Pans Labyrinth (2006)

OT: El labirinto del Fauno - 119 Minuten - Fantasy / Drama
Pans Labyrinth (2006)
Kinostart: 23.02.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
398
Bewerten:

Filmkritik zu Pans Labyrinth

Von am
In einem magischen Königreich unter der Erde träumt die Prinzessin davon einmal die Welt in ihrer ganzen Pracht zu sehen. Sie konnte ihren Aufpassern entfliehen, doch die gleissende Sonne löschte ihre Gedanken und schließlich starb die Prinzessin. Doch der König glaubt fest daran dass sie irgendwann wiederkehren wird. Wenn auch vielleicht in einer anderen Gestalt.

Spanien 1944: Die Truppen unter der Führung des faschistischen General Franko haben das Land übernommen und der Bürgerkrieg ist beendet. Die hochschwangere Carmen (Ariadna Gil) reist gemeinsam mit ihrer Tochter Ofelia (Ivana Baquero) zu einem entlegenen Militärposten, der von Carmens Mann, Hauptmann Vidal (Sergio Lopez), kommandiert wird. Nachdem Carmens erster Mann im Krieg gestorben ist, hat sie sich von der oberflächlichen Sorgfalt, mit der Vidal sie behandelt, blenden lassen und ihn geheiratet. Ofelia kann hingegen den wahren Charakter des Hauptmannes sehen. Er ist ein rücksichtsloser, brutaler und verbissener Anführer, der um jeden Preis seinen Auftrag erfüllen will.

Sein Ziel ist es, das Land von den letzten Rebellen zu befreien, die noch Widerstand leisten. Dabei geht er mit brutalster Härte vor und scheut nicht davor Gefangene zu foltern und Unschuldige zu erschiessen. Ofelia hingegen gibt sich lieber ihren Märchenbüchern hin und versucht dem Krieg zu entfliehen. Eines Nachts kommt eine Fee in ihr Zimmer und lockt sie nach draussen. In der Nähe des Hauses gibt es ein altes Labyrinth und die Fee bringt sie zu einem weiteren Fabelwesen: In der Mitte des Labyrinths wartet ein alter Faun, namens Pan, auf Ofelia, der glaubt in ihr die verschwundene Prinzessin der Unterwelt zu sehen. Um sie jedoch mitnehmen zu können muss Ofelia drei Prüfungen bestehen...

Pan´s Labyrinth unterscheidet sich grundlegend von allen anderen Fantasyfilmen und man wird mit dem, was man im Kino zu sehen bekommt, garantiert nicht rechnen. Zum Einen unterscheidet sich der Film schon dadurch von anderen Werken dieses Genres, da er im wesentlichen zwei völlig unterschiedliche Handlungsstränge hat, die zwar miteinander in Verbindung stehen, aber zur Gänze anderen Genres angehören. Der Großteil des Films ist ein emotionales Politdrama, das die Vergangenheit Spaniens beleuchtet und lediglich ein Drittel des Films ist der erwartete Fantasyfilm. Dies entpuppt sich auch als eine große Stärke des Films und auch wenn man sich an manchen Stellen mehr Fantasy gewünscht hätte, wird man spätestens am Ende entdecken warum dies so gelöst wurde.

Zum Anderen legt Pan´s Labyrinth keinerlei Wert auf die sonst für das Genre so übliche epische Handlung und gigantsche Schlachten. Statt dessen ist es ein sehr intelligenter und anspruchsvoller Film der sehr an ein Kammerspiel erinnert. Ausserdem ist es sehr schön einen Fantasyfilm zu sehen der ausschließlich nur für Erwachsene gemacht wurde. Dies kennt man bereits an der düsteren und pessimistischen Atmosphäre des Films und spätestens nach den ersten Gewaltszenen wird vollkommen klar dass Kinder in diesem Film nichts verloren haben. So wird zum Beispiel das detailierte Zerschlagen eines Gesichts mit einer Flasche gezeigt, etliche Kopfschüsse, eine Beinamputation und allerspätestens wenn Vidal beginnt seinen Gefangenen mit Hilfe eines Hammers und einer Beißzange zu verhören sollte jeder glücklich sein die Kinder zu Hause gelassen zu haben.

Doch man sollte sich durch die oben beschriebene Brutalität nicht einschüchtern lassen. Pan´s Labyrinth zelebriert die Gewalt nicht und meistens wird rechtzeitig weggeblendet und alles der Fantasie des Zusehers überlassen. Die düstere Atmosphäre des Films ist ein weiterer Höhepunkt und es ist bemerkenswert wie es Guillermo Del Toro schafft sowohl einen pessimistischen Ton anzuschlagen, als auch Hoffnung in den Herzen der Zuseher aufflammen zu lassen. Besonders am Ende wird man dies sehr stark zu spüren bekommen.

Das größte Lob verdient sich Pan´s Labyrinth allerdings zweifellos für den sehr gelungenen Brückenschlag zwischen der Fantasygeschichte und dem realen geschichtlichen Hintergrund. Hier spielt der Film seine größte Stärke aus und hebt sich von allen anderen Fantasyfilmen ab, da keiner eine vergleichbar perfekte und vorallem spielerisch einfach anmutende Implementierung einer Fantasywelt in die reale Welt schaffte. In ein bestimmtes Genre lässt sich der Film allerdings zu keiner Sekunde drängen. Am besten lässt er sich wohl als Fabel in einem politischen Drama bezeichnen. Sowohl auf intellektueller, als auch auf emotionaler Ebene kann dieser durchaus anspruchsvolle Film gefallen. Leider gibt es bei Pan´s Labyrinth auch einen Schwachpunkt, wenn auch nur einen ganz kleinen. In der Mitte des Films hat die politische Geschichte einen kleinen Durchhänger und weißt einige Längen auf. Dies zehrt etwas an den Nerven weil die Fantasystory so perfekt gelungen ist und man lieber noch etwas von dieser Geschichte gesehen hätte. Allerdings fängt sich der Film nach dem kleinen Absturz sehr schnell wieder und der Durchhänger ist bald vergeben und vergessen.

Im Kern ist Pan´s Labyrinth eine dunkel gezeichnete Fabel über Hoffnung und Liebe. Diese wird in einer sehr düsteren Umgebung erzählt und die dämonische Atmosphäre des Films ist sehr überzeugend. Der Film ist so etwas wie die Erwachsenenversion von Alice im Wunderland, mit politischem Hintergrund. Pan´s Labyrinth ist ein durchgezogenes, pessimistisches Stimmungsbild, dass es dennoch schafft dass einen warm ums Herz wird und das gerade durch seine düstere Handlung inspirierend ist und zum Denken anregt.

Weiters kann man die Macher nur für ihr sehr gelungenes Figurendesign bewundern. Besonders der Pale Man, das Monster, dass die Augen an den Händen hat, und der Faun, der Ofelia durch die Prüfungen führt sind sehr gut gelungen. Überhaupt ist die gesamte technische Leistung des Films ohne Makel. Von der Kamera, bis zur Ausstattung und den Kostümen passt sich alles perfekt in den Film ein. Ein ausserordentliches, und besonderes Lob verdient sich der Score des Films. Die Musik verstärkt die Gefühle in den dramatischen Situationen, führt als Emotionsleitfaden durch den Film und ist ausserdem ein richtiger Ohrwurm.

Ein weiterer Pluspunkt findet sich in den Schauspielern. Bis in die kleinste Nebenrolle überzeugen diese ausnahmslos. Doch besonders die Jugndarstellerin Ivana Baquero bleibt in Erinnerung, da sie es schafft den gesamten Film zu tragen und mit ihrer souveränen Performance alle Hürden zu meistern und in jeder Situation glaubwürdig zu sein. Und das ist sicher besonders in einem solchen Fantasy Film sehr schwer.

Fazit:
Pan´s Labyrinth ist ein Fantasyfilm der ganz anderen Sorte. Düster, pessimistisch und dennoch so voller Hoffnung und Wärme. Allerdings sollte man für diesen Film die Kinder zu Hause lassen, da es doch teilweise brutal wird. Dieser intelligente und emotional wuchtige Film ist Fantasykost für das anspruchsvolle Publikum und definitiv empfehlenswert. Lediglich ein kleiner Durchhänger in der Mitte des Films und die Tatsache dass man etwas mehr von der makellosen Fantasystory implementieren hätte sollen, verhindert hier die Höchstnote.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 94
10 /10
14%
9 /10
32%
8 /10
22%
7 /10
14%
6 /10
10%
5 /10
4%
4 /10
3%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
1%
Vielleicht interessiert dich auch
Ist das Leben nicht schön? (1946)
Fear and Loathing in Las Vegas (1998)
Prestige - Meister der Magie (2006)
Beasts of the Southern Wild (2012)
Big Fish - Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (2003)
Requiem For A Dream (2000)
Die Jagd (2012)
Hitchcock (2012)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Will ich sehen
Liste von LoreCornucopia
Erstellt: 03.09.2014
schon gesehen
Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013
Will ich sehen
Liste von gardiac2002
Erstellt: 13.12.2012
Alle Listen anzeigen