Einstieg in die Batman-Welt durchaus auch mit Schwächen zu kämpfen hatte: Der Bösewicht war vielen zu kraft- und farblos, Katie Holmes war den meisten ein Dorn im Auge und auch die Actionszenen waren noch nicht wirklich perfekt. Nun scheint es beinahe so, als hätte er sich diese Fehlerliste hergenommen, und sie für den Nachfolger konsequent abgearbeitet.

Also hat man einfach anstatt die Storyline von Scarecrow großartig fortzuführen alles auf einen neuen Bösewicht gesetzt. Gut, Scarecrow hat ziemlich am Beginn noch einen kurzen Auftritt, doch danach konzentriert sich alles auf den Joker als zerstörerische, aber vor allem beeindruckende Kraft der Verwüstung, und für alle die sich bisher nicht gerade versteckt haben vor dem Promomaterial zu The Dark Knight, sollte es auch keine große Überraschung mehr sein, dass es auch ein weiterer alter Bekannter aus dem Batmanuniversum in den Film geschafft hat: Two-Face, doch seine Geschichte ist eine ganz besondere, die sich wohltuend aus dem Pulk der klassischen Schurkenstorys der Comicverfilmungen abhebt. Katie Holmes wurde schließlich einfach ersetzt und die Actionszenen, die in The Dark Knight so unglaublich großartig in Szene gesetzt werden, lassen alle vorigen Batman Filme wie Kinderfilme wirken. The Dark Knight sprengt wahrlich Grenzen auf jeder Ebene.

Während Literatur- und Theaterverfilmungen seit jeher zum festen Bestandteil der Filmindustrie gehören, von allen Seiten akzeptiert werden und großteils die größte Anerkennung bekommen, haben es andere Adaptionen nicht ganz so leicht. Am Unbeliebtesten unter Kritikern sind sicher die Videospielverfilmungen, die aber durch die großteils miese Qualität selbst für dieses Schicksal verantwortlich sind. Da fehlt noch ein gutes Stück, um diese Filmform wirklich zu etablieren, aber Comicverfilmungen haben teilweise zu Unrecht einen etwas schlechteren Ruf. Man muss natürlich zugeben, dass es durchaus viele Comicverfilmungen gibt, die auch von den Kritikern geschätzt werden, aber doch scheint es so, als wären sie gegenüber Romanverfilmungen immer Filme auf simplerem Niveau, denen gerne die Substanz abgesprochen wird. Und hier ist The Dark Knight wohl die Erlösung: The Dark Knight ist aus meiner Sicht nicht nur der deutlich beste Batman Film aller Zeiten, es ist auch die bis dato beste Comicadaption überhaupt. Er hebt sich mühelos an die Spitze seines Genres und könnte das Referenzwerk für die Industrie werden, das endlich die Comicverfilmung als ernstzunehmendes Kunstwerk etabliert.

Christopher Nolan ist nun wohl am Zenit seiner Fähigkeiten angelangt. Mit seinem Erstlingswerk Following lieferte er noch einen filmisch ungeschliffenen Beitrag, der vor allem durch die visionären Gedankenspiele des Regisseurs lebte, sein Memento ist ein moderner Neo-Noir Klassiker, der erneut vorwiegend durch das großartige Drehbuch von Christopher Nolan lebt, aber in dem der talentierte Regisseur auch beweisen konnte, dass er ein fabelhaftes Händchen für ein dichte Atmosphäre hat. Mit Insomnia, das bisher einzige Remake Nolans, sah er sich einer vorgegebenen Geschichte konfrontiert, holte aber wie gewohnt durch sein Talent als Autor das bestmöglichste heraus und vor allem versuchte er sich das erste Mal an einer starken Konzentration auf das Ensemble. Mit seinen nächsten beiden Filmen The Prestige und Batman Begins zeigte er noch einmal eindrucksvoll seine bereits bekannten Talente, übte sich aber das erste Mal darin wirklich bemerkenswerte Bilder zu kreieren. Und da sind wir wieder bei The Dark Knight angelangt: Der Film der alle Fähigkeiten Nolans in Perfektion vereint und ihm erlaubt alles bisher Gelernte anzuwenden.

Doch Christopher Nolan ist intelligent genug keinen Aspekt über den anderen zu stellen. Viele Comicverfilmungen neigen dazu die Schauwerte über den Rest zu stellen, was wohl dazu beigetragen hat, dass das Genre nicht gerade den besten Ruf genießt, aber The Dark Knight vereint alle Aspekte zu einem beeindruckenden Ganzen. Im Kern steckt das durchdachte, beeindruckende und tragische Drehbuch von Christopher Nolan und Jonathan Nolan (basierend auf einer Geschichte von Christopher Nolan und David S. Goyer) und rund herum wurde soviel Perfektion angesammelt wie nur irgendwie möglich war: Da wäre der unglaubliche Cast, der bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt ist, der überraschend intelligente Subtext der sich entwickelt und natürlich die visuelle Brillanz, die wie eine Bombe einschlägt und den Zuseher förmlich in den Kinosessel presst und zu erschlagen droht.

Teile des Films wurden im IMAX Format gedreht, und jeder dem sich irgendwie die Möglichkeit bietet, der möge die Chance nutzen und The Dark Knight im IMAX Kino sehen. Doch auch für das reguläre Kino sind die visuelle Ästhetik und die handwerkliche Brillanz schon fast beängstigend überwältigend. Seien es die glitzernde Fassaden Hongkongs, oder die dunklen, düsteren und unüberschaubaren Straßenschluchten Gothams, stets kann man sich nur gebannt zurücklehnen und versuchen die Kinnlade oben zu behalten. Doch natürlich verkommt diese visuelle Perfektion nicht zum reinen Selbstzweck, sondern dient vor allem dazu den Zuseher tiefer und eindringlicher in diese Welt zu ziehen. Eingezwängt in die dreckigen Straßen Gothams, umzingelt von Verbrechern, arbeiten sich die großartigen tragischen Figuren noch tiefer in unser Herz.

The Dark Knight sprengt wirklich jeden Rahmen, der eigentlich um einen Sommerfilm mit solchem Budget gelegt ist. Das Setting ist rau, ungemütlich, hart und brutal. Auch ich schätze den ersten Batman Film von Tim Burton, aber nach diesem beinharten Meisterwerk wirken alle vorigen Batman Filme nur wie blanker Hohn. The Dark Knight ist so etwas wie der Erbarmungslos der Franchise: Ein krachender, erschütternder und tief greifender Abgesang auf die Werte des Genres und gleichzeitig eine radikale urbane Großstadtballade über die globalen Missstände in der Post-09/11 Ära in der man stets hinter sich blicken muss, um auch sicher zu gehen, dass man den Tag unbeschadet übersteht.

Batman Begins hat einst die Batman Franchise aus dem Grabe gehoben, und uns gezeigt wie aus dem reichen Bruce Wayne der tollkühne Batman wurde. Der Film beleuchtete einen Menschen, der versuchen wollte alleine etwas gegen die zunehmende Korruption und die Macht der Verbrecher zu unternehmen, die seine Stadt vergifteten. Ein wesentliches Konzept dabei war der Bezug zur realen Welt, denn Batman ist kein Superheld im herkömmlichen Sinn, sondern auf technische Spielereien und reine Muskelkraft angewiesen um sich zu wehren. The Dark Knight schließt nun nahtlos an Batman Begins an, und zeigt uns was es bedeutet als Batman schließlich Erfolg hat und sich gegen die Verbrecher zur Wehr setzt.

Bruce Wayne: I knew the mob wouldn't go down without a fight. But this is different. They crossed the line.
Alfred Pennyworth: You crossed the line first, sir. You hammered them. And in their desperation they turned to a man they didn't fully understand. Some men aren't looking for anything logical. They can't be bought, bullied, reasoned or negotiated with. Some men just want to watch the world burn.

Dies ist einer der zentralen Dialoge im Film, zwischen Batman und Alfred und bringt die Ausgangslage in Gotham auf den Punkt: Batman hat die Verbrecher in die Enge getrieben, hat sich selbst über das Gesetz gestellt um das Verbrechen zu zerschlagen. Viele sind sich gar nicht mehr sicher ob Batman überhaupt einer der Guten ist, oder ob er nicht selbst ein Verbrecher ist. In ihrer Verzweiflung entschließen sich die Verbrecher einen Schritt in Richtung Chaos zu gehen. In Richtung des Jokers, der wie er selbst sagt gar nicht vor hat Batman zu töten: „I don't want to kill you. What would I do without you?“. Der Joker ist dabei ein höchst mysteriöser Gegenspieler. Mit den gewöhnlichen gewinnorientierten Gangstern hat er nur wenig gemeinsam.

Viel mehr liegt ihm an der moralischen Prüfung seiner Gegenspieler, und er ist konsequent genug um sich auch selbst nicht aus dem Spiel zu nehmen. Stattdessen legt er sein eigenes Leben liebend gerne in die Waagschale und geht Risiken ein. Dabei entwickelt er eine sadistische Freude dafür die moralischen Überzeugungen seiner Opfer auszutesten. Um dem geneigten Leser den Filmgenuss nicht zu trüben will ich nicht näher auf die moralischen Psychospiele des Jokers eingehen, da es eine Sünde ist die überraschenden Momente des Films vorweg zu nehmen, aber er selbst beschreibt seinen Anreiz recht gut: In den letzten Augenblicken des Lebens zeigt der Mensch sein wahres Gesicht. Und es ist dem Joker sichtlich eine reine Freude in dieses Gesicht zu blicken.

Doch überraschenderweise ist weder der Joker noch Batman die zentrale Figur des Film, sondern Harvey Dent, dessen emotionale Berg- und Talfahrt der wohl berührendste Aspekt des Films ist. Zu Beginn sind die Rollen klar verteilt: Der Joker ist die Kraft der Zerstörung, fast wie eine Naturgewalt, die durch Gotham fegt und Batman ist der dunkle Ritter, der ihm hinterher jagt. Doch Batman beginnt an seiner Aufgabe zu zweifeln. Gotham braucht keinen Dämon, der sich hinter einer Maske verbergen muss, da er sonst selbst ins Fadenkreuz geraten könnte, sondern einen strahlenden weißen Ritter: Harvey Dent. Und der Joker versteht es wiederum wie kein anderer diese Fronten umzudrehen, die schwarz-weiß Zeichnung aufzuweichen und schließlich wie ein Vorschlaghammer in Harvey Dents Leben zu schlagen. Der vielleicht wichtigste Satz des Films, der nicht nur die Story wiedergibt, sondern vor allem die Aufgabe Batmans, im Grenzgebiet zwischen Recht und Unrecht, gekonnt in Frage stellt, ist dabei Harvey Dents: „You either die a hero, or live long enough to see yourself become the villain." Dent selbst soll diesen Satz ja später am eigenen Leib zu spüren bekommen.

The Dark Knight zaubert dabei eine Atmosphäre des Terrors, der Zerstörung und der Verzweiflung. Hier gibt es keinen Superhelden, der jede schreckliche Tat verhindern kann, sondern ambivalente und tief greifende Figuren an allen Ecken, speziell natürlich im königlichen Dreieck aus Batman, Harvey Dent und dem Joker. The Dark Knight ist erwachsene Unterhaltung, die zwar in den USA überraschenderweise eine PG-13 Freigabe bekommen hat, die aus meiner Sicht aber nicht für ein solch junges Publikum geeignet ist. Dabei geht es noch nicht einmal sonderlich um die zweifellos vorhandene Brutalität, sondern vor allem darum, dass The Dark Knight in jeder Faser auf ein erwachsenes Publikum ausgerichtet ist. Das gilt für die hintergründige Story genauso wie für den reifen Aufbau der Geschichte, dem mutigen Umgang mit dem Zuseher, was in der Welt der glatt gebügelten Unterhaltung wahrlich nicht selbstverständlich ist, und vor allem gilt es für die moralische Ambivalenz des Films. Aus meiner Sicht wird eine gewisse geistige Reife durchaus benötigt um seine Freude an The Dark Knight zu haben. Also mit dem knalligen Popcorn Erlebnis alá Spider-Man hat dieser Film Gott sei Dank nicht viel gemeinsam.

Besonders ist auch sicher, dass The Dark Knight viel mehr Ensemblefilm ist, als man es aus dem Genre gewohnt ist. Batman Begins war ganz klar die Geschichte von Bruce Wayne und seiner Transformation zu Batman. Er bildete das Zentrum, und der Rest war mehr oder weniger Beiwerk zu seiner Geschichte. The Dark Knight ist nun viel mehr die Geschichte einer verseuchten Stadt, die im Sumpf der Gewalt zu versinken droht. Das düstere Gotham bildet den Mittelpunkt und rundherum stehen die Geschichten und Entwicklungen der verschiedenen Figuren. Und wie es zu einem solchen Ensemblefilm gehört sind die Schauspieler alle Extraklasse: Selbst in den Nebenrollen tummeln sich solche Namen wie Michael Caine und Morgan Freeman, aber die drei Hauptdarsteller sind wirklich vom Allerfeinsten.

Christian Bale überzeugte bereits in Batman Begins, aber spätestens nach The Dark Knight sollte allen klar sein, dass er der mit Abstand beste Batman ist, den wir je auf der Leinwand gesehen haben. Irgendwo habe ich kürzlich den Vergleich mit Der Pate 2 im Internet gelesen, und in der Tat passt dieser Vergleich wie die Faust aufs Auge: Batman ist ein gebrochener Held mit der Tragik eines Michael Corleone. Christian Bale meistert sowohl die physischen als auch die psychischen Aspekte seiner Rolle und erweist sich als eindrucksvoller und facettenreicher Batman. Die größte Überraschung des Films ist mit Sicherheit Aaron Eckhart, von dem man in den Trailern noch nicht allzu viel gesehen hat. Wahrscheinlich ist sein Part der schwerste des Films, da seine Rolle eine radikale Wendung erfährt, und in der kraftvollen und vor allem ergreifend tragischen Performance von Eckhart manifestiert sich das ganze Drama seiner Figur. Wirklich bemerkenswert.

Doch wie man sich nach den Trailern bereits denken konnte ist es ein anderer der die große Show des Films liefert: Heath Ledgers Joker ist brillant, verstörend, imposant und kriecht unter die Haut. Vielleicht ist der Vergleich etwas unpassend, geht Tim Burtons Batman doch generell in eine andere Richtung, aber gegen den psychopathischen Auftritt von Heath Ledger, der als krankhafter Soziopath die Stadt unsicher macht und dabei so unberechenbar wirkt, dass man keine Ahnung hat in welche Richtung der Film im nächsten Moment abdriftet, wirkt Jack Nicholsons Joker nur wie ein harmloser Pausenclown. Durch den tragischen Tod von Ledger bekommt seine Performance natürlich eine gewisse morbide Wirkung, die einen Effekt auf der Leinwand erreicht wie man ihn unter normalen Umständen kaum erreichen könnte, und seine Performance noch zusätzlich verstärkt, aber ganz unabhängig von dieser Tatsache erreicht seine Leistung eine Kraft, die den ganze Film über allgegenwärtig ist, und stets eine Aura der Unruhe erzeugt. Man kann sich nie sicher fühlen, da der Joker immer wieder überraschend zuschlagen könnte. Viele Kritiker und Künstler meinen bereits, dass man ihn postum mit dem Oscar auszeichnen sollte. Dies ist ein sehr interessantes Thema, denn auf der einen Seite ist seine Leistung wirklich oscarreif und großartig, aber andererseits würde ein lebender Heath Ledger wohl kaum die Goldstatue für diese Rolle bekommen, was dem ganzen wieder einen etwas bitteren Nachgeschmack verleihen würde. Doch man muss wohl erst auf die Konkurrenz warten, bevor man sich in diesem Punkt festlegt. Wie dem auch sei, Heath Ledgers Performance ist ganz große Schauspielkunst und für die Ewigkeit bestimmt, auch ohne Oscar.

Neben all den soziologischen Aspekten von The Dark Knight und seiner unglaublich substanziellen und überraschend hintergründigen Geschichte sind die Special Effects und die großartigen Actionsequenzen das Sahnehäubchen. Christopher Nolan hat seit Batman Begins sichtlich einiges dazugelernt was diesen Punkt betrifft. Als Zuseher fühlt man sich mitten im Geschehen, ist ständig unter Spannung, da alles unberechenbar wirkt und fiebert mit den Figuren mit, da man sich wirklich in die Geschichte integriert fühlt. Nolan versteht es ausgezeichnet seine Action durchzukomponieren. Das Tempo ist rasend, die visuelle Ebene blendend und der Sound presst den Zuseher förmlich in den Sitz. Über allem schwebt der brillante Score, der das Geschehen zu einem hypnotischen Tanz der Gewalt formt. Ja, The Dark Knight ist ein perfekter Film auf allen Ebenen und es fällt schwer an diesem Punkt an einen dritten Teil zu denken. Denn The Dark Knight steht mit beiden Beinen sicher am Podest der Comicverfilmungen, und eigentlich kann es nach diesem gigantischen Wurf nur mehr bergab gehen. Falls es überhaupt noch erwähnenswert ist: The Dark Knight ist mit Sicherheit der Film des Sommers, und jeder der ihn versäumt, ist selbst schuld.

Fazit:
The Dark Knight ist in gewisser Weise wie Clint Eastwoods Erbarmungslos: Ein kraftvoller, melancholischer aber vor allem tragischer Abgesang auf die alten Werte der Comicverfilmungen. Das Drehbuch von Christopher und Jonathan Nolan ist überraschend intelligent und tiefgreifend, Nolans Vision als Regisseur schlicht visionär und das gesamte Setting von The Dark Knight, als dunkler, brutaler Hexenkessel der Gewalt einzigartig. The Dark Knight ist nicht nur perfektes Entertainment, er ist der künstlerische Paukenschlag auf den das Genre der Comicverfilmungen bis heute warten musste: Das Kinoereignis des Sommers, das den endgültigen Beweis liefert, dass es auch tempo- und actionreiche Comicverfilmungen gibt, die trotzdem nichts an Substanz und Subtext einbüßen. Keine Anbiederung an die üblichen Konventionen, keine glatten Figuren und keine Sicherheit: The Dark Knight ist brutale, gewalttätige Anarchie der man alles zutrauen würde. Zu diesem Zeitpunkt ist The Dark Knight nicht nur der mit Abstand beste Batman Film, sondern die beste Comicverfilmung überhaupt. Und außerdem ist es einer der wenigen Filme, die es nicht nur schaffen einen gigantischen Hype zu kreieren, sondern es dann auch noch schaffen trotz diesen hohen Erwartungen noch positiv zu überraschen. Hier sollte es keine Ausreden mehr geben: Jeder der Filme mag, sollte es sich um nichts um der Welt nehmen lassen an diesem Ereignis teilzuhaben. Ein Meisterwerk!

Wertung:

10/10 Punkte

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Ø Wertung: 8.4/10 | Kritiken: 5 | Wertungen: 178
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