You Kill Me

OT: You Kill Me   -  93 Minuten -  Gangsterkomödie 
You Kill Me
Kinostart: 08.08.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Ein Auftragsmörder für die polnische Mafia zu sein, ist mit Sicherheit ein stressiger Beruf, doch noch lange kein Grund ein hemmungsloser Alkoholiker zu werden, der sich während seinen Aufträgen vollaufen lässt und daher einschläft, während er mitten auf eine Zielperson lauert. Das verheerende Resultat daraus ist denkbar einfach, die zu tötende Zielperson, das Oberhaupt einer rivalisierenden Bande, überlebt. Die Konsequenz die daraus gezogen wird, ist ebenfalls einfach. Frank (Ben Kingsley), eben jener ständig alkoholisierte Auftragskiller, soll von Buffalo nach San Francisco geschickt werden, um dort bei den Anonymen Alkoholikern einen Entzug zu machen, um sein Leben, und im weiteren Sinne auch seinen Job, wieder in den Griff zu bekommen.

Für Frank ist das ein Tiefschlag sondergleichen, muss er doch genau die zwei Dinge (vorerst) aufgeben, die er am besten kann und am liebsten macht, töten und trinken. Aber ihm bleibt keine Wahl, also macht er, was sein „Pate“ ihm befiehlt. Sobald er wieder nüchtern ist und endgültig vom Alkohol weg ist, darf er für sie wieder Menschen töten. Leichter gesagt als getan. In San Francisco findet er bald heraus, dass er nicht alleine ist und Menschen hat, die ihm dabei helfen. Vor allem als er Laurel (Tea Leoni) kennen lernt, scheint er endlich einen Grund zu haben, mit dem trinken endgültig aufzuhören...

Was gedacht war als eine zielsichere, scharfschießende, schwarze Komödie, erweist sich zusehends als ein Film mit immensen Ladehemmungen. Während der Film also ganz gut und vielversprechend beginnt, verschießt er viel zu schnell seine Munition, wodurch You Kill Me im Verlauf seiner Spielzeit immer mehr die, nach Alkohol riechende, Puste ausgeht. Obwohl durchaus Potenzial vorhanden ist, nutzt es der Film nicht aus und man könnte fast den Eindruck erlangen, dass die Beteiligten selbst, mehr als einmal einen über den Durst getrunken haben, während sie an diesem Film gebastelt haben. Vor allem die Darsteller agieren leider viel zu routiniert und man denkt sich bloß noch, dass man das alles schon mal woanders gesehen hat.

You Kill Me erscheint viel mehr bloß als Fragment eines Films, der nach zu vielen durchzechten Nächten entstanden ist und sich deshalb keiner mehr so recht an das erinnern kann, was sie zuletzt getan haben, ganz zu schweigen davon, was sie noch tun sollen. Stellenweise fühlt sich alles an wie ein böser Kater. Man fühlt sich wie ausgekotzt, schaut auch so aus und fragt sich eigentlich ständig, wie lange es wohl noch dauern wird, bis einem der Schädel explodiert. Aber man wacht zumindest mit der Gewissheit auf, dass es letzte Nacht spaßig war und heiß hergegangen ist. So ähnlich verhält es sich mit diesem Film. Er macht Spaß so lange er dauert, bietet kurzweilige, belanglose Unterhaltung, aber am nächsten Tag verblasst alles immer mehr und man hat nur mehr entfernte Erinnerungen an das was man da eigentlich gesehen hat. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass der Film keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, was zu einem großen Teil daran liegt, dass man alles schon mal in einer viel besseren Ausführung gesehen hat. Als ob man von einem edlen Tropfen zu Tetrapack Wein umsteigt, das Resultat ist das Gleiche, doch die Qualität ist anders.

Natürlich könnte man hergehen und mit aller Gewalt versuchen, philosophische und filmwissenschaftliche Analytik (*hust-hust*) anzuwenden, um unter größter geistiger Anstrengung, noch den letzten Tropfen Wodka aus dieser ausgezuzelten Filmflasche, mit dem mittlerweile etwas schalen Geschmack, herauszusaugen. Das Problem dabei wäre nur, dass man dadurch Aussagen und Interpretationsmöglichkeiten in eine viel zu kleine und schmale Flasche hineinpressen würde, wodurch der Film hoffnungslos dazu verdammt wäre vor Inhalt überzugehen, den er aufgrund seines zu geringen Volumens nicht fassen könnte. Ein Filmwissenschaftler wäre somit zum scheitern verurteilt, sähe er sich doch mit der Aufgabe konfrontiert, zwanghaft eine nicht vorhandene Bedeutung und Symbolik in diesen Film zu interpretieren.

Dennoch muss man dieser vermeintlich schwarzen Komödie, trotz des mangelnden Tiefgangs, eingestehen, dass sie durchaus ihren Unterhaltungswert hat und damit dem Zuschauer, zumindest dem Großteil seiner Dauer, eine nette Zeit bietet, nicht mehr und nicht weniger. Wer aber nach einem großartigen Film sucht, der einem nicht nur unterhält, sondern auch noch Inhalt und Substanz bietet, der muss enttäuscht weiter suchen, denn das wäre von diesem Film zu viel verlangt. Daher gleitet der Film in die Mittelmäßigkeit ab, bei dem weder die positiven noch die negativen Elemente überwiegen, und schenkt einem damit zwar ein freudiges Filmerlebnis, bei dem aber die gestellte Frage, ob sich dafür wirklich der Eintritt ins Kino lohnt, sehr wohl eine berechtigte ist.

Fazit:
You Kill Me ist auf der einen Seite unterhaltsam und hat ohne Zweifel einige gelungene Momente, auf der anderen Seite jedoch, ist der Film inhaltslos, da er beim Versuch eine bestimmte Substanz zu entwickeln, hoffnungslos scheitert und für das Publikum alles andere als eine geistige oder emotionale Herausforderung darstellt. Wer aber nach so etwas gar nicht sucht, sondern einfach reines, wenn auch zeitweise etwas abgestandenes und misslungenes, Entertainment sucht, der wird hier bestens bedient. Dadurch wird der Film zu einem zweischneidigen Schwert. Obwohl er einem stellen- und ansatzweise durchaus gefällt, stellt sich letzten Endes aber unweigerlich die zermürbende Frage, ob es das wirklich Wert war und inwiefern der Film den Zuschauer denn nun bereichert hat.

Bewertung:
5/10 Punkte

Filmering.at
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