Wanted

OT: -  110 Minuten - Action
Wanted
Kinostart: 05.09.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Wanted

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Timur Bekmambetov konnte nach seinem russischen Welterfolg, der Verfilmung der heimischen Fantasyromane Wächter der Nacht und Wächter des Tages, nun endlich in Hollywood Fuß fassen. Er hatte bereits bewiesen, dass er durchaus in der Lage ist aus minimalen finanziellen Mitteln ein zumindest visuell,durchaus ansprechendes Werk zu kreieren. Nun folgt mit der starbesetzten Comicadaption Wanted, basierend auf der Comic-Miniserie von Mark Millar, seine Feuertaufe in der Traumfabrik. Da der Film am Startwochenende in den USA bereits über 50 Millionen Dollar eingespielt hat, durchaus wohlwollende Kritiken erhalten hat, und sogar tatsächlich ziemlich unterhaltsam geworden ist, kann man seinen Einstand auch als gelungen bezeichnen.

Wesley Gibson (James McAvoy) ist ein durchschnittlicher Niemand, der sein Leben in einem langweiligen Büro vergeudet, wo ihn niemand respektiert und er dementsprechend wenig Freude hat. Seine Freundin (Kristen Hager) betrügt ihn mit seinem besten Freund, und so gibt es für Wesley wenig Perspektive. Doch sein Leben soll sich völlig ändern, als eines Tages eine Frau namens Fox (Angelina Jolie) in sein Leben tritt, und ihm erklärt, dass sein Vater (David O'Hara)  ein Eliteassassine war, der kürzlich von einem anderen Auftragsmörder namens Cross (Thomas Kretschmann) getötet wurde. Sie erklärt ihm, dass er einer der wenigen Menschen ist, die mit der nötigen Gabe ausgestattet sind, um ihrer Organisation, geleitet von Sloan (Morgan Freeman), beizutreten, und so den Platz seines Vaters einzunehmen. Und natürlich um dessen Tod zu rächen…

Wanted erinnert an so vielen Stellen an den Erfolgsfilm der Wachowski-Brüder Matrix, dass es fast unmöglich ist, diesen Umstand nicht zu erkennen. Man kann hier nur annehmen, dass man sich sehr am Action-Meilenstein orientiert hat, denn so viele Zufälle, wie sie hier vorkommen, können einfach nicht möglich sein. Alles beginnt bereits mit dem unpersönlichen Reihenbüro, in dem auch Neo schon seine ihm verhasste Arbeit verrichtet hat, und in dem nun auch Wesley sein Geld verdient. Man könnte hier sogar meinen, dass die Filmemacher sogar das selbe Set benutzt haben.

Auch als schließlich Fox auf Wesley zugeht und ihm seine wahre Bestimmung verrät, ihm quasi die Geheimnisse der Matrix offenbart, erinnert das ganze frappierend an den berühmten Wachowski-Film. Morgan Freemans Auftritt als zweiter Morpheus und die anschließende Ausbildung, die in den Trainingskämpfen und Schießübungen ebenfalls sehr dem berühmten Vorbild gleichen, sind da nur noch das Pünktchen auf dem I. Doch glücklicherweise distanziert sich Wanted nach ungefähr einer halben Stunde immer mehr von den Matrixspiegelungen und konzentriert sich durchaus auch auf seine eigenen Werte, wenngleich ein Schuss Matrix immer vorhanden bleibt.

Wohlgemerkt aber ein Schuss Matrix, der sich nur auf oberflächliche Ähnlichkeiten bezieht, denn die thematischen Ansätze des Wachowski-Films, inklusive der durchaus diskutierbaren Erlöserthematik, haben es nicht in den Film geschafft. Auch ist Wanted natürlich ein gutes Stück von der raffinierten Story von Matrix entfernt, stattdessen konzentriert man sich auf durchaus knackige Action, wenngleich man es mit der Überstilisierung auch übertrieben hat, und vor allem auf viel Humor, der die ernste Auftragsmörderthematik etwas auflockert und für viel Spaß im Kino sorgt (aber natürlich auch jeden ernsten Diskurs mit den moralischen Fragen unterbindet, wenngleich man sich das von einer Comicverfilmung aus Hollywood auch nicht zu erwarten braucht). In einem Punkt hätte man sich aber mehr von Matrix abschauen können: Denn im Gegensatz zum Wachowski-Film werden die "Superkräfte" der Auftragsmörder hier nicht erklärt und müssen als gegeben betrachtet werden. Kann man durchaus machen, speziell in einer Comicverfilmung, so ganz astrein ist dieses Vorgehen aber nicht.

Dafür wird es viele Gegner des verweichlichten Actionkinos (man denke nur an die Diskussion über die niedrige Altersfreigabe von Stirb Langsam 4.0) freuen, dass Wanted nicht auf den Zug der übertrieben kommerzgeilen Blockbuster aufspringt, die, um die Zielgruppe zu vergrößern, schon einmal jeden kontroversen Ansatz aus dem Film verbannen. Von Anfang an wurde der Film auf ein Rated R in Amerika ausgelegt, und dementsprechend geht es auch auf der Leinwand zu. In Zeitlupenaufnahmen verfolgen wird des Öfteren den Weg der Kugeln vom Gewehr bis in den Kopf oder Körper der Opfer, und mit Blut wird ebenso nicht gespart. Wanted ist somit für ein allzu junges Publikum nicht wirklich geeignet.

Etwas störend fällt allerdings die übertrieben auf cool getrimmte Inszenierung auf, die mit Motion Capturing-Techniken, Zeitlupenaufnahmen und einfach durch maßlos überzogene Einfälle schon einmal als negativ hervorsticht. Dabei erreicht Wanted aber eine durchaus interessante visuelle Ästhetik, zwischen dem dumpfen (nicht negativ gemeint) und blutigen 80er Jahre Kino, und dem hippen, technisierten modernen Actionfilm, wie ich es so noch nicht gesehen habe. Mir persönlich gefallen zwar eher die Elemente der 80er, aber es bleibt abzuwarten, wie das Zielpublikum darauf reagiert. Im Zeitalter des PG 13-Actionfilms ist Wanted jedenfalls ein Lichtblick am Horizont.

Auch muss man den Zuseher warnen, dass Wanted sicher nicht zu den Filmen gehört, die den Intellekt in irgendeiner Weise befriedigen. Zwar ist es eigentlich logisch, dass man das nicht von einem solchen Film erwartet, aber sicherheitshalber erwähne ich es dennoch. Das Drehbuch fühlt sich an manchen Stellen etwas unrund an (vielleicht haben hier zu viele Köche den Brei verdorben), und auch gelegentliche Logikpatzer kommen vor. Doch Grund den Film auszulassen ist das nicht, da Wanted in erster Linie Spaß bringen soll und man deshalb über solche Dinge getrost hinwegsehen kann, denn sein primäres Ziel erfüllt der Film äußerst gut. 
 
Weiters weiß vor allem der Cast zu überzeugen, und insbesondere James McAvoy zeigt sich erneut als toller Darsteller, der in Zukunft hoffentlich öfter die Chance, bekommt in einer großen Rolle zu glänzen. Bereits in Der letzte König von Schottland und Abbitte konnte er glänzen, aber dass er es auch schafft, einen Blockbuster zu tragen, sollte wohl der endgültige Beweis für sein Hollywoodpotential sein. Charisma hat er genug, und sein Talent hat er ja schon öfters bewiesen. Angelina Jolie dient in Wanted vornehmlich dazu, optische Reize zu setzen, und wird schauspielerisch nicht wirklich gefordert. Dass Morgan Freeman ein großer Schauspieler ist, dürfte auch niemanden mehr verwundern, aber in Wanted muss auch er nicht viel von seinem Talent abrufen. Eine gute Castleistung ist aber dennoch dabei herausgekommen.

Wanted ist also tatsächlich eine überraschend gut unterhaltende Comicadaption geworden, die zwar nicht über inhaltliche Tiefe verfügt (zwar werden durchaus ernste Töne angeschlagen, aber dies wohl einfach nur, weil es sich gerade anbietet), aber dafür für einen höchst unterhaltsamen Actionritt sorgt. Natürlich kann man dem Film vorwerfen, dass er ein klassischer Waffenporno ist, der sich noch dazu viel von Matrix zusammenklaut, aber dies ändert nichts daran, dass die Mischung aus blutigem 80er Jahre-Kino mit dem überstilisierten modernen Actionfilm durchaus funktioniert. Wenngleich man die hippen modernen Elemente auch gerne weglassen könnte, da sie einfach viel zu gekünstelt cool wirken. Doch das ist nur meine Meinung, vielleicht findet die Zielgruppe ja Gefallen daran.

Fazit:
Der Trailer vermittelt eher den Eindruck, als würde sich Wanted kräftig bei Matrix bedienen und dabei eine möglichst hippe Inszenierung wählen, um die inhaltlichen Schwäche zu kaschieren. Nun ja, der Film bestätig diesen Verdacht in allen Punkten, aber trotzdem schafft es das fertige Ergebnis, überraschend gut zu unterhalten. Einer der Gründe ist, dass der Film zwar auf der einen Seite diese übertrieben coole (stellenweise schon nervig coole) moderne Inszenierung wählt, aber es andererseits auch vermeidet, ein klassischer PG 13-Actionfilm der neuen Schule zu werden, sondern durchaus auch härtere Töne anschlägt, wie sie in den 80ern üblich waren. Doch Freunde des klassischen Actionfilms sollten nicht zu schnell jubeln, da Wanted die alte und die neue Schule kombiniert und dabei etwas durchaus Eigenes erschafft. Zusätzlich wird das Geschehen noch mit viel Humor aufgelockert, sodass einem unterhaltsamen Kinoerlebnis nichts mehr im Wege steht. Für mich ist Wanted jedenfalls eine der Überraschungen der Blockbustersaison, nachdem ich mit den bisherigen Kandidaten nur wenig anfangen konnte. Zugegeben, das Drehbuch ist holprig, der Logikalarm wird auch manchmal Warnung geben, aber trotz all seiner Schwächen funktioniert Wanted überraschend gut.

Wertung:
7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.1/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 64
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Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013