Wesley Gibson (James McAvoy) ist ein durchschnittlicher Niemand, der sein Leben in einem langweiligen Büro vergeudet, wo ihn niemand respektiert und er dementsprechend wenig Freude hat. Seine Freundin (Kristen Hager) betrügt ihn mit seinem besten Freund, und so gibt es für Wesley wenig Perspektive. Doch sein Leben soll sich völlig ändern, als eines Tages eine Frau namens Fox (Angelina Jolie) in sein Leben tritt, und ihm erklärt, dass sein Vater (David O'Hara) ein Eliteassassine war, der kürzlich von einem anderen Auftragsmörder namens Cross (Thomas Kretschmann) getötet wurde. Sie erklärt ihm, dass er einer der wenigen Menschen ist, die mit der nötigen Gabe ausgestattet sind, um ihrer Organisation, geleitet von Sloan (Morgan Freeman), beizutreten, und so den Platz seines Vaters einzunehmen. Und natürlich um dessen Tod zu rächen…
Auch als schließlich Fox auf Wesley zugeht und ihm seine wahre Bestimmung verrät, ihm quasi die Geheimnisse der Matrix offenbart, erinnert das ganze frappierend an den berühmten Wachowski-Film. Morgan Freemans Auftritt als zweiter Morpheus und die anschließende Ausbildung, die in den Trainingskämpfen und Schießübungen ebenfalls sehr dem berühmten Vorbild gleichen, sind da nur noch das Pünktchen auf dem I. Doch glücklicherweise distanziert sich Wanted nach ungefähr einer halben Stunde immer mehr von den Matrixspiegelungen und konzentriert sich durchaus auch auf seine eigenen Werte, wenngleich ein Schuss Matrix immer vorhanden bleibt.
Dafür wird es viele Gegner des verweichlichten Actionkinos (man denke nur an die Diskussion über die niedrige Altersfreigabe von Stirb Langsam 4.0) freuen, dass Wanted nicht auf den Zug der übertrieben kommerzgeilen Blockbuster aufspringt, die, um die Zielgruppe zu vergrößern, schon einmal jeden kontroversen Ansatz aus dem Film verbannen. Von Anfang an wurde der Film auf ein Rated R in Amerika ausgelegt, und dementsprechend geht es auch auf der Leinwand zu. In Zeitlupenaufnahmen verfolgen wird des Öfteren den Weg der Kugeln vom Gewehr bis in den Kopf oder Körper der Opfer, und mit Blut wird ebenso nicht gespart. Wanted ist somit für ein allzu junges Publikum nicht wirklich geeignet.
Auch muss man den Zuseher warnen, dass Wanted sicher nicht zu den Filmen gehört, die den Intellekt in irgendeiner Weise befriedigen. Zwar ist es eigentlich logisch, dass man das nicht von einem solchen Film erwartet, aber sicherheitshalber erwähne ich es dennoch. Das Drehbuch fühlt sich an manchen Stellen etwas unrund an (vielleicht haben hier zu viele Köche den Brei verdorben), und auch gelegentliche Logikpatzer kommen vor. Doch Grund den Film auszulassen ist das nicht, da Wanted in erster Linie Spaß bringen soll und man deshalb über solche Dinge getrost hinwegsehen kann, denn sein primäres Ziel erfüllt der Film äußerst gut.
Wanted ist also tatsächlich eine überraschend gut unterhaltende Comicadaption geworden, die zwar nicht über inhaltliche Tiefe verfügt (zwar werden durchaus ernste Töne angeschlagen, aber dies wohl einfach nur, weil es sich gerade anbietet), aber dafür für einen höchst unterhaltsamen Actionritt sorgt. Natürlich kann man dem Film vorwerfen, dass er ein klassischer Waffenporno ist, der sich noch dazu viel von Matrix zusammenklaut, aber dies ändert nichts daran, dass die Mischung aus blutigem 80er Jahre-Kino mit dem überstilisierten modernen Actionfilm durchaus funktioniert. Wenngleich man die hippen modernen Elemente auch gerne weglassen könnte, da sie einfach viel zu gekünstelt cool wirken. Doch das ist nur meine Meinung, vielleicht findet die Zielgruppe ja Gefallen daran.
Fazit:
Der Trailer vermittelt eher den Eindruck, als würde sich Wanted kräftig bei Matrix bedienen und dabei eine möglichst hippe Inszenierung wählen, um die inhaltlichen Schwäche zu kaschieren. Nun ja, der Film bestätig diesen Verdacht in allen Punkten, aber trotzdem schafft es das fertige Ergebnis, überraschend gut zu unterhalten. Einer der Gründe ist, dass der Film zwar auf der einen Seite diese übertrieben coole (stellenweise schon nervig coole) moderne Inszenierung wählt, aber es andererseits auch vermeidet, ein klassischer PG 13-Actionfilm der neuen Schule zu werden, sondern durchaus auch härtere Töne anschlägt, wie sie in den 80ern üblich waren. Doch Freunde des klassischen Actionfilms sollten nicht zu schnell jubeln, da Wanted die alte und die neue Schule kombiniert und dabei etwas durchaus Eigenes erschafft. Zusätzlich wird das Geschehen noch mit viel Humor aufgelockert, sodass einem unterhaltsamen Kinoerlebnis nichts mehr im Wege steht. Für mich ist Wanted jedenfalls eine der Überraschungen der Blockbustersaison, nachdem ich mit den bisherigen Kandidaten nur wenig anfangen konnte. Zugegeben, das Drehbuch ist holprig, der Logikalarm wird auch manchmal Warnung geben, aber trotz all seiner Schwächen funktioniert Wanted überraschend gut.
Wertung:
7/10 Punkte

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