Der unglaubliche Hulk

OT: -  113 Minuten -  Comic / Action 
Der unglaubliche Hulk
Kinostart: 11.07.2008
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Er ist grün, drei Meter groß und leicht reizbar. Nein, die Rede ist nicht von Shrek, wie man am Titel unschwer erkennen kann, sondern vom Marvel-Hünen Hulk. Nach fünfjähriger Pause kehrt der computeranimierte Gigant auf die Leinwand zurück und hat die Zeit genutzt, um sich vom grünen Flummi zum organisch anmutenden Muskelprotz aufzuputschen. Dabei wurde großes Augenmerk darauf gelegt, dass er, trotz aller fantastischen Proportionen, natürlich und authentisch wirkt und sich optisch gut in seine aggressive Umwelt integriert, um sich ihr auf brutale Art entgegen zu stellen.

Die Geschichte des Bruce Banner (Edward Norton) ist eigentlich hinlänglich bekannt. Ein Wissenschaftler, der einer Überdosis Gammastrahlen exponiert wurde, verwandelt sich, wenn er gereizt oder in die Enge getrieben wird, in das unkontrollierbare, vor Kraft und Energie fast platzende Monster Hulk. Ständig vom Militär gehetzt, versucht er sein anderes Ich endgültig loszuwerden, da er es als Krankheit empfindet, die er mit Hilfe von Betty Ross (Liv Tyler) heilen will. Erst als das Militär unter der Leitung von General Thaddeus „Thunderbolt“ Ross (William Hurt) aus dem Soldaten Emil Blonsky (Tim Roth) die alles zerstörende Bestie Abomination erschafft, ist Banner gezwungen, eine endgültige Entscheidung über die Akzeptanz seiner grünen Persönlichkeit zu fällen...

Hauptsächlich basiert der Film auf der 70er Jahre TV-Serie mit Bill Bixby und Lou Ferrigno, der schon in King of Queens seinen Hang zur Selbstironie unter Beweis gestellt hat und hier einen kurzen, aber denkwürdigen Auftritt abliefert, in dem er die simple Freude über eine Pizza mit strahlenden Augen oscarreif darstellt. Der unglaubliche Hulk orientiert sich besonders an der „auf der Flucht“-Thematik der TV-Serie und zeigt das Dilemma, das derartig monströse Kräfte mit sich bringen. Dabei wird einem dieser Konflikt nicht übertrieben aufs Auge gedrückt, wie das in manch anderen Marvelverfilmungen (Spiderman, der Blick ist auf dich gerichtet!) der Fall ist. Wobei man allerdings zugeben muss, dass auch der Hulk nicht vor Subtilität strotzt, liegt doch das Auffällige schon in seiner Natur, jedoch ist die beinahe an Schizophrenie grenzende Zwiespältigkeit des Helden nicht derart penetrant.

Es wird versucht, im Film einen Bruce Banner zu zeigen, der mit seinen inneren Dämonen hadert und dadurch gezwungenermaßen zu einem Ausgestoßenen der Gesellschaft wird. Leider gelingt das nicht über die volle Distanz. Hulk, der von so großen Vorbildern wie Frankenstein und Dr. Jekyll und Mr. Hyde inspiriert wurde, ist eine Versinnbildlichung und gleichzeitig metaphorische Gegenüberstellung unserer aggressiven Menschlichkeit. Dieser Umstand negiert die Möglichkeit, dass der Hulk ein Superheld im eigentlichen Sinne ist, sondern vielmehr ein Antiheld, der seine Fähigkeiten als Fluch empfindet und es selbst kaum in der Hand hat, zu bestimmen, wann er sich in den Hulk verwandelt. Denn wie es auch schon in Goethes Faust heißt, wohnen zwei Seelen in seiner Brust, die im Falle Bruce Banners unterschiedlicher kaum sein könnten.

Leider beinhaltet auch Der unglaubliche Hulk einige Logikfehler, die den zu aufmerksamen Zuschauer aus der Illusion reißen. Dabei sind Regen und Gewitter, wo eigentlich keine sein sollten und ein überaus subtil agierendes Militär nicht mal das grünste Problem des Films, denn zum Schluss hin nimmt auch die Qualität der Handlung rapide ab, und langsam aber sicher geht dem Hulk dadurch die Puste aus. An dieser Stelle verliert das Drehbuch eindeutig an Spannung, wodurch die Qualitätskurve des Films sich allmählich immer mehr nach unten neigt. Kompensiert wird das Ganze durch einen bombastischen Endkampf, der zwar überaus episch anmutet, aber aufgrund schlechter Vorbereitung und fehlender emotionaler Bindung zum Zuschauer nicht den gewünschten Effekt erzielt und deshalb nichts weiter als eine riesige Materialschlacht darstellt. Dieser letzte Kampf offenbart schlussendlich, was der Film im Grunde eigentlich ist, nämlich ein actiongeladener Sommerblockbuster, nicht mehr und nicht weniger. Dies bringt mich auch gleich zum Fazit.

Fazit:
Auch wenn Der unglaubliche Hulk kein Meisterwerk unter den Comicverfilmungen darstellt, schafft er es trotzdem, das Interesse an diesem Marvel Monster (um bei Stan Lees Vorliebe für Alliterationen zu bleiben) wieder neu zu erwecken. Der Film bietet solide Action und gute visuelle Effekte an passend ausgewählten Drehorten, wobei vor allem die Szenerie am Anfang in den Slums von Rio de Janeiro überaus beeindruckt und gut gewählt wurde. Der unglaubliche Hulk ist ohne Zweifel der erste (großteils) gelungene Blockbuster dieses noch sehr jungen Sommers und lässt, aufgrund vieler unbeantworteter Fragen, auf eine Trilogie oder zumindest eine Fortsetzung schließen, auf deren Fortgang man gespannt sein darf. Besonders was die Entwicklung von Dr. Bruce Banner und Mr. Hulk anbelangt. Denn wie schon erwähnt, handelt es sich beim grünen Koloss um einen der interessantesten, aber in seiner Ambiguität leider sehr unterschätzten Marvel-Charaktere. Da der Film vorwiegend auf Unterhaltung setzt und nicht vorgibt mehr zu sein (obwohl dank der interessanten Comicfigur das Potenzial für mehr durchaus da wäre), haben Action- und Comicfans sicher ihren Spaß daran, alle anderen sollten nicht zu viel erwarten.

Bewertung:

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Filmering.at
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Liste von Missdavies
Erstellt: 18.10.2015