Der Pate 3

OT: -  169 Minuten -  Mafia Epos 
Der Pate 3
Kinostart: 21.02.1992
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Der Pate 3

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„Politik und Kriminalität sind ein- und dasselbe“

Nach sechzehn bzw. achtzehn Jahren eine Fortsetzung der beiden ersten Filme über die Familie der Corleones zu drehen, ist ein mutiges Unterfangen. Francis Ford Coppola wagte es, den „Bogen zu Ende zu spannen“. Das Dreiergespann Coppola, Mario Puzo und Gordon Willis machte sich an die Arbeit, der „Aufstieg und Fall“-Tragödie der Familie Corleone ein film-würdiges Ende zu verschaffen, dessen Ausgang sich an Dramatik kaum überbieten lässt. Es ist schwierig, diesen dritten Film zu verstehen, wenn man die ersten beiden Teile nicht kennt. Aber zum Glück der leidenschaftlichen Anhänger der Saga gibt es alle drei Filme à neun Stunden samt Zusatz-DVD mit etlichen Specials jetzt in einer entsprechenden DVD-Box.

Michael Corleone (Al Pacino), alt und grau, ist auf dem Höhepunkt seiner Macht, sein Imperium zu einem gigantischen Wirtschaftsunternehmen geworden. Wie die beiden ersten Filme beginnt auch Teil 3 mit einer Feier, einer Zeremonie der katholischen Kirche, ausgerichtet für den Mafia-Boss, der die vergangenen zwanzig Jahre damit zugebracht hatte, zu versuchen, aus der Illegalität seiner Geschäfte herauszukommen. Einer der höchsten Orden, den der Vatikan einem Laien verleihen kann, der St. Sebastian-Orden, wird Michael zuteil.

Seine Kinder sind inzwischen erwachsen. Tochter Mary (Sofia Coppola, Tochter des Regisseurs, ursprünglich sollte Winona Ryder diese Rolle bekommen) leitet die Corleone-Stiftung, die der Kirche einen Scheck über 100 Mio. Dollar zugunsten wohltätiger Arbeit in Sizilien übergibt. Sohn Anthony (Franc D’Ambrosio) allerdings weigert sich, irgendeine Position im Familienkonzern einzunehmen. Mit Hilfe seiner Mutter Kay (Diane Keaton) erreicht er, sich seinen Wunsch zu erfüllen und Opernsänger zu werden. Wir lernen Michaels Neffen, Sohn seines vor Jahren ermordeten Bruders Sonny, Vincent Mancini-Corleone (Andy Garcia) kennen, der seinem Vater sehr ähnlich ist: ein heißblütiger junger Mann, der glaubt, seine Feinde nur durch Mord bekämpfen und besiegen zu können.

Michael selbst versucht, aus dem Mafia-Sumpf herauszukommen und seine Geschäfte zu legalisieren. Dabei gerät er jedoch wiederum in illegale Bereiche. Sein Versuch, sich an dem katholischen Wirtschaftsimperium Immobiliare mit etlichen hundert Millionen Dollar zu beteiligen, stößt auf den Widerstand anderer Beteiligter, die für die Beteiligung Corleones Anteile an dessen Vermögen verlangen, und auf Korruption innerhalb des Vatikan. Coppola verknüpft hier die fiktive Geschichte der Corleones geschickt mit den realen Vorgängen zur Zeit des Todes Johannes Pauls I. und den Machenschaften der Vatikanbank. Wir lernen Frederick Keinszig (Helmut Berger) kennen, einen der korrupten Männer aus dem Vatikan, und auch die Mafia-Bosse Don Altobello (Eli Wallach) und den skrupellosen Joey Zasa (Joe Mantegna), der sein Geld mit Drogen macht und vor keinem Verbrechen zurückschreckt. Michael nimmt an einer Versammlung der verbliebenen Mafia-Bosse teil, um sie auszuzahlen und damit von ihnen los zu kommen. Die Versammlung endet in einem Blutbad, das Michael und Vincent nur knapp überleben.

Michaels Schwester Connie (Talia Shire), inzwischen eine Frau in mittleren Jahren, hat sich in die Abgeschiedenheit, ins Dunkle, in Michaels Schatten zurückgezogen und spinnt von dort ihre Fäden, vor allem zugunsten von Vincent, der ihr am Herzen liegt. Ihr verdankt es Vincent, dass Michael den jungen Mann an seine Seite stellt, allerdings auch, um ihn besser kontrollieren zu können. Vincent allerdings geht seine eigenen Wege. Nicht nur, dass er sich in Michaels Tochter Mary verliebt (und sie sich in ihn), was Michael nicht passt, weil er Mary dadurch in erhöhter Gefahr sieht. Vincent plant die Ermordung von Joey Zasa und führt sie durch – gegen den Willen Michaels. Und so wird auch Michael Corleone wieder in die kriminellen Machenschaften, von denen er loskommen wollte, hineingezogen – bis zum bitteren Ende ...

In der Gesamtschau der drei Teile des „Paten“ ist Teil 3 sicherlich der schwächste. Das hat mehrere Gründe. Zum einen vermisst man Robert Duvall als Freund, Rechtsanwalt und „Fast“-Bruder von Michael Corleone Tom Hagen. An seine Stelle trat George Hamilton als B. J. Harrison – eher als drehbuchgewollter Statist denn als Rolle mit glaubwürdigem Charakter. Andy Garcia als der dritte in der Reihe nach Marlon Brando als Vito Corleone und Al Pacino als dessen Sohn kommt den beiden Schauspielern nur ansatzweise nahe, obwohl er wirklich nicht schlecht spielt. Zentrale Figur bleibt aber auch in diesem dritten Teil der Saga Al Pacino, eine unglaubliche Leistung, die er über die Jahre hinweg ohne Einschränkungen erbrachte.

Dazu kommt, dass im Unterschied zu den beiden ersten Teilen der Abschlussfilm der Trilogie im Mittelteil etwas konfus wirkt. Allzu viele Schauplätze und Szenenwechsel nehmen dem Film teilweise die Homogenität des Geschehens, die Teil 1 und 2 so überwältigend machten. Ich hatte auch den Eindruck, dass Coppola sich teilweise zu sehr von Action- und Thriller-Moden leiten ließ, die inzwischen Einzug ins Kino gehalten hatten. Darunter leidet ab und zu die Geschichte.

Sofia Coppola, die für die wohl erkrankte Winona Ryder in die Rolle der Mary einsprang, macht ihre Sache demgegenüber nicht schlecht. Ihre Gespräche mit Andy Garcia und noch mehr die Gespräche und Auseinandersetzungen zwischen Al Pacino und Diane Keaton gehören zu den Höhepunkten des Films. Eine überaus bewegende Szene z.B. ist die, als Kay Michael im Krankenhaus besucht. Michael, an Diabetes erkrankt, liegt mit Schläuchen im Bett. Kay sagt, dass sie ihn zum ersten Mal hilflos sehe. Diese Szene gehört zu den ergreifendsten des ganzen Films. Beide lieben sich noch immer und können dennoch nicht zusammen leben. Die Szene veranschaulicht die Tragik dieser Situation. Ähnliches gilt für die Schlusssequenz des Films, als Michael und Kay Anthony in der Oper zusehen und zuhören, gleichzeitig andere Michaels Tod planen. Vincent, Michael treu ergeben, ist damit beschäftigt, alle Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, um das Leben Michaels und seiner Familie zu schützen. Es kommt jedoch zu einer Katastrophe.

Trotz der genannten Mängel fügt sich Teil 3 der Trilogie nahtlos in dieses Epos, diese Familien-Saga der Corleones ein. Die Tragik dieser Familienchronik wird in Teil 3 sogar besonders deutlich, denn der Versuch Michaels, aus der Illegalität herauszukommen, scheitert. Die Sünden und Verbrechen der Vergangenheit kann er nicht vergessen machen oder sich von ihnen loskaufen. Je mehr er glaubt, Kontrolle über das aus der Kriminalität entstandene Imperium zu erlangen, desto mehr holt ihn die Vergangenheit ein. Vergebung ist nicht käuflich. Der Preis, den er letztlich zahlen muss, hat nichts mit Geld zu tun, sondern mit dem, was er am meisten liebt. Ist er Opfer seiner eigenen Taten, oder ist seine Tragik Ergebnis der Umstände, in die er hineingeboren wurde? Hätte er überhaupt anders handeln können, und wenn ja, wo lagen die Weichen, die er anders hätte stellen müssen? Über die Mafia-Geschichte und die spezifische Mentalität der sizilianischen Tradition, der er entstammt, hinaus verweist die Trilogie – auch in ihrem letzten Teil – auf Fragen, die über die Familienchronik der Corleones hinausführen. „Politik und Kriminalität sind ein und dasselbe“, heißt es im Film. Aber wie steht es mit Macht, Korruption, Intrige, Familie, Kriminalität außerhalb von Politik und organisiertem Verbrechen?


Wertung:
8/10 Punkte

Quelle: Follow-me-now.de / Ulrich Behrens


Oscar:

Nominiert:
* 1990 - Bester Film
* 1990 - Beste Regie
* 1990 - Bester Nebendarsteller - Andy Garcia
* 1990 - Beste Ausstattung
* 1990 - Beste Kamera
* 1990 - Bester Schnitt
* 1990 - Bester Song

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