Der Mongole

OT: -  126 Minuten -  Historienepos 
Der Mongole
Kinostart: 08.08.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Der Mongole ging 2008 als Beitrag Kasachstans um den Oscar als „Bester fremdsprachiger Film“ ins Rennen. Bekanntlich gewann Die Fälscher diese begehrte Trophäe und Der Mongole ging leer aus. Zu Unrecht? Irgendwie schon. Denn seit langem kommt endlich mal wieder ein richtig gutes Epos ins Kino, das Filme wie Troja oder Alexander mit Leichtigkeit vom Schlachtfeld fegt. Dabei handelt es sich bei diesem Film allerdings nicht um ein typisches Schlachtenspektakel voller Schwertkämpfe und Action, wobei die Kämpfe auch nicht zu kurz kommen und vor allem die Schlacht am Ende sehr beeindruckend gestaltet ist.

Erzählt wird die Geschichte von Temudgin (Tadanobu Asano), dessen Vater von einem befeindeten Clan vergiftet wurde, als Temudgin gerade neun Jahre alt war. Gleich darauf zerbrach der Clan seines Vaters und der neue Anführer drohte damit Temudgin zu töten, um seiner späteren Rache zu entgehen. Doch er konnte immer wieder fliehen und lernte auf seiner Reise durch die beeindruckend große und scheinbar unendliche mongolische Steppe verschiedene Weggefährten kennen. Auch seine bereits in jungen Jahren erwählte Braut Borte (Khulan Chuluun) leistete ihm dabei oft Gesellschaft.

Doch die mongolische Steppe ist ein gefährlicher Ort, nichts für zartbesaitete Sensibelchen und, so klischeehaft es klingen mag, ein Ort, an dem nur die Starken überleben. Temudgin und seine Frau gehören zweifellos zu den Starken, und trotz all der Steine, die ihnen in den Weg gelegt werden, erreicht Temudgins Vision eines vereinten mongolischen Reiches eine ungeahnte Größe, die sich selbst sein Vater , der selbst bloß einen kleinen Stamm anführte, nicht träumen ließ. Doch Temudgin gab nie auf, musste sich mehr als einmal von ganz unten nach oben kämpfen und setzte alles aufs Spiel, um seine Ziele zu erreichen, denn entweder würde er Erfolg haben oder daran zugrunde gehen...

Der Film lebt besonders von seiner beeindruckenden Bildsprache, die von grandiosen Aufnahmen der chinesischen, mongolischen und kasachischen Landschaft getragen wird. Da hauptsächlich an Originalschauplätzen gedreht wurde, war es zwar für die Crew nicht immer einfach, die gewünschten Bilder zu bekommen, aber die daraus resultierenden Aufnahmen sprechen eine deutliche Sprache und zeugen von einer großartigen Landschaft, vor deren Hintergrund sich die Handlung und ihre Figuren entfalten können. Man spürt richtig die natürliche Freiheit, aber auch die Wildnis, in der die Figuren leben und versuchen zu überleben. Dadurch hat sich der Aufwand, an den Originalschauplätzen zu drehen, auf alle Fälle gelohnt.

Die Schauspieler verleihen ihren Charakteren eine unerwartete Tiefe und Vielfalt. Mit wenigen Worten zeigen sie, was in ihren Figuren vorgeht und geben damit dem Zuschauer einen Einblick in die innere Psyche der Figuren. Eindeutig handelt es sich bei ihnen aber um Menschen der Tat und nicht des Redens. Sie sprechen nur das Notwendigste, den Rest drücken sie durch ihre Gesten aus. Was allen potenziellen Zuschauern nahe legt, den Film unbedingt im Original mit deutschen Untertitel zu sehen, da die Stimmen der Schauspieler, allen voran des Hauptdarstellers Tadanobu Asano, im Original einfach eine viel stärkere Wirkung haben. Schon allein Asanos tiefe, raue Stimme, die einfach perfekt zu Temudgin passt, ist es wert, den Film im Original zu sehen. Der Umstand, dass dann der ganze Film mit Untertitel genossen werden muss, ist ein zu vernachlässigender, vergisst man doch bereits nach ein paar Minuten, dass man diese lesen muss, weil man derart gefesselt ist von dem, was sich vor einem auf der Leinwand abspielt.

Leider hat der Film aber auch ein paar kleinere Schwächen, die aber großteils zu vernachlässigen und nicht weiter erwähnenswert sind. Einzig der Umstand, dass sich die Handlung an manchen Stellen etwas wiederholt und irgendwie festgefahren wirkt, ist manchmal störend. Doch das gesamte Filmerlebnis wird dadurch eigentlich herzlich wenig getrübt, bleibt doch einzig das Positive in Erinnerung und bietet einen derart starken Eindruck, dass kleinere Patzer leicht und gerne vergeben und vergessen werden.

Wie gesagt ist die Action in diesem Film zweitrangig, aber auch die kann sich durchaus sehen lassen. Es stimmt schon, dass es in Der Mongole in erster Linie um die Entwicklung der Figuren und deren Geschichte geht, die Schlachten sind aber dennoch wichtig und derart gut durch die Handlung vorbereitet, dass sie umso imposanter und wuchtiger wirken, weil sie dadurch essenzieller für den Film sind. Eine gut platzierte Schlacht oder ein gut platzierte Kampf wirken deshalb umso beeindruckender, eben weil im Film nicht die ganze Zeit ununterbrochen gekämpft wird.

Fazit:
Auch wenn sich Der Mongole nicht mit einem derart großen Epos wie Die sieben Samurai messen kann, so hat der Film doch gewisse Ähnlichkeiten mit dem Akira Kurosawa Meisterwerk und erinnert stellenweise sogar daran. Zudem finden sich auch viele Anleihen bei Conan, der Barbar im Film wieder. Dadurch, aber besonders durch die vielen erwähnten Vorzüge des Films, ist Der Mongole mit Leichtigkeit eines der besten historischen Epen, die seit langem im Kino zu sehen waren. Alles in allem ist es überhaupt einer der besten Filme, der seit langem im Kino gespielt wurde, und, wen wundert’s, der Film kommt nicht aus Hollywood, sondern ist eine Koproduktion aus Deutschland, Kasachstan, Russland und der Mongolei. Und wenn der Film wirklich der erste Teil einer Trilogie ist, dann darf man auf die Fortsetzungen sehr gespannt sein. Wenn möglich, unbedingt im Original ansehen, niemand sollte sich von der Untertitelung abschrecken lassen. Aber Hauptsache: Unbedingt diesen Film sehen!

Bewertung:

8/10 Punkte

Oscars:
Nominiert:
* 2007 - Bester fremdsprachiger Film

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