Mein Führer

OT: - 88 Minuten -  Komödie
Mein Führer
Kinostart: 19.01.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Mein Führer

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Das Filmland Deutschland musste sich sehr oft Anschuldigungen gefallen lassen dass es entweder Komödien oder Filme über den Nationalsozialismus dreht. Recht viel Abwechslung ist man nicht gewohnt, also warum nicht einmal etwas "neues" probieren und eine Komödie über die NS Zeit machen. Als Reaktion hörte man schon die ersten Menschen rufen das man dies nicht machen darf und dass sich die Verharmlosung dieser dunklen Zeit nicht als Filmstoff eignet. Dabei dürfte den vielen entsetzten Kritikern entgangen sein dass Charlie Chaplin bereits 1940 seinen Großen Diktator drehte und damit genau dieses Tabuthema noch in der vollen Blütezeit von Hitler aufgriff.

 

Natürlich muss man bei diesem Thema Feingefühl beweisen, aber es gilt dennoch das Prinzip dass wenn man schon etwas macht, dann sollte man es konsequent, oder gar nicht machen. Mein Führer zeigt bereits im Vorfeld Konsequenz, indem Regisseur Dani Levy die Rolle des Adolf Hitlers an Helge Schneider gab. Doch so geradlinig und bissig der Film im Vorfeld wirkt, umso harmloser erweist sich das endgültige Werk. Mein Führer versucht niemandem Weh zu tun, es allen recht zu machen und erweist sich als zahnloser Tiger, der die Beute zwar jagen kann, am Ende aber doch nicht zubeisst.

 

Adolf Hitler (Helge Schneider) ist depressiv und kraftlos. Berlin wird von den Alliierten zerbombt und das Volk wartet auf die Neujahrsansprache ihres Führers. Dr. Josef Goebbels (Sylvester Groth) will die Lage retten in dem er den Schauspieler Prof. Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe) aus dem Konzentrationslager holt und ihn dazu bringt dem am Boden liegenden Führer für seine Ansprache vorzubereiten. Grünbaum nimmt an unter der Bedingung dass seine Familie als Gegenleistung ebenfalls aus dem KZ geholt wird. Zuerst überlegt er sich die Sitzungen mit Hitler dazu zu nutzen um diesen zu töten, doch als Hitler aus seiner Kindheit berichtet und erklärt wie ihn sein Vater geschlagen und gedemütigt hat bekommt er Mitleid. Während dessen planen Goebbels und Himmler den schwächlichen Diktator während seiner Ansprache zu töten und die Schuld Grünbaum in die Schuhe zu schieben...

 

Die erste große, ja fast riesige Überraschung nach dem Sehen des Films ist die wirklich ausgezeichnete Leistung von Helge Schneider, der mit seiner Hitlerinterpretation sehr gut den Diktator widergibt und nur geringfügige Adaptionen an dessen Charakter durchführt um den Humor besser wirken zu lassen. Überhaupt liefern alle Darsteller eine wirklich überzeugende Leistung und die Figuren, die zwar nahe an den Vorbildern angelehnt sind, aber immer leicht modifiziert wurden, sind sehr gut gelungen. Weiters kann man besonders Ulrich Mühe als warmherzigen Grünbaum hervorheben und Sylvester Groth der als Goebbels ebenfalls eine sehr respektable Leistung liefert.

 

Doch das Problem von Mein Führer liegt nicht in der Macht der Darsteller. Der Film wirkt viel zu zahm. Es gibt nur wenige bissige Szenen und diese bilden die wenigen Höhepunkte des Films. Es scheint so als hatte Dani Levy am Ende einfach nicht genug Mut gehabt um sein ambitioniertes Projekt voll auszunutzen. Anstatt dass er sich auf den gigantischen Pluspunkt Helge Schneider konzentriert und sich mehr auf die gelungenen Szenen zwischen Hitler und Grünbaum beschränkt, baut er unsinnige Nebenstränge ein, die den Filmfluss nur ins Stocken bringen. Besonders die eingebaute Verschwörungsgeschichte stört gewaltig und eigentlich wirkt die gesamte Rahmenhandlung viel zu unausgegoren um den Film gelingen zu lassen.

 

Doch wenn der Film zumindest durch einen durchgehend überzeugenden Humor punkten könnte, dann wäre die schlechte Rahmenhandlung durchaus zu verschmerzen, doch leider besitzt der Film nur wenige gut platzierte Scherze, die eigentlich allesamt auf das Konto von Helge Schneider gehen. Hätte Levy doch nur den Schwerpunkt mehr auf Schneider gelegt und wäre mit seinem Humor geradliniger gewesen, so wäre der Film wahrscheinlich um einiges besser geworden.

 

Im Vorfeld fielen die Kritiken sehr vernichtend aus. Dadurch hatte ich sehr geringe Erwartungen an den Film und wurde deshalb sogar etwas positiv überrascht, da der Film eingentlich angenehme 90 Minuten beschert. Das Problem ist nur dass man soviel mehr aus dieser Idee hätte machen können und ich verstehe durchaus das Helge Schneider von Mein Führer im nachhinein nicht sonderlich begeistert ist. Der Film hatte das Potential zu einer wirklich aussergewöhnlich witzigen Satire und am Ende ist es nur ein unterdurchschnittlicher kleiner Film geworden der an ein paar Stellen zum Lachen anregt, aber im Großen und Ganzen enttäuscht.

 

Fazit:

Mein Führer ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Der Film ist weder ein totaler Reinfall, noch überzeugt er wirklich. Übrig bleibt ein wirklich witziger Helge Schneider, dem der Film auch verdankt dass er nicht ganz untergeht und ein bitteres Gefühl in der Magengegend das man durch mehr Konsequenz viel viel mehr hätte erreichen können. Somit ergibt sich auch das man den Film nicht richtig empfehlen kann, da er großteils einfach nur über seichten Humor verfügt und nicht durchgehend überzeugt. Sollte man ihn sich allerdings mit niedrigen Erwartungen ansehen, so erlebt man einen Helge Schneider in Bestform, der doch einige Male zum Lachen anregt.

 

Wertung:

4,0/10 Punkte

Filmering.at
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