Letters from Iwo Jima

OT: -  142 Minuten -  Kriegsdrama
Letters from Iwo Jima
Kinostart: 23.02.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Letters from Iwo Jima

Von am

Die Briefe, die erst kürzlich auf Iwo Jima gefunden wurden, sind die letzten Worte einer Armada an gefallenen toten japanischen Soldaten. Sie ließen im zweiten Weltkrieg ihr Leben um die Insel Iwo Jima, den letzten Vorposten vor ihrem Heimatland, zu verteidigen. Sie kämpften bis zum letzten Mann und am Ende waren die tiefschwarzen Sandstrände der Insel mit Blut getränkt. Nachdem Regisseur Clint Eastwood bereits in seinem kürzlich erschienenen Flags of our Fathers die amerikanische Seite dieser Schlacht bleuchtete und leider künstlerisch damit nicht den erhofften Erfolg feierte, folgt nun mit Letters From Iwo Jima die japanische Seite. Dieser Film ist nicht nur in einer anderen Sprache gedreht, sondern überzeugt auch in allen Punkten wo Flags of our Fathers scheiterte. Chapeau Mr. Eastwood!

 

Der japanische General Tadamichi Kuribayashi (Ken Watanabe) wurde dazu ausgewählt um die Insel Iwo Jima zu verteidigen. Er hat in Amerika studiert und kennt deshalb die Stärken und Schwächen des Feindes. Nachdem er auf der Insel ankommt, wirft er das ursprüngliche Konzept über den Haufen. Die Soldaten dürfen nicht mehr von den Vorgesetzen geschlagen werden und anstatt sich auf eine direkte Strandverteidigung zu konzentrieren, die sie seiner Meinung nach gegen die Übermacht der Amerikaner hoffnungslos verlieren würden, sollen sie die Insel mit einem Tunnelsystem durchziehen und eine alternative Verteidigungsvariante probieren. Die alten Offiziere wehren sich gegen die Pläne ihres Generals, doch mit Hilfe seines Freundes, dem Olympiasieger Oberstleutnant Takeichi Nishi (Tsuyoshi Ihara), kann er seine Pläne durchziehen. Egal was passiert, die Insel Iwo Jima muss bis zum letzten Mann verteidigt werden...

 

Wir sehen Tadamichi Kuribayashi mit seinen amerikanischen Freunden: "Was würden sie tun wenn unsere Nationen im Krieg wären? Ich würde meine Pflicht tun und für mein Land kämpfen. Aber dazu wird es nicht kommen." Dann folgt ein Schnitt und der Zuseher ist gemeinsam mit ihm auf Iwo Jima wo er einen militärischen Plan gegen seine alten Freunde entwirft. Diese Szene unterstreicht nur zu gut was Clint Eastwood uns in seinem neusten Film sagen will: Warum führen Menschen eigentlich Kriege? Sind wir so unterschiedlich, dass wir nicht gemeinsam in einer Welt leben können? Er will uns darauf hinweisen dass man es nie wieder soweit kommen lassen darf das Eltern ihre Kinder und Frauen ihre Männer in den Tod schicken müssen. Und am Ende des Films hat man diese Botschaft so gut verstanden wie nach keinem anderen Antikriegsfilm zuvor.

 

Letters of Iwo Jima beginnt gemächlich mit den Vorbereitungen der Japaner auf die Landung der Amerikaner. Während man in Flags of our Fathers noch alles aus amerikanischer Sicht sah, und der Feind quasi gesichtslos blieb, ist es hier genau umgekehrt, nur mit dem Unterschied dass man den Feind bereits aus dem anderen Film kennt. Deshalb ist es auch sehr wichtig dass man sich beide Werke um die Schlacht ansieht. Flags of our Fathers hat zwar für sich genommen sehr viele Schwächen, aber er unterstützt den Filmgenuss von Letters from Iwo Jima doch sehr. Nur wenn man beide Werke gesehen hat, kann man die epochale Wucht von Letters from Iwo Jima richtig begreifen und auch seine innovative Herangehensweise, dass es in dieser Geschichte weder gut noch böse gibt.

 

Es sind alles nur Menschen die sich auf der Insel gegenseitig töten, ohne selbst zu wissen wie ähnlich sie sich doch sind. Als ein japanischer Offizier Anweisungen gibt einen verwundeten amerikanischen Soldaten zu verarzten entsteht dieser sehr wichtige Dialog: "Warum sollen wir ihn verarzten. Die Amerikaner würden so etwas für uns auch nicht tun!" "Hast du jemals einen getroffen mein Sohn?". Diese sehr wichtige Botschaft zieht Clint Eastwood durch den gesamten Film und verdeutlicht somit immer wieder in kleinen Hinweisen dass es weder gut noch böse gibt. Zwar gibt es auf beiden Seiten Ausnahmen, aber auch in diesem Punkt sind beide Nationen gleich: Wozu also der Krieg?

 

Letters from Iwo Jima ist in allen Punkten besser als sein Partnerfilm Flags of our Fathers. Während Flags of our Fathers sicher der Mainstrem tauglichere Film ist, aber auf künstlerischerischer Ebene untergeht, ist Letters from Iwo Jima das genaue Gegenteil. Am Anfang erreicht der Film eine lyrische Schönheit, um sich dann mit nicht weniger Kraft der Schlacht zu widmen. Das Besondere ist dass sich der Film nicht um die Politik kümmert, sondern sich nur auf die Soldaten konzentriert. Die Charaktere des Films sind sein Mittelpunkt und an manchen Stellen erinnert Letters from Iwo Jima mehr an ein starkes Charakterdrama als an einen Antikriegsfilm.

 

Doch selbstverständlich kommt auch der Krieg nicht zu kurz. In manchen Szenen werden geschickt Brücken zu Flags of our Fathers geschlagen, aber das Besondere ist hier dass Letters from Iwo Jima es schafft groß zu wirken ohne wirklich epische Gefechte zu zeigen. Die Kämpfe selbst finden meistens zwischen kleineren Gruppen statt und lediglich die im Hintergrund auftauchende Schiffsflotte der Amerikaner weißt auf eine gigantische Schlacht hin. Dieser dezente Regiestil von Eastwood wirkt sich sehr positiv auf die athmosphärische Dichte des Films aus. Auch schafft man es sehr gut die japanische Kultur zu bleuchten und die eingestreuten Suizidszenen gehen einen als Zuseher sehr nahe.

 

Die Optik des Films ist ähnlich wie Flags of our Fathers in einem sehr stimmigen blassen Farbton gehalten. Die fast schon monochromen Farben ergeben besonders durch den schwarzen Sand von Iwo Jima eine sehr schöne und vor allem einzigartige Optik. Doch die Fehler des Partnerfilms wurden nicht gemacht. So fand ich es in Flags of our Fathers sehr störend dass die Geschichte immer zwischen Amerika und Iwo Jima hin- und hersprang und man sich als Zuseher nirgendwo einfinden konnte. In Letters from Iwo Jima konzentriert man sich wirklich nur auf den Krieg und versucht nicht paralell dazu eine andere Geschichte zu erzählen. Zwar gibt es auch hier ein paar Rückblenden, doch diese wirken sich nur positiv auf den Film aus, da sie die Charaktere näher beleuchten und auch wesentlich besser eingesetzt wurden. Letters from Iwo Jima ist all das, was Flags of our Fathers gerne wäre: Ein anspruchsvoller, stilsicherer und vor allem sehr guter Film.

 

Fazit:

Clint Eastwood taucht mit Letters from Iwo Jima tief in die japanische Mentalität und Kultur und liefert einen Film der das amerikanische Gegenstück Flags of our Fathers in jedem Punkt schlägt. Man schafft es sowohl die Grausamkeit des Krieges zu zeigen, als auch einen Film zu schaffen, der auf poetische Weise zum Denken anregt. Die Schauspieler agieren wie man es in einem Clint Eastwood Film erwartet fabelhaft und auch ansonsten tun sich keine Kritikpunkte auf. Die Enttäuschung durch Flags of our Fathers ist dank diesem Film auf jedenfall vergeben und vergessen. Danke für dieses Meisterwerk!

 

Wertung:

9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 8.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 28
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